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Eine traditionelle griechische Teigfigur mit sieben Beinen, gekreuzten Armen und ohne Mund liegt auf einem rustikalen Holztisch, umgeben von Mehl.
Kultur

Griechische Ostertradition: Das Geheimnis der Kyra Sarakosti

Antonia Feldberg, Autorin bei GRland Deutschland
26.02.2026 19:44
Antonia Feldberg
GriechenlandLand & Leute
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By Webdesign Meister
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Griechenland – In der Vorbereitungszeit auf das orthodoxe Osterfest nimmt die sogenannte “Kyra Sarakosti” (Frau Fastenzeit) eine zentrale Rolle im griechischen Brauchtum ein. Dieses traditionelle, handgefertigte Kalendersystem dient seit Generationen dazu, die sieben Wochen der orthodoxen Fastenzeit bis zur Auferstehung zeitlich greifbar zu machen.

Die Darstellung zeigt typischerweise eine weibliche Figur aus Papier oder Teig, die durch spezifische anatomische Merkmale gekennzeichnet ist: Sie besitzt sieben Beine, gekreuzte Arme und keinen Mund. Diese Gestaltung ist tief in der religiösen Praxis verwurzelt.

Die fehlende Mundpartie symbolisiert den Verzicht auf Nahrung während der vierzig Tage, während die verschränkten Hände die stetige Gebetshaltung ausdrücken. In einer Ära vor der Verbreitung digitaler oder gedruckter Kalender fungierte diese Figur für Familien in ganz Griechenland als essenzielles Instrument, um den Ablauf der rituellen Vorbereitungsphase zu strukturieren und den Zeitraum bis zum Karsamstag für alle Altersgruppen visuell darzustellen.

Die Symbolik der Zahl Sieben und die zeitliche Einordnung

Die sieben Beine der Figur repräsentieren die exakte Anzahl der Fastenwochen. Der Zahl Sieben kommt dabei sowohl in der christlichen als auch in der volkstümlichen Tradition eine besondere Bedeutung zu, da sie für Vollständigkeit und geistige Vollendung steht. Historisch wird dies mit den sieben Schöpfungstagen, den sieben Sakramenten der Kirche sowie den sieben Gaben des Heiligen Geistes in Verbindung gebracht.

Die praktische Anwendung des Kalenders sieht vor, dass beginnend mit dem Samstag nach dem “Reinen Montag” (Kathara Deftera) – dem traditionellen Beginn der orthodoxen Fastenzeit – wöchentlich ein Bein abgetrennt wird. Dieser wöchentliche Ritus visualisiert den spirituellen Fortschritt auf dem Weg zum Osterfest.

Für Kinder diente dieser Prozess in der Vergangenheit als primäres pädagogisches Werkzeug. Die wöchentliche Handlung machte die Dauer der Fastenzeit verständlich, lehrte Geduld und verknüpfte religiöse Konzepte mit einer physischen Tätigkeit. Die Fastenzeit wurde dadurch nicht als abstraktes Konzept, sondern als klar definierter Prozess mit Anfang, Mitte und Ende wahrgenommen.

Regionale Ausprägungen und historische Variationen

Die Umsetzung des Brauchs wies in verschiedenen geografischen Regionen Griechenlands spezifische Eigenheiten auf. Am Karsamstag wurde traditionell das siebte und letzte Papierbein abgetrennt, zusammengefaltet und in einer getrockneten Feige versteckt. Diese wurde unter andere Feigen gemischt, wobei der Finder des Beins in der Volksglaube als besonderer Glückspilz galt.

In anderen Gebieten wurde das letzte Bein in das spezielle Auferstehungsbrot eingebacken. Eine deutlich abweichende Tradition existierte in der Region Pontos. Dort verwendeten die Bewohner eine gebackene Kartoffel oder eine Zwiebel, in die sieben Hühnerfedern gesteckt wurden. Dieses als “Koukouras” bezeichnete Gebilde wurde an der Raumdecke befestigt, diente oft als Schreckfigur für Kinder und verlor ebenfalls wöchentlich eine Feder.

In weiten Teilen des Landes bestand die Frau Fastenzeit hingegen nicht aus Papier, sondern aus einem speziellen Salzteig. Die Zutaten bestanden primär aus Mehl, Wasser und einer großen Menge Salz, welches als natürliches Konservierungsmittel diente, um den Verfall über den mehrwöchigen Zeitraum zu verhindern.

Handwerkliche Herstellung und moderne pädagogische Nutzung

Die Herstellung der teigbasierten Variante folgt bis heute einer strikten Rezeptur. Der Teig wird aus drei Tassen Mehl, einer Tasse Salz und einer Tasse Wasser angemischt, bis eine elastische Masse entsteht. Gewürznelken dienen dabei traditionell der Dekoration von Gesicht und Kleidung. Die geformte Figur wird auf Backpapier bei 160 Grad Celsius im Umluftofen für 20 bis 30 Minuten getrocknet, wobei ein tatsächlicher Backvorgang vermieden werden soll.

In der modernen Bildungspraxis findet die Kyra Sarakosti weiterhin intensive Anwendung in griechischen Kindergärten und Grundschulen. Lehrkräfte nutzen die handwerkliche Fertigung als kreative Aktivität, um Folklore und Geschichte zu verbinden und den Kindern die kulturelle Kontinuität näherzubringen.

Begleitet wird diese pädagogische Praxis oft von einem überlieferten Volkslied. Der Text dokumentiert die historischen Merkmale der Figur, benennt die einfachen Zutaten aus Mehl und Wasser und erklärt musikalisch den fehlenden Mund aufgrund der Fastenzeit sowie die Funktion der sieben Beine zum Zählen der Wochen bis Ostern. Die Tradition bleibt somit ein aktives, fächerübergreifendes Instrument der kulturellen Bildung in Griechenland.

TAGGED:FamilieGeschichteKirche & OrthodoxieTraditionen & Bräuche
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