Die Verbraucherpreise in Griechenland lagen im September 2026 um 5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Nach der harmonisierten Berechnung von Eurostat betrug die Teuerung schätzungsweise 5,1 Prozent. Dass die Inflation höher ausfällt als im Durchschnitt der Eurozone, liegt nach einer Analyse der Eurobank nicht allein an internationalen Energiepreisschocks. Auch die starke Nachfrage, Engpässe auf dem Arbeitsmarkt und ein vergleichsweise schwacher Wettbewerb treiben die Preise.
Energie und Hotels mit den stärksten Preissprüngen
Die griechische Statistikbehörde ELSTAT veröffentlichte für September einen Anstieg des nationalen Verbraucherpreisindex um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vier der fünf größten jährlichen Preissteigerungen entfielen auf Energieträger. Die folgende Übersicht zeigt die Veränderung gegenüber September 2025.
| Produkt oder Dienstleistung | Preisanstieg zum Vorjahr |
|---|---|
| Erdgas | 55,2 % |
| Heizöl | 53,2 % |
| Diesel | 38,8 % |
| Hotels | 29,8 % |
| Benzin | 22,5 % |
Der Preisdruck war auch innerhalb eines Monats spürbar: Von August bis September stiegen die Preise für Erdgas um 9 Prozent, für Benzin um 6,8 Prozent und für Diesel um 5,9 Prozent. Strom verteuerte sich um 5 Prozent, feste Brennstoffe um 3 Prozent. Bei letzteren könnte die verstärkte Nachfrage nach alternativen Heizmaterialien eine Rolle spielen, nachdem andere Energiequellen erheblich teurer geworden sind.
Griechenlands hohe Abhängigkeit von Energieimporten
Ein wesentlicher Unterschied zu anderen europäischen Ländern liegt in der Energieversorgung. Im Jahr 2024 deckte Griechenland 78 Prozent seiner verfügbaren Energie durch Nettoimporte. Der EU-Durchschnitt lag bei 57 Prozent. Damit wies Griechenland laut den von der Eurobank angeführten Daten die vierthöchste Importabhängigkeit in der Europäischen Union auf.
Ölprodukte und Erdgas machten 2024 zusammen 61 Prozent des Endenergieverbrauchs in Griechenland aus, gegenüber 59 Prozent im Durchschnitt der Eurozone. Bei der Erzeugung von Strom und Wärme entfielen 2025 in Griechenland 46 Prozent auf Ölprodukte und insbesondere Erdgas; der entsprechende Wert in der Eurozone lag bei 37 Prozent. Steigende Preise auf den internationalen Energiemärkten können sich deshalb in Griechenland besonders stark auswirken.
Zusätzlich verweist die Eurobank auf die Auswirkungen des Krieges im Iran und des russischen Krieges gegen die Ukraine auf die internationale Ölversorgung. Die Konflikte verstärkten die Unsicherheit an den Energiemärkten, so die Einschätzung der Bank.
Mehr Nachfrage, weniger Wettbewerb und fehlende Arbeitskräfte
Die griechische Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren schneller gewachsen als die Wirtschaft der Eurozone. Für 2023, 2024 und 2025 weist die Analyse jeweils 2,1 Prozent Wachstum in Griechenland aus. In der Eurozone waren es im selben Zeitraum 0,4, 0,9 und 1,4 Prozent. Auch im ersten Halbjahr 2026 lag Griechenland mit 1,9 Prozent vor der Eurozone mit 0,9 Prozent.
Das kräftigere Wachstum stützt die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen. Gleichzeitig ist das Angebot nach Einschätzung der Eurobank in Teilen des griechischen Marktes begrenzt. Schwächerer Wettbewerb und Engpässe bei Produktion, Transport und Vertrieb erleichtern es, höhere Kosten an die Verbraucher weiterzugeben.
Besonders deutlich zeigt sich der Preisdruck bei Dienstleistungen. Für den Zeitraum von März bis September 2026 führt die Bank 55 Prozent beziehungsweise 2,2 Prozentpunkte des Inflationsanstiegs auf diesen Bereich zurück. Eine wichtige Rolle spielten dabei Freizeitdienstleistungen, deren Preise während der touristischen Hochsaison gewöhnlich anziehen.
Hinzu kommt der Mangel an Arbeitskräften. Tourismusbetriebe, Industrieunternehmen, die Bauwirtschaft und die IT-Branche haben der Analyse zufolge Schwierigkeiten, ausreichend Personal zu finden; auch qualifizierte Handwerker fehlen. Der daraus entstehende Kostendruck kann sich in den Preisen für Dienstleistungen und Produkte niederschlagen.
Eurobank erwartet weiterhin hohen Preisdruck
Für die kommenden Monate rechnet die Eurobank mit anhaltenden und möglicherweise stärkeren Inflationsimpulsen. Als Risiken nennt sie die Unsicherheit über die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine sowie die angespannte Lage auf dem Energiemarkt vor dem Winter.
Für Oktober kommt nach Einschätzung der Bank ein statistischer Basiseffekt hinzu. Im Oktober 2025 hatte die harmonisierte Inflationsrate bei 1,6 Prozent gelegen; gegenüber dem Vormonat waren die Preise damals um 0,1 Prozent gesunken. Dieses vergleichsweise niedrige Ausgangsniveau könnte die im Oktober 2026 ausgewiesene jährliche Teuerungsrate zusätzlich nach oben treiben.