Griechenland – Die anhaltenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, insbesondere der Konflikt im Iran und die temporäre Schließung der Straße von Hormus, treiben die globalen Energiekosten spürbar in die Höhe. Diese Entwicklung betrifft nicht nur den Verkehrssektor in Mitteleuropa, sondern wirkt sich auch massiv auf die Transport- und Urlaubskosten in Südeuropa aus. Da der Tourismus einer der wichtigsten Pfeiler der nationalen Wirtschaft ist, steuert die griechische Regierung nun aktiv gegen, um die Attraktivität des Reiseziels zu erhalten. Der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis hat ein umfassendes Maßnahmenpaket im Umfang von 300 Millionen Euro angekündigt, das in den Monaten April und Mai greifen soll, um Haushalte und Unternehmen gezielt zu entlasten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Staatliches Hilfspaket von 300 Millionen Euro dämpft die hohen Energiekosten.
- Eine digitale Tankkarte entlastet Inselbewohner um bis zu 60 Euro monatlich.
- Die Umsätze der griechischen Supermärkte stiegen im Jahr 2025 um 7,1 Prozent.
- Die nationalen Tourismus-Einnahmen erreichten im vergangenen Jahr rund 24 Milliarden Euro.
Staatliche Eingriffe an der Zapfsäule
Die Interventionen der Regierung zielen primär auf die spürbare Senkung der Kraftstoffpreise ab, wovon neben der einheimischen Bevölkerung auch Mietwagenurlauber profitieren sollen. Konkret plant die Regierung in Athen eine Subventionierung von Dieselkraftstoff, die einer direkten Preisreduzierung von etwa 20 Cent pro Liter entspricht. Aktuell beläuft sich der Preis für einen Liter Benzin in Athen auf rund zwei Euro, während er vor Ausbruch der geopolitischen Krise bei 1,75 Euro lag. Auf vielen Inseln der Ägäis überstiegen die Preise an den Tankstellen zuletzt die Zwei-Euro-Marke deutlich.
Für die lokale Bevölkerung wird als zusätzliche Maßnahme eine digitale Tankkarte eingeführt. Mit dieser können Einwohner auf dem Festland monatlich etwa 50 Euro und auf den Inseln rund 60 Euro einsparen, sofern der persönliche Verbrauch bei etwa 70 Litern pro Monat liegt. Wie aus übereinstimmenden Medienberichten hervorgeht, rechnen Experten aus der Reisebranche parallel dazu mit steigenden Flugpreisen. Der Geschäftsführer des Reiseveranstalters Dertour, Christoph Debus, erklärte demnach, dass der aktuelle Anstieg der Kerosinpreise mittelfristig auch die Kosten für Pauschalreisen signifikant beeinflussen werde.
Wandel im Urlaubsverhalten der Touristen
Die allgemein gestiegenen Lebenshaltungskosten verändern das Verhalten der internationalen Feriengäste vor Ort grundlegend. Aktuelle Auswertungen zeigen, dass sowohl ausländische Touristen als auch einheimische Urlauber zunehmend auf traditionelle Restaurantbesuche verzichten. Stattdessen bevorzugen sie es, in ihren angemieteten Ferienunterkünften selbst zu kochen, um das Reisebudget zu schonen. Diese Verschiebung in den Konsumgewohnheiten schlägt sich unmittelbar in den Bilanzen des griechischen Einzelhandels nieder.
Etwa 26 Prozent der Konsumenten weichen demnach gezielt auf Discounter aus, welche besonders bei deutschen Urlaubern beliebt sind, da diese dort ähnliche Einkaufsgewohnheiten wie in ihrer Heimat pflegen können. Auf nationaler Ebene verzeichneten die griechischen Supermärkte im Jahr 2025 ein Umsatzplus von 7,1 Prozent. Im direkten Gegensatz dazu musste die klassische Gastronomiebranche im selben Zeitraum einen deutlichen Umsatzrückgang von 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen.
Deutsche Urlauber treiben die Rekordzahlen
Trotz der inflationären Herausforderungen erwies sich das vergangene Jahr als äußerst lukrativ für den griechischen Fremdenverkehr. Nach offiziellen Angaben der Bank von Griechenland reisten im Jahr 2025 knapp sechs Millionen deutsche Staatsbürger nach Griechenland. Dies entspricht einem Zuwachs von 10,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und macht die Deutschen zur mit Abstand größten ausländischen Besuchergruppe in dem südeuropäischen Land.
Insgesamt registrierten die Behörden im vergangenen Jahr rund 38 Millionen Ankünfte, was einem globalen Anstieg von 5,6 Prozent entspricht. Diese massiven Besucherströme, angetrieben von einer starken Nachfrage aus Mitteleuropa, führten letztlich dazu, dass die staatlichen Tourismuseinnahmen im selben Zeitraum um 9,4 Prozent auf insgesamt rund 24 Milliarden Euro kletterten.