Thessaloniki – Lungenkrebs bleibt weltweit und in Griechenland eine der tödlichsten Krankheiten. Nach aktuellen Daten des griechischen Gesundheitsministeriums werden im Land jährlich rund 10.000 neue Fälle registriert. Mediziner warnen vor einem dramatischen Anstieg der Patientenzahlen in den Spezialkliniken, betonen aber gleichzeitig, dass eine frühzeitige Diagnose die Sterblichkeit um 20 bis 25 Prozent senken kann.
Die Pneumologische Universitätsklinik am Papanikolaou-Krankenhaus in Thessaloniki verzeichnet in den letzten Jahren einen massiven Zuwachs an schwer erkrankten Patienten. Im Vergleich zu den Vorjahren sei die Zahl der Neudiagnosen, primär bei metastasierendem Lungenkrebs, um 20 bis 30 Prozent pro Jahr gestiegen, wie Sofia Lampaki, Assistenzprofessorin und Leiterin der dortigen Ambulanz für Lungenkrebs-Screening, berichtet.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Jährlich erkranken in Griechenland etwa 10.000 Menschen neu an Lungenkrebs.
- Früherkennung durch Niedrigdosis-CT kann die Sterblichkeitsrate um bis zu 25 Prozent senken.
- Bei 45 Prozent der Untersuchten werden unbemerkt Begleiterkrankungen wie COPD oder Herzleiden entdeckt.
Niedrigdosis-CT als Lebensretter und “Beifang”
Das wichtigste Instrument der modernen Krebsvorsorge ist die Niedrigdosis-Computertomographie (Low-Dose-CT) ohne Kontrastmittel. Große internationale Studien belegen den enormen Nutzen dieser Untersuchung für die Diagnose der Krankheit in frühen, noch heilbaren Stadien. In der Spezialambulanz des Papanikolaou-Krankenhauses, die seit 2017 ein organisiertes Screening-Programm durchführt, wurden bislang rund 3.800 aktive Raucher und Ex-Raucher untersucht. Etwa drei Prozent von ihnen erhielten die Diagnose Lungenkrebs, wobei in 115 Fällen die Krankheit in einem frühen Stadium entdeckt werden konnte.
Besonders bemerkenswert ist der zusätzliche gesundheitliche Nutzen des Screenings: Bei rund 45 Prozent der Teilnehmer wurden laut Lampaki andere, bis dahin völlig unbemerkte chronische Krankheiten diagnostiziert. Dazu zählen vor allem die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), interstitielle Lungenerkrankungen sowie schwerwiegende Herz-Kreislauf-Probleme.
Künstliche Intelligenz und Gen-Analysen im Einsatz
Die medizinische Entwicklung bewegt sich international hin zu einem hochpersonalisierten Screening. Griechische Kliniken kombinieren das Niedrigdosis-CT zunehmend mit neuen Biomarkern und Künstlicher Intelligenz (KI). Die Klinik in Thessaloniki beteiligt sich an einem großen Forschungsprogramm zur Analyse von Blut-, Plasma- und Serumproben, um Krebs frühzeitig auf molekularer Ebene zu erkennen. Gleichzeitig läuft ein KI-Projekt in enger Zusammenarbeit mit dem Sotiria-Krankenhaus in Athen und der Universitätsklinik Heraklion auf Kreta.
Die Algorithmen unterstützen die Radiologen dabei, winzige radiologische Befunde zu identifizieren, die für das menschliche Auge unsichtbar bleiben oder keinen direkten Verdacht auf einen Tumor auslösen würden. Diese Daten helfen den Ärzten, Hochrisikopatienten engmaschiger zu überwachen.
Zielgerichtete Therapien und Aufruf an Frauen
Nach einer gesicherten Diagnose stehen den Patienten in Griechenland moderne, individualisierte Behandlungsmethoden zur Verfügung. Durch detaillierte molekulare Untersuchungen des Tumors können Ärzte gezielt Immuntherapien oder zielgerichtete Medikamente einsetzen. Diese kostenintensiven Behandlungen werden den Patienten durch spezielle Programme kostenlos angeboten, um für jeden Einzelnen die effektivste Therapieform zu gewährleisten.
Ein zentrales Problem bei der Früherkennung ist laut den Experten die mangelnde Teilnahme von Frauen. Das medizinische Personal ruft insbesondere Frauen ab 50 Jahren, die rauchen oder in den letzten 15 Jahren damit aufgehört haben, dazu auf, an den Vorsorgeprogrammen teilzunehmen. Um die Reichweite des Screenings in Griechenland zu erhöhen, wurde in Kooperation mit der Non-Profit-Organisation FairLife ein multizentrisches Netzwerk aufgebaut, an dem sich auch Universitätskliniken in Larissa, Alexandroupoli und Patras beteiligen.