Kreta – Der vielfach ausgezeichnete Strand von Balos im Westen Kretas befindet sich in einer akuten Gefahrenlage, die durch den unkontrollierten Zustrom von Besuchern und eine unzureichende Verkehrsinfrastruktur ausgelöst wird. Die primäre Zufahrt erfolgt über einen unbefestigten Waldweg, der keinerlei grundlegenden Sicherheitsstandards für den massenhaften Fahrzeugverkehr entspricht. Diese Situation führt nicht nur zu einer massiven Belastung für das sensible Ökosystem der Region, sondern verwandelt die Anreise für Fahrer und Passagiere täglich in eine gefährliche und nervenaufreibende Prüfung.
Vor diesem Hintergrund hat der Verband der Inhaber von Pkw- und Zweiradvermietungen „Iniochos“, der mehr als 200 zertifizierte Autovermietungen auf der Insel vertritt, offiziell Alarm geschlagen. Mit einem Dringlichkeitsschreiben an die zuständigen Behörden wird die sofortige Ergreifung von Maßnahmen gefordert, um das Naturdenkmal zu schützen und die Sicherheit der Touristen zu gewährleisten. Die unreglementierte Nutzung der Strecke durch tausende Mietwagen und Privatfahrzeuge führt zu einem täglichen Verkehrschaos, das die touristische Erfahrung auf der Insel erheblich beeinträchtigt und dringend institutionelle Eingriffe erfordert.
Waldweg als Sicherheitsrisiko und systematische Ausbeutung
Die massiven Probleme bei der Zufahrt nach Balos wurden vom Präsidenten des Verbandes „Iniochos“, Paraschos Tzorvas, in Erklärungen, die in der griechischen Presse zitiert werden, detailliert dargelegt. Tzorvas betonte, dass der bestehende Weg ausschließlich für forstwirtschaftliche Zwecke konzipiert sei und sich keinesfalls für die massenhafte Durchfahrt von Fahrzeugen aller Art eigne. Die immense Verkehrsdichte, gepaart mit den desolaten Straßenverhältnissen, führe zu häufigen mechanischen Ausfällen an den Mietwagen, wodurch sich die Fahrt in eine stundenlange Tortur verwandle. Der Verbandspräsident unterstrich, dass der Waldweg in seiner ursprünglichen Funktion erhalten bleiben müsse, um das empfindliche Naturdenkmal vor der weiteren Zerstörung zu bewahren.
Zusätzlich zu den infrastrukturellen Mängeln prangerte der Verband eine systematische Ausbeutung der feststeckenden Autofahrer an. Laut den Berichten warten spezielle Geländefahrzeuge gezielt auf Pannen, um den gestrandeten Touristen anschließend Transportdienste gegen sehr hohe Gebühren anzubieten. Gleichzeitig erhebt die zuständige Gemeinde Kissamos eine Gebühr von einem Euro pro Besucher. Diese Praxis wird von den Vertretern der Autovermieter scharf kritisiert, da die kommunale Behörde durch die Einnahmen faktisch den unhaltbaren und gefährlichen Zuständen zustimme, ohne für die notwendige Sicherheit und Verkehrslenkung zu sorgen.
Verkehrskollaps auf der Nordachse und stundenlange Staus
Die infrastrukturelle Überlastung Kretas beschränkt sich nicht allein auf die Zufahrt nach Balos, sondern betrifft das gesamte Straßennetz der Insel während der touristischen Hochsaison. Ein besonderer Fokus liegt auf der Nordstraßenachse Kretas (BOAK). Der Verbandspräsident wies darauf hin, dass der Zustand dieser zentralen Verkehrsader in den Sommermonaten die Grenzen der sicheren Durchfahrt bei Weitem überschreite. In diesem Zeitraum zirkulieren auf Kreta mindestens 100.000 Mietwagen, zu denen unzählige Fahrzeuge von Besuchern aus dem restlichen Land hinzukommen. Diese enorme Fahrzeugdichte führt zu einer massiven verkehrstechnischen Erstickung auf der gesamten Insel.
Die dramatische Belastung des Straßennetzes hat direkte Auswirkungen auf die Fahrzeiten der wichtigsten Verbindungsstrecken. So verlängert sich die Fahrt zwischen Iraklio und Chania, die unter normalen Bedingungen rund eineinhalb Stunden in Anspruch nimmt, im Sommer auf bis zu drei Stunden. Ähnliche Verzögerungen werden auch bei der Anfahrt zum Strand von Elafonisi registriert, wo Besucher drei bis vier Stunden im Auto verbringen müssen.
Aus diesem Grund erneuerte der Verband sein ständiges Anliegen, die Bauarbeiten an der neuen BOAK-Autobahn massiv zu beschleunigen. Die Fertigstellung dieser kritischen Infrastruktur sei eine zwingende Voraussetzung für die reibungslose Fortbewegung und die Gewährleistung der Sicherheit von Einheimischen und Touristen gleichermaßen.