Griechenland – Im aktuellen europäischen Gleichstellungsindex verzeichnet die Hellenische Republik mit 57 von 100 möglichen Punkten ihre bislang höchste Bewertung der vergangenen Jahre und belegt damit den 22. Platz unter den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Obwohl sich das Land in den statistischen Erhebungen kontinuierlich aufwärts bewegt, bleibt ein deutlicher Abstand zum europäischen Durchschnitt von 63,4 Punkten bestehen.
Die systematische Erfassung der Gleichstellung, gemessen auf einer Skala von null für absolute Ungleichheit bis 100 für vollständige Parität, stützt sich auf sechs zentrale Dimensionen: Arbeit, finanzielle Ressourcen, Bildung, Zeitverwendung, politische sowie wirtschaftliche Machtverteilung und Gesundheit. Ergänzend fließen Daten zu geschlechtsspezifischer Gewalt und intersektionalen Ungleichheiten in die Evaluierung ein.
Die institutionelle Stärkung der paritätischen Teilhabe von Frauen und Männern gilt auf nationaler wie europäischer Ebene als fundamentaler Faktor für die wirtschaftliche Produktivität, die Resilienz und den sozialen Zusammenhalt. Die detaillierte Auswertung der einzelnen Sektoren offenbart jedoch eine ambivalente gesellschaftliche Realität, die von signifikanten Fortschritten im Bildungsbereich bis hin zu hartnäckigen strukturellen Defiziten in der Arbeitswelt und der häuslichen Pflege reicht.
Bildungserfolge und strukturelle Hürden im Berufsleben
Im Bereich der Wissensvermittlung und Bildung erreicht der griechische Staat mit 58,7 Punkten den siebten Platz im EU-Vergleich und übertrifft den europäischen Mittelwert von 57,4 Punkten leicht. Europäische Bildungsstatistiken belegen, dass weibliche Absolventen im tertiären Bildungssektor zahlenmäßig dominieren. Zudem weisen die amtlichen Daten aus, dass mehr als 40 Prozent der Abschlüsse in technologischen und verwandten wissenschaftlichen Disziplinen von Frauen erworben werden. Dieser akademische Vorsprung transformiert sich jedoch auf dem nationalen Arbeitsmarkt nicht in eine gleichwertige berufliche Positionierung.
In der Bewertungskategorie Arbeit belegt das Land lediglich den 21. Rang unter den Mitgliedsstaaten. Die Auswertungen der Beschäftigungsverhältnisse zeigen, dass knapp über ein Drittel der weiblichen Arbeitskräfte einer Vollzeitbeschäftigung nachgeht, während die Quote bei den männlichen Erwerbstätigen signifikant höher ausfällt. In den Führungspositionen von Organisationen und Unternehmen sind Frauen weiterhin stark unterrepräsentiert. Sobald Kinder im Haushalt leben, vergrößert sich die statistische Kluft bei der Vollzeitbeschäftigung weiter, da die anfallenden Betreuungsaufgaben vorwiegend von weiblichen Familienmitgliedern übernommen werden.
Zeitverwendung und finanzielle Ressourcen im Fokus
Die Analyse der Zeitverwendung offenbart tiefgreifende Diskrepanzen bei der Verteilung unbezahlter Arbeit. Mit 56 Punkten belegt das Land hier den 26. und somit niedrigsten Platz innerhalb der Europäischen Union, weit hinter dem europäischen Durchschnitt von 65 Punkten. Während auf europäischer Ebene 59 Prozent der Frauen und 33 Prozent der Männer täglich hauswirtschaftliche Tätigkeiten verrichten, überschreitet die Differenz zwischen den Geschlechtern in der Hellenischen Republik die Marke von 40 Prozentpunkten. Diese massive Belastung durch Pflege- und Hausarbeit limitiert die zeitlichen Kapazitäten für die berufliche Entwicklung drastisch.
Im Sektor der finanziellen Ressourcen positioniert sich das Land im europäischen Mittelfeld. Die Erhebungen verdeutlichen, dass das weibliche Einkommen im Durchschnitt niedriger ausfällt und gesellschaftlich oftmals als Zusatzeinkommen eingestuft wird. Insbesondere bei alleinerziehenden Müttern verzeichnen die Statistiken ein erhöhtes Risiko für finanzielle Drucksituationen und den Abrutsch in die Armut, obgleich die Differenz zu alleinerziehenden Männern in dieser spezifischen Gruppe nicht massiv divergiert. Die ökonomische Parität entwickelt sich im landesweiten Vergleich am langsamsten.
Entwicklungen bei Machtverteilung und Gewaltschutz
Der Bereich der politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsfindung verzeichnet zwar seit dem Jahr 2020 einen Anstieg um 12 Indexpunkte. Dennoch stellt die Kategorie Macht mit einem Wert von 26,2 Punkten im Jahr 2025 den schwächsten Sektor des Landes dar, was Platz 18 in der Europäischen Union entspricht. Im Gesundheitssektor registrieren die Behörden grundsätzlich hohe Leistungswerte. Allerdings weisen die Gesundheitsdaten darauf hin, dass Frauen mit geringerem Bildungsniveau aufgrund eingeschränkter Zugänge zu präventiven und medizinischen Dienstleistungen eine erhöhte Vulnerabilität aufweisen.
Ein besonders kritisches Feld bleibt die geschlechtsspezifische Gewalt. Unter zwölf spezifisch untersuchten europäischen Staaten verzeichnet das Land mit 24,6 Punkten die niedrigste Bewertung. Die statistischen Erfassungen dokumentieren eine hohe Frequenz von Missbrauchsfällen. Während schwere Gewalttaten selten offiziell gemeldet werden, zeigen die Daten parallel, dass Betroffene in Griechenland ihre Erfahrungen der häuslichen Gewalt häufiger bei den zuständigen Behörden zur Anzeige bringen als in einigen anderen europäischen Vergleichsstaaten.