Griechenland – Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis sieht sein Land nach dem Besuch von US-Außenminister Marco Rubio in Athen in einer gestärkten geopolitischen Rolle. Griechenland festige seine Position als Stabilitätsanker in einer unruhigen Region, schrieb er am Sonntag (11. Oktober 2026) in seinem wöchentlichen Rückblick. Als besonders wichtige Bereiche der Zusammenarbeit mit den USA nannte er Energie und Verteidigung.
Der Besuch und die sechste Runde des strategischen Dialogs zwischen Griechenland und den Vereinigten Staaten hätten nach Darstellung des Regierungschefs die Breite der bilateralen Beziehungen gezeigt. Neben Sicherheit und Rüstung ging es demnach um Schifffahrt, Investitionen, regionale Kooperation und Technologie. Mitsotakis bezeichnete Griechenland zudem als Verbindung zwischen Europa, den USA und Staaten des Nahen Ostens sowie der Golfregion.
Gaslieferungen nach Europa und militärische Zusammenarbeit
Im Energiesektor verwies Mitsotakis auf den sogenannten Vertikalen Korridor. Dieser soll die Möglichkeiten verbessern, Erdgas über Griechenland in weitere europäische Märkte zu transportieren. Nach seiner Einschätzung könnte das auch den Absatz von Flüssigerdgas aus den USA stärken und zur Diversifizierung der europäischen Energieversorgung beitragen.
Bei der Verteidigung hob der Ministerpräsident die Modernisierung griechischer F-16-Kampfjets auf den Viper-Standard und die vorgesehene Aufnahme von F-35-Maschinen in die Luftwaffe hervor. Hinzu kämen langfristige Beschaffungsprogramme sowie die Beteiligung Griechenlands an einem Kooperationsprogramm der US-Nationalgarde mit dem Bundesstaat Florida. Diese Vorhaben stellte er in den Zusammenhang einer engeren militärischen Zusammenarbeit.
Stromhilfen für die Industrie und neue Investitionsmittel
In seiner innenpolitischen Bilanz kündigte Mitsotakis eine direkte Stromkostenförderung für besonders energieintensive Industriebetriebe an. Sie soll die Belastung der griechischen Produktion nach Regierungsschätzung um 95 Millionen Euro senken. Als betroffene Branchen nannte er unter anderem Lebensmittelhersteller sowie die Papier-, Kunststoff- und Zementindustrie.
Außerdem berichtete der Regierungschef von einer Entscheidung der Europäischen Kommission, eine nationale Ausnahmeklausel auch auf Ausgaben für die Widerstandsfähigkeit der Energieversorgung auszuweiten. Daraus ergebe sich nach seinen Angaben bis 2028 zusätzlicher finanzieller Spielraum von knapp einer Milliarde Euro. Geplant seien damit unter anderem Wärmepumpen und Solaranlagen zur Warmwasserbereitung für 100.000 Begünstigte, Energiespeicher sowie die energetische Modernisierung von Schulen und öffentlichen Gebäuden.
Hilfen nach Unwettern auf Kreta und neues Notrufsystem
Nach den schweren Unwettern auf Kreta hätten die Schadensbegutachtungen bereits begonnen, teilte Mitsotakis mit. Die staatlichen Hilfen sollen bis zu 100 Prozent der Schäden an betroffenen Wohnhäusern und 70 Prozent der beschädigten Betriebsausstattung abdecken. Darüber hinaus seien steuerliche, sozialversicherungsrechtliche und bankbezogene Erleichterungen vorgesehen. Für die Reparatur von Unwetterschäden und wichtiger Infrastruktur würden insgesamt 97,8 Millionen Euro an Gemeinden und Regionen verteilt.
Mit Blick auf den Katastrophenschutz stellte der Regierungschef das geplante System e112 vor. Bürger sollen die Behörden darüber künftig per Nachricht oder Video erreichen können; vorgesehen sind auch eine geräuschlose Alarmfunktion und ein barrierefreier Zugang für Menschen mit Hör- oder Sprachbeeinträchtigung. Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Küstenwache sollen darüber in Echtzeit verbunden werden.
Für die Fischerei kündigte Mitsotakis an, die Förderung von Kraftstoff für den Zeitraum April bis August auf bis zu 32 Cent je Liter zu verdoppeln. Weitere Hilfen für den Sektor würden geprüft.
Universitäten, Kliniken und regionale Infrastruktur
An der Universität Patras sei ein neuer englischsprachiger grundständiger Studiengang in Medizin angelaufen, der nach den Angaben des Regierungschefs 168 Bewerbungen aus 23 Ländern verzeichnet habe. Er bezeichnete ihn als den 16. englischsprachigen grundständigen Studiengang an einer staatlichen griechischen Universität und verwies außerdem auf rund 200 englischsprachige Masterprogramme.
Auf Kalymnos sei die kardiologische Abteilung des Krankenhauses renoviert worden. Mitsotakis nannte zudem zwei Millionen Euro für Unterkünfte von Ärzten und Lehrkräften auf Agios Efstratios, in Amari und auf West-Samos, 5,13 Millionen Euro für Schülerwohnheime in 20 Gemeinden und sechs Millionen Euro für Krankenhäuser in Volos, Karditsa, Trikala und Larisa. Bei regionalen Bauvorhaben erwähnte er ein Bewässerungsnetz in Nea Mesimvria, einen Hochwasserschutzvertrag in Kalamata, die geplante Modernisierung eines Sportzentrums in Grevena und Arbeiten am Flughafen Karpathos.
Bergbau, Ermittlungen und Wirtschaftsprognose
In Skouries auf der Chalkidiki verwies der Regierungschef auf eine Gold- und Kupfermineninvestition von zwei Milliarden US-Dollar. Nach seinen Angaben waren mehr als 5.000 Menschen am Bau beteiligt; für den späteren Betrieb seien 3.000 dauerhafte Arbeitsplätze vorgesehen.
Die Polizei habe außerdem eine mutmaßliche Betrugs- und Steuerhinterziehungsorganisation zerschlagen, der laut den Behörden ein Schaden von mehr als fünf Millionen Euro für den Staat zugeschrieben werde. Mitsotakis berichtete von acht Festnahmen und laufenden Ermittlungen. Gegen 18 Influencer und weitere Content-Produzenten seien darüber hinaus Anzeigen wegen mutmaßlicher Werbung für illegales Glücksspiel eingereicht worden.
Für den geplanten Ausbau des Stadions Georgios Karaiskakis nannte er eine private Investition von 250 Millionen Euro und eine angestrebte Kapazität von 53.000 Plätzen. Die Arbeiten sollen nach den Plänen im Mai 2027 beginnen. Zum Haushaltsentwurf für 2027 führte Mitsotakis eine erwartete Wachstumsrate der griechischen Wirtschaft von zwei Prozent für 2026 und 2,3 Prozent für 2027 an.
Seinen seit November 2022 veröffentlichten Wochenrückblick will der Ministerpräsident künftig kürzer und übersichtlicher gestalten. In seinem Beitrag bat er die Leser um Rückmeldungen zu dem neuen Format.