Kozani – Am zweiten Ostertag versammeln sich Einwohner pontischer Abstammung in den Dörfern der Region Kozani zu einem tief verwurzelten Ritual. Die sogenannten “Nekrodeipna” (Totenmahle) bringen an diesem Feiertag Lebende und Verstorbene zusammen. Die Menschen nutzen dieses tafeleigene Ritual, um durch Zusammenhalt und familiäre Freude eine symbolische Verbindung zu ihren verstorbenen Angehörigen herzustellen.
Bereits am frühen Morgen begeben sich die Familien auf die örtlichen Friedhöfe, um die Ruhestätten für das familiäre Festmahl vorzubereiten. Auf den Gräbern werden hausgemachte Spezialitäten, süße Gebäckstücke sowie Rotwein angerichtet. Dabei achten die Hinterbliebenen besonders darauf, jene Speisen zu servieren, die die Verstorbenen zu Lebzeiten am meisten schätzten. Die Trauer weicht während dieser Stunden einer feierlichen Atmosphäre, die von intensiver Zuneigung geprägt ist.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Einwohner pontischer Herkunft feiern am Ostermontag auf Friedhöfen in Kozani.
- Das Ritual “Nekrodeipna” soll die Verbindung zu den Verstorbenen aufrechterhalten.
- Familien servieren die Lieblingsspeisen der Toten und Rotwein direkt am Grab.
- Begleitet wird das Beisammensein von traditionellen Tänzen und der pontischen Lyra.
Musik und Erinnerungen bis in die späten Abendstunden
Das gemeinsame Mahl erstreckt sich oft bis in den späten Nachmittag hinein. Den emotionalen Höhepunkt dieser Zusammenkunft bildet ein traditionelles Fest, bei dem die klassische pontische Lyra gespielt wird. Durch die Musik, alte Lieder und traditionelle Tänze rufen die Familienmitglieder prägende Momente und Erinnerungen an das Leben der Verstorbenen wach. Dieser Brauch, der in Nordgriechenland von den Nachfahren der Pontosgriechen intensiv gepflegt wird, dient der aktiven Erinnerungskultur innerhalb der lokalen Gemeinschaft.
Wie aus Berichten der griechischen Presse hervorgeht, unterscheidet sich das Bild auf den Friedhöfen an diesem Tag deutlich von der sonst üblichen Stille. Die Generationen vermischen sich auf natürliche Weise im Gedenken an die Vorfahren.
Friedhöfe werden zu Orten der Begegnung
Während der Zeremonie laufen Kinder zwischen den Grabsteinen umher, während die Erwachsenen miteinander ins Gespräch kommen. Dabei tauschen sie den traditionellen orthodoxen Ostergruß “Christos Anesti” aus. Für die Dauer dieser Veranstaltung wandelt sich der Friedhof von einer reinen Begräbnisstätte in einen lebendigen Raum der Begegnung. Die “Nekrodeipna” demonstrieren eindrucksvoll, wie das Gedächtnis an die Verstorbenen organisch in den Alltag und die Feierlichkeiten der Gemeinschaft integriert wird, ohne dass der Tod als endgültige Trennung empfunden wird.