Griechenland – Die anhaltende Energiekrise und geopolitische Konflikte treiben die globale Armut voran, und das südeuropäische Land bildet bei dieser fatalen Entwicklung keine Ausnahme. Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) warnt in einer aktuellen Analyse vor einer beispiellosen globalen Ernährungskrise, die durch militärische Blockaden im Nahen Osten ausgelöst wird und sich unweigerlich auf die täglichen Lebenshaltungskosten der europäischen Verbraucher niederschlagen wird.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Blockade der Straße von Hormus stoppt 20 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels.
- Rund 13 Prozent des globalen Düngemittelangebots fallen für die Landwirtschaft aus.
- UN-Welternährungsprogramm warnt vor einem Anstieg auf 363 Millionen Hungernde weltweit.
- Griechenland droht als importabhängiges Land ein zeitverzögerter, aber massiver Preisschock bei Lebensmitteln.
- Staatliche Hilfsprogramme stoßen aufgrund hoher Verschuldung vieler Länder an ihre Grenzen.
Blockade der Straße von Hormus bedroht globale Versorgung
Das Nadelöhr des globalen Handels steht still. Seit nunmehr einem Monat blockiert das iranische Militär die strategisch essenzielle Straße von Hormus. Diese drastische militärische Maßnahme erfolgt als direkte Vergeltung für die vorangegangenen Angriffe, die von den Regierungen in Washington und Tel Aviv gegen Teheran geführt wurden. Die Sperrung dieser maritimen Route hat massive globale Konsequenzen, da üblicherweise rund 20 Prozent des weltweiten Angebots an Erdöl und Flüssigerdgas (LNG) diesen Seeweg passieren.
Zusätzlich werden über diese Route etwa 13 Prozent des globalen Handels mit essenziellen Düngemitteln abgewickelt. Die reibungslose Zirkulation dieser beiden kritischen Produktgruppen ist untrennbar mit der weltweiten landwirtschaftlichen Produktion und folglich mit der direkten Existenzgrundlage von Milliarden Menschen verbunden. Lebensmittelexperten gehen fest davon aus, dass sich die aktuelle Lage zu einer beispiellosen globalen Ernährungskrise ausweiten wird, falls keine rasche Deeskalation erfolgt. Diese negativen Effekte wirken kumulativ zu der bereits bestehenden massiven Versorgungskrise, die durch die russische Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 ausgelöst wurde.
UN-Welternährungsprogramm warnt vor beispielloser Hungerkrise
Die internationalen Hilfsorganisationen blicken mit größter Sorge auf die kommenden Monate. Der Direktor der Abteilung für Ernährungssicherheit beim UN-Welternährungsprogramm (WFP), Jean-Martin Bauer, warnt eindringlich vor den sich zuspitzenden Gefahren für die Weltbevölkerung. Gegenüber der Presse erklärte der hochrangige Vertreter der Vereinten Nationen, dass die Blockade die lebenswichtige Versorgung mit Treibstoff und Düngemitteln für die Landwirtschaft massiv einschränkt. Erschwerend kommt hinzu, dass große Reedereien die alternative Handelsroute über das Rote Meer zunehmend meiden, was weitere verheerende Unterbrechungen in den internationalen Lieferketten verursacht.
Diese toxische Kombination führt unweigerlich dazu, dass die landwirtschaftliche Produktion deutlich teurer wird und die Preise für lokal angebaute Lebensmittel drastisch ansteigen. Besonders hart trifft diese Entwicklung importabhängige Regionen in Asien und in Subsahara-Afrika. In dem von einer schweren Dürre geplagten Somalia sind die Preise für bestimmte Grundnahrungsmittel seit Beginn des Konflikts bereits um mindestens 20 Prozent in die Höhe geschnellt. Sollte die Krise bis zum kommenden Juni andauern und der Ölpreis die kritische Marke von 100 US-Dollar pro Barrel dauerhaft überschreiten, droht eine humanitäre Katastrophe. Den offiziellen Analysen des WFP zufolge könnten in diesem Szenario weitere 45 Millionen Menschen in den akuten Hunger getrieben werden, was die globale Zahl der Hungernden auf den historischen Höchststand von 363 Millionen ansteigen ließe.
Langfristige Ernteausfälle und die direkten Folgen für Griechenland
Die Hoffnung auf eine rasche Normalisierung der Märkte dämpfen die Experten deutlich. Selbst wenn die kriegerischen Auseinandersetzungen zeitnah enden sollten, wird sich die Krise nicht über Nacht lösen lassen. Ähnlich wie bei den massiven Störungen während der Covid-19-Pandemie und dem Ausbruch des Ukraine-Krieges wird es voraussichtlich Monate dauern, bis die komplexen Lieferketten wieder reibungslos funktionieren. Ein zentrales Problem stellt dabei der blockierte Düngemittelhandel dar, der exakt in die kritische Phase der weltweiten Aussaat fällt. Dies wird im weiteren Jahresverlauf unausweichlich zu deutlich geringeren Ernteerträgen führen und den Preisdruck auf dem globalen Lebensmittelmarkt weiter drastisch verschärfen.
Von dieser globalen Kettenreaktion bleiben auch europäische Staaten nicht verschont. Länder, die stark von Importen aus dem Persischen Golf abhängig sind, werden die wirtschaftlichen Auswirkungen mit voller Wucht spüren. Griechenland bildet bei dieser durch die Energiekrise produzierten Armutsfalle laut den Experten keine Ausnahme, auch wenn das Land nicht den extremen Überlebensbedingungen anderer Kontinente ausgesetzt ist. Die heimischen Verbraucher müssen sich auf einen langanhaltenden Preisschock einstellen. Erfahrungsgemäß benötigen solche Teuerungsraten auf den Weltmärkten mehrere Monate, um sich in den heimischen Supermärkten niederzuschlagen, und noch deutlich länger, um wieder abzuflachen.
Die staatlichen Gegenmaßnahmen, mit denen Regierungen versuchen, den rapiden Preisanstieg für die Bürger zu bremsen, erweisen sich derweil als problematisch. Laut den Erkenntnissen der Experten handelt es sich zumeist um kurzfristige, extrem kostspielige und langfristig kaum tragbare finanzielle Werkzeuge. Da viele Regierungen bereits unter einer massiven Staatsverschuldung leiden und die sozialen Sicherungssysteme unterfinanziert sind, fehlt der fiskalische Spielraum für dauerhafte Subventionen. Das UN-Welternährungsprogramm befürchtet daher, dass Millionen von ohnehin schon gefährdeten Menschen letztlich ungeschützt in eine dauerhafte Ernährungsunsicherheit abrutschen werden, sobald die staatlichen Ressourcen vollständig erschöpft sind.