In mehreren Regionen Griechenlands sinkt die Erdoberfläche langsam ab. Besonders ausgeprägt ist das Problem in Teilen Thessaliens und westlich von Thessaloniki; auch auf Kreta und in Attika sind Bodensenkungen dokumentiert. Eine wesentliche Ursache ist die übermäßige Entnahme von Grundwasser. Die Folgen reichen von Schäden an Gebäuden und Infrastruktur bis zu einem erhöhten Überschwemmungsrisiko.
Der Geologieprofessor Konstantinos Loupasakis von der Nationalen Technischen Universität Athen beschreibt die Entwicklung in einem Gespräch mit der griechischen Zeitung Proto Thema als schleichenden Prozess. Er vertritt Griechenland in einer UNESCO-Fachkommission für Bodensenkungen. In der Anfangsphase seien die Veränderungen oft kaum zu erkennen, während sich ihre Auswirkungen über viele Jahre summieren. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen erwartet er eine weitere Verschärfung in den kommenden Jahrzehnten.
Von Kalochori bis zur thessalischen Ebene
In Kalochori westlich von Thessaloniki wird das Absinken des Bodens bereits seit den 1960er-Jahren beobachtet. Loupasakis führt den Beginn des Phänomens im Jahr 1965 vor allem auf die starke Förderung von Wasser aus unter Druck stehenden Grundwasserschichten zurück. Dabei sank der Wasserspiegel um bis zu 40 Meter. Zusammen mit dem lockeren Untergrund begünstigte der Druckverlust die Absenkung der Oberfläche.
Welche Folgen dies haben kann, zeigte sich dort schon 1969: Nach anhaltenden Regenfällen erreichte das Meer die ersten Häuser und drang etwa einen Kilometer ins Landesinnere vor. In der Folge wurden Schutzdeiche gebaut. Teile der Gegend liegen inzwischen unter dem Meeresspiegel. Satellitendaten zeigen laut dem Professor, dass sich der Boden im Gebiet zwischen Kalochori und Sindos mit seinen zahlreichen Bohrungen weiterhin senkt.
Auch die thessalische Ebene ist großflächig betroffen. Südlich von Larissa führten die intensive Grundwasserentnahme und die Trockenheit des Jahres 1990 zu Bodensenkungen, die sich durch Risse in der Oberfläche bemerkbar machten. Zu den betroffenen Orten gehören unter anderem Chalki, Glafki, Kileler und Niki.
Im westlichen Teil Thessaliens reichen die Beobachtungen nach den von Loupasakis vorgestellten Satellitendaten bis in die Mitte der 1990er-Jahre zurück. Erste Bodenrisse wurden bei Farsala und Farkadona festgestellt. Mittlerweile erstreckt sich das Problem nahezu über die gesamte westliche Ebene bis in die Gegend von Trikala.
Weitere betroffene Regionen und Schäden an Gebäuden
Bodensenkungen wurden außerdem im Messara-Becken auf Kreta und im Faliro-Delta bei Athen dokumentiert. Im Umfeld des Bergwerks von Amyntaio in der Region Florina sind die Auswirkungen auf bebaute Gebiete besonders deutlich: In Anargyroi und Valtonera wurden seit 2005 Absenkungen um mehrere Dutzend Zentimeter registriert, die Schäden und Einstürze an Gebäuden sowie Schäden an Versorgungsnetzen verursachten.
Weniger ausgedehnte Senkungsgebiete liegen unter anderem an der Küste des Korinthischen Golfs bei Rio und Vrachati, in der Ebene von Nea Moudania auf der Chalkidiki sowie bei Aspropyrgos. Die Ursachen müssen dabei nicht überall identisch sein. Neben der Übernutzung des Grundwassers kommen auch die Zersetzung organischer Böden, der Einsturz unterirdischer Hohlräume und andere natürliche oder menschlich verursachte Prozesse infrage.
Warum der Boden auch das Hochwasserrisiko verändert
Wird über längere Zeit zu viel Grundwasser entnommen, können sich die unterirdischen Bodenschichten verdichten. Die Erdoberfläche gibt dann allmählich nach. Davon zu unterscheiden sind Setzungen, die beispielsweise durch das zusätzliche Gewicht eines Gebäudes oder eines anderen Bauwerks ausgelöst werden.
Besonders problematisch ist, dass Bodensenkungen das Gefälle einer Landschaft verändern und Mulden bilden können. Wasser fließt dann nicht mehr überall auf natürlichem Weg ab. Im Zusammenhang mit den Überschwemmungen durch das Unwetter Daniel stellt Loupasakis deshalb die Frage, inwieweit die Bodensenkungen dazu beigetragen haben, dass Wasser in Teilen Thessaliens lange stehen blieb. Er bezeichnet sie nicht als alleinige Ursache der Fluten, hält ihre verschärfende Wirkung auf Überschwemmungsprobleme aber für eindeutig.
Als wichtigsten Ansatz nennt der Professor eine bessere Bewirtschaftung der Wasserreserven und eine Kontrolle der Entnahmemengen. Landwirtschaft, Industrie und andere Nutzer müssten gemeinsam betrachtet werden, damit die Förderung zu den Möglichkeiten der natürlichen Wiederauffüllung passt. Eine künstliche Anreicherung der Grundwasservorkommen komme nur dort infrage, wo geologische und hydrogeologische Untersuchungen sie zulassen. Sie könne die Begrenzung der Überentnahme nicht ersetzen.
Weil sich die Absenkungen Jahr für Jahr addieren, fordert Loupasakis eine kontinuierliche Überwachung, gezielte Untersuchungen, frühzeitige Schutzmaßnahmen und eine bessere Information der Bevölkerung. Sobald die Schäden sichtbar werden, ist eine vollständige Wiederherstellung nach seinen Angaben nicht immer möglich.