Griechenland verfügt mit „Daidalos“ über seinen bislang leistungsstärksten Supercomputer. Mit einer gemessenen Rechenleistung von 85,69 Petaflops belegt das System nach Angaben des griechischen Ministeriums für digitale Verwaltung und Künstliche Intelligenz Platz 31 der weltweiten TOP500-Rangliste. Im Dezember sollen Forschende, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen schrittweise Zugang erhalten.
Die neue Rechenanlage soll Aufgaben bewältigen, für die gewöhnliche Computer nicht ausreichen: riesige Datenmengen verarbeiten, komplexe Modelle berechnen und viele Rechenschritte gleichzeitig ausführen. Das eröffnet Möglichkeiten weit über die Entwicklung künstlicher Intelligenz hinaus.
Von der medizinischen Forschung bis zur Waldbrandprognose
In der Medizin könnten Forschungsteams mithilfe entsprechend anonymisierter Daten KI-Modelle trainieren, die Krankheiten früher erkennen oder eine stärker personalisierte Behandlung unterstützen. Für den Katastrophenschutz kommen aufwendige Klima- und Wettermodelle infrage, etwa zur Untersuchung extremer Wetterereignisse und zur Vorhersage von Waldbrandrisiken.
Auch griechische Unternehmen sollen profitieren. Sie könnten neue Produkte und Fertigungsprozesse zunächst am Computer simulieren, bevor sie Zeit und Ressourcen in praktische Tests investieren. Daneben eignet sich Daidalos für Aufgaben aus Physik, Chemie, Biologie, Meteorologie, Energie und Cybersicherheit.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf großen Sprachmodellen und generativer KI. Besonders für Anwendungen in griechischer Sprache sowie in Bildung und Kultur sieht das Ministerium Potenzial. Die entsprechende Infrastruktur bildet zugleich den Rechenkern des griechischen KI-Zentrums PHAROS, das Rechenkapazität mit Daten, Werkzeugen, Schulungen und fachlicher Unterstützung verbinden soll. PHAROS konzentriert sich insbesondere auf Gesundheit, Sprache und Kultur sowie Nachhaltigkeit.
Wer Zugang bekommt und wie Anträge geprüft werden
Die Kapazitäten sind für die griechische und europäische Wissenschafts- und Hochschulgemeinschaft, Forschungszentren, Start-ups, kleine und mittlere Unternehmen, Industrieunternehmen und öffentliche Stellen vorgesehen. Die Vergabe soll über Ausschreibungen des griechischen Forschungs- und Technologienetzes GRNET (EDYTE), der europäischen EuroHPC-Initiative und gegebenenfalls über PHAROS erfolgen.
Interessierte müssen Projekte einreichen. Entscheidend für die Auswahl sind deren wissenschaftlicher oder technologischer Wert, der Bedarf an Rechenleistung und die verfügbaren Ressourcen. Die konkreten Voraussetzungen, Fristen und Zugangsanleitungen will GRNET mit Beginn des regulären Betriebs veröffentlichen. Der schrittweise Start im Dezember ist für die Zeit nach der vollständigen Konfiguration des Systems vorgesehen.
Hochleistungstechnik in einem ehemaligen Kraftwerk
Untergebracht ist Daidalos im Technologie- und Kulturpark von Lavrio, südöstlich von Athen. Dort wurde das etwa 1.500 Quadratmeter große denkmalgeschützte Gebäude eines ehemaligen Elektrizitätswerks zu einem Rechenzentrum umgebaut. Dessen installierte elektrische Leistung beträgt 6,3 MVA.
Der Rechner nutzt Technik von Hewlett Packard Enterprise und NVIDIA-GH200-Beschleuniger. Eine direkte Flüssigkeitskühlung führt die Wärme von den Komponenten ab und soll den Energiebedarf der Kühlung senken. Das System erreicht nach den veröffentlichten Angaben Platz 23 der Green500-Rangliste für Energieeffizienz. Am Standort ist außerdem ein Photovoltaikpark mit 2 MWp Leistung zur Eigenversorgung in Betrieb.
58,9 Millionen Euro Gesamtbudget
Für das Vorhaben sind insgesamt 58,9 Millionen Euro einschließlich Mehrwertsteuer veranschlagt. Davon entfallen 41 Millionen Euro auf die von Hewlett Packard Enterprise übernommene Lieferung und Installation der Rechentechnik, der Speichersysteme und der Software sowie Schulungsleistungen. Weitere 17,9 Millionen Euro betreffen den Ausbau des Rechenzentrums und seiner technischen Infrastruktur durch das Unternehmen MainSys.
Finanziert wird das Projekt über den griechischen Aufbau- und Resilienzplan „Griechenland 2.0“ mit Mitteln aus dem europäischen Programm NextGenerationEU sowie durch die gemeinsame europäische Unternehmung EuroHPC. Den Betrieb und die technische Betreuung übernimmt GRNET.