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Menschen suchen bei extremer Hitzewelle in Europa Abkühlung im Schatten, während das Wetter in Griechenland vorerst moderat bleibt.
Aktuelles

Super-El-Niño: Deutschland glüht, doch Griechenland entgeht dem Hitzedom

Antonia Feldberg, Autorin bei GRland Deutschland
29.06.2026 13:52
Antonia Feldberg
Welt
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Symbolbild | GRland
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Europa – Während weite Teile West- und Mitteleuropas unter einem beispiellosen Hitzedom erstickt, rufen offizielle Stellen den Ausnahmezustand aus. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) warnt eindringlich vor dem Wetterphänomen El Niño, das historische Temperaturrekorde und lebensbedrohliche Wetterlagen verursacht. Für Griechenland, das sich aktuell am Rand dieses gewaltigen Hochdruckgebiets befindet, bedeutet dies vorerst eine Atempause, doch die extremen Bedingungen im Mittelmeerraum schüren die Sorge vor verheerenden Waldbränden und neuen Gesundheitsrisiken.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Temperaturen in Zentraleuropa liegen 12 bis 16 Grad über dem klimatischen Durchschnitt.
  • Griechenland entgeht dem aktuellen Hitzedom, warnt jedoch vor einer extremen Waldbrandsaison.
  • Das rasch wärmer werdende Mittelmeer begünstigt die Ausbreitung potenziell gefährlicher Bakterien.

Hitzedom über Europa: Rekordtemperaturen in Deutschland und Frankreich

Die französische Wetterbehörde Météo France verzeichnete am vergangenen Dienstag den heißesten Tag in der Geschichte des Landes. Die durchschnittliche Temperatur an 30 Messstationen kletterte auf 29,8 Grad Celsius, wobei in Städten wie Paris Spitzenwerte von 42 Grad erreicht wurden. Diese Werte übertrafen selbst den tödlichen Hitzesommer von August 2003, der rund 15.000 Menschenleben forderte. Die Gesundheitsbehörden gaben umgehend die höchste Warnstufe heraus. Gesundheitsministerin Stéphanie Rist warnte, dass die Hitze alle Bevölkerungsgruppen bedrohe und selbst junge Menschen Herzinfarkte erleiden könnten. Auch nachts brachte das Wetter kaum Linderung: Die Temperaturen fielen im landesweiten Durchschnitt nicht unter 22 Grad, in Nantes blieben sie gar bei 27,2 Grad. Die extreme Hitze zwang Frankreich dazu, drei Kernkraftwerke vorübergehend abzuschalten, während das Lehrpersonal des Landes wegen unzumutbarer Arbeitsbedingungen in den Streik trat.

In Deutschland herrschen ähnlich drastische Bedingungen. Der Deutsche Wetterdienst spricht von einer historischen Hitzewelle, bei der das Thermometer vielerorts konstant über der 40-Grad-Marke verharrt. Eine besonders extreme Nacht erlebte Baden-Württemberg am Mittwoch, als die Temperaturen nicht unter 26,2 Grad sanken. Die Auswirkungen auf das öffentliche Leben sind massiv: Der Hamburger Halbmarathon wurde komplett abgesagt, und die Deutsche Bahn bietet kostenlose Ticketstornierungen für Reisende an, die die gesundheitlichen Risiken der Hitze meiden möchten.

Auch die Nachbarländer melden historische Rekorde. Luxemburg verzeichnete am vergangenen Mittwoch mit 38,3 Grad die höchste je gemessene Juni-Temperatur. In Norditalien folgen auf 40-Grad-Tage extrem warme Nächte, in denen die Werte nicht unter 29 Grad fallen. Die Schweiz und Tschechien riefen Alarmbereitschaft aus, während in zwölf niederländischen Provinzen, in London und im Nordosten Englands ebenfalls Warnungen galten. Für die österreichische Hauptstadt Wien werden am Wochenende Temperaturen von 40 Grad oder mehr erwartet. Fachleute des Portals Severe Weather Europe erklären dieses Phänomen mit einem außergewöhnlich starken Hitzedom. Die Temperaturen lägen 12 bis 16 Grad über den langfristigen klimatischen Durchschnittswerten. Ein solches System entstehe, wenn ein starkes Hochdruckgebiet in der oberen Atmosphäre die Luft nach unten drücke und komprimiere, wodurch die Hitze wie unter einer gewaltigen Kuppel gefangen bleibe.

Das “Super-El-Niño” und die Auswirkungen auf das Klima

Verantwortlich für diese Wetterextreme machen Wissenschaftler eine besonders starke Ausprägung des El-Niño-Phänomens, das in Fachkreisen bereits als inoffizielles “Super-El-Niño” bezeichnet wird. Es könnte sich um das stärkste der letzten 150 Jahre handeln. El Niño entsteht durch ungewöhnlich hohe Wassertemperaturen im östlichen Pazifik, was die globalen Temperaturen in die Höhe treibt und extreme Wetterereignisse auslöst. Bereits das vorherige El-Niño-Ereignis, das von Mai 2023 bis März 2024 andauerte, trug zu Rekordtemperaturen bei, die weltweit tödliche Hitzewellen, Waldbrände und Überschwemmungen verursachten.

Dass Europa derart stark betroffen ist, hängt mit der raschen Erwärmung des Kontinents zusammen. Europa erwärmt sich doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt, wobei die Temperaturen bereits 2,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen. Besonders die Nähe zur Arktis spielt eine fatale Rolle: Die Arktis erwärmt sich viermal schneller als der Rest der Welt. Das schmelzende Eis am Nordpol verringert die Reflexion der Sonnenstrahlung. Dunklere Meeresflächen absorbieren mehr Wärme, was die Schmelze weiter beschleunigt. Paradoxerweise hat auch der erfolgreiche europäische Kampf gegen die Luftverschmutzung einen unbeabsichtigten Nebeneffekt. Die strengen Umweltauflagen reduzierten die Smog- und Wolkenbildung, die zuvor wie eine thermische Isolierschicht wirkte und einen Teil der Sonnenstrahlen blockierte. Nun trifft die Sonnenstrahlung ungehindert auf den Kontinent.

Warum Griechenland vom aktuellen Hitzedom verschont bleibt

Trotz der dramatischen Lage in Mitteleuropa zeigen die Satellitenkarten des europäischen Copernicus-Programms ein erstaunliches Bild: Der Hitzedom scheint Griechenland regelrecht auszuweichen. Obwohl das Land traditionell eine der heißesten Regionen Europas ist, befindet es sich derzeit lediglich am äußeren Rand des gewaltigen Antizyklons, der den Hitzedom über Europa aufbaut. Dies ist der Hauptgrund, warum in Griechenland derzeit keine vergleichbaren Rekordtemperaturen gemessen werden.

Dennoch gibt es keinen Grund zur Entwarnung. Als mediterranes Land ist Griechenland den langfristigen Folgen des Super-El-Niño stark ausgesetzt. Die Erwärmung des Mittelmeers führt zu einer Reihe von unnatürlichen atmosphärischen Phänomenen. In den vergangenen fünf Jahren gehörten Griechenland und Zypern zu den Ländern, die von einzelnen Hitzewellen am schwersten getroffen wurden. Im vergangenen Jahr lagen die Temperaturen Ende Juli bis zu sechs Grad über dem Durchschnitt, was statistisch zu etwa 950 hitzebedingten Todesfällen führte. Forscher des Imperial College London und der London School of Hygiene & Tropical Medicine untersuchten 854 europäische Städte und kamen zu dem Schluss, dass der Klimawandel für 68 Prozent der geschätzten 24.400 Hitzetoten des vergangenen Sommers verantwortlich war.

Die Warnung des Ministers: Extreme Waldbrandgefahr

Die Kombination aus lang anhaltender Trockenheit, hohen Temperaturen und den starken sommerlichen Meltemi-Winden rückt Griechenland in den Fokus extremer Waldbrandgefahr. „Es kommen sehr schwierige Tage mit einem sehr hohen Brandrisiko“, warnte der griechische Minister für Klimakrise, Evaggelos Tournas, kürzlich. Er betonte, dass das Land gleichzeitig mit hohen Temperaturen, viel brennbarem Material durch starke Winterregenfälle und starken Winden konfrontiert sei, was die rasche Ausbreitung von Feuern begünstige.

Behörden im gesamten Mittelmeerraum stellen fest, dass eine neue Ära der Waldbrände angebrochen ist. Sogenannte Megafires bewegen sich mit enormer Geschwindigkeit vorwärts und verbrennen bis zu 25 Stremmata (2,5 Hektar) pro Minute. Sie entwickeln ein eigenes Mikroklima, das ihre Ausbreitung weiter anheizt. Die Brände würden heute bei höheren Temperaturen brennen und die Flammen seien höher als früher, erklärte Maria Meza, Forstwissenschaftlerin der kolumbianischen Katastrophenschutzbehörde. Dies mache das Löschen selbst aus der Luft extrem schwierig. Die intensivierten Feuer seien die neue Normalität. Aus diesem Grund stehen auch die hervorragend ausgestatteten griechischen Feuerwehren und Spezialeinheiten (Dasokomandos) jeden Sommer vor enormen Herausforderungen, da traditionelle Löschmethoden mit Flugzeugen und Hubschraubern an ihre Grenzen stoßen.

Gefahr im Mittelmeer: Steigende Wassertemperaturen und neue Risiken

Die Auswirkungen des Super-El-Niño zeigen sich nicht nur an Land, sondern auch im Meer. Das Mittelmeer erwärmt sich um 20 Prozent schneller als der globale Durchschnitt. Das Mittelmeer zeige uns, was eine wärmere Welt bedeute, so der Klimaforscher Hatim Aznagou. Diese Erwärmung bringt eine unsichtbare, aber sehr reale Gefahr an die europäischen Strände: fleischfressende Bakterien.

Besondere Sorge bereitet das Bakterium Vibrio, eine Familie von Mikroorganismen, die in warmen, brackigen Küstengewässern vorkommt. Während die meisten Stämme harmlos sind, können bestimmte Arten wie Vibrio vulnificus schwere und teils tödliche Infektionen verursachen. Gefährdet sind vor allem Menschen mit offenen Wunden oder einem geschwächten Immunsystem. Experten warnen, dass die Ausbreitung dieser Bakterien in den wärmer werdenden Gewässern Europas erst der Anfang einer Reihe neuer gesundheitlicher Herausforderungen sein könnte.

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