Griechenland – Die Europäische Kommission hat in ihrem aktuellen Bericht “Mobile and Fixed Broadband Prices in Europe 2024” detaillierte Daten zu den Kosten für Telekommunikationsdienste veröffentlicht. Aus der Untersuchung geht hervor, dass Griechenland weiterhin zu den teuersten Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zählt. Obwohl im vergangenen Jahr weitere Preissenkungen bei Festnetz- und Mobilfunkverträgen verzeichnet wurden und bestimmte Gebühren aus der Zeit der Finanzkrise abgeschafft wurden, zahlen griechische Verbraucher deutlich mehr als der Durchschnitt der 27 EU-Staaten (EU27).
Das Preisniveau weicht stark vom europäischen Mittelwert ab, was den Breitbandzugang zum Internet in Relation zum verfügbaren Einkommen der Bürger unverhältnismäßig teuer macht. Die offizielle Auswertung stuft das Land fest in die Gruppe der Hochpreisländer ein. In spezifischen Geschwindigkeits- und Dienstleistungskategorien verzeichnet der griechische Markt sogar die höchsten Preise des gesamten Kontinents, während das Lohnniveau gleichzeitig signifikant unter dem europäischen Durchschnitt liegt.
Den starken Kontrast bilden osteuropäische Staaten wie Rumänien, Bulgarien, Polen und Litauen, die die niedrigsten Preise aufweisen, während südliche Länder wie Griechenland und Portugal sowie Belgien die höchsten finanziellen Belastungen für Verbraucher darstellen.
Massive Preisgefälle bei Breitband und Festnetz
Im Bereich der festen Breitbandanschlüsse belegt der griechische Markt bei der Erschwinglichkeit systematisch die hintersten Plätze. Für ein grundlegendes Single-Play-Paket mit Übertragungsraten zwischen 30 und 100 Mbps lag der niedrigste verfügbare Preis im Jahr 2024 bei 19,17 Euro, gemessen in Kaufkraftparitäten (PPP). Der entsprechende europäische Durchschnitt fällt deutlich geringer aus, wobei Länder wie Rumänien dieselbe Dienstleistung bereits für 10,14 Euro bereitstellen. Diese Diskrepanz verschärft sich bei sehr hohen Geschwindigkeiten von über 200 Mbps erheblich.
In diesem Segment verzeichnet Griechenland die absolute Negativspitze in der Europäischen Union für Single-Play-Tarife. Der Preis springt hier auf 39,81 Euro, während der Mittelwert der EU27 bei lediglich 21,91 Euro liegt, was nahezu einer Halbierung der Kosten entspricht. Auch bei den Triple-Play-Paketen, die Festnetztelefonie, Internet und Fernsehen kombinieren, bleibt das Kostenniveau im Verhältnis zu den Haushaltseinkommen hoch. Für Verbindungen bis zu 100 Mbps beläuft sich der Durchschnittspreis in Griechenland auf 37,12 Euro, gegenüber einem EU-Schnitt von 33,20 Euro.
Gigabit-Netze und die teure Quadruple-Play-Kategorie
Der preisliche Abstand vergrößert sich exponentiell in den höheren Geschwindigkeitsklassen. Bei Gigabit-Verbindungen (1 Gbps) im Rahmen fortschrittlicher Kombinationsdienste, dem sogenannten Quadruple Play, das Festnetz, Internet, Mobilfunk und Pay-TV umfasst, ist Griechenland das teuerste Land der gesamten Europäischen Union. Der Preis für dieses Leistungspaket liegt bei 89,17 Euro. Dies entspricht einem Aufschlag von rund 55 Prozent gegenüber dem europäischen Durchschnitt, der bei 57,66 Euro liegt. Auf Märkten wie Bulgarien wird der identische Dienst für weniger als 30 Euro angeboten.
Der Bericht der Kommission hebt hervor, dass die sogenannte Geschwindigkeitsprämie auf dem griechischen Markt extrem hoch ausfällt. Die finanziellen Mehrkosten für Verbraucher, die von einer älteren Technologie auf Glasfaser (FTTH) mit 1 Gbps aufrüsten möchten, sind bis zu doppelt so hoch wie im europäischen Durchschnitt. Diese Preispolitik wirkt trotz staatlicher Subventionen durch Gutscheine hemmend auf die Verbreitung neuer Netztechnologien. Die gängige Praxis der Anbieter, die Festnetztelefonie bei Double-Play-Paketen kostenlos oder mit minimalen Aufschlägen hinzuzufügen, bindet zwar Kunden, senkt aber die hohe Gesamtbelastung nicht.
Mobilfunktarife und die Gefahr der digitalen Kluft
Die Marktsituation im Mobilfunksektor präsentiert sich ähnlich angespannt. Griechenland ordnet sich in der teuren Ländergruppe ein, zu der ansonsten Staaten mit einem wesentlich höheren Lebensstandard wie die Niederlande und Schweden gehören. Für ein Datenpaket mit 10 Gigabyte und 100 Freiminuten zahlen griechische Nutzer 16,45 Euro, während der EU-Durchschnitt bei 13,01 Euro liegt. Bei Tarifen mit unbegrenztem Datenvolumen (Unlimited Data) erreichen die Kosten in Griechenland rund 42,00 Euro. Im benachbarten Italien hat der Wettbewerb vergleichbare Pakete auf unter 20,00 Euro gedrückt.
Im Gegensatz zu Ländern wie Frankreich oder Spanien, wo vier oder mehr Marktteilnehmer für sinkende Kosten sorgen, reicht die Wettbewerbsstruktur in Griechenland nicht aus, um dem EU-weiten Preisrückgang für mobile Daten von durchschnittlich 9,4 Prozent im Jahr 2024 zu folgen. Für die unteren 20 Prozent der Einkommensskala bedeutet dies, dass bis zu 4,8 Prozent des monatlichen Haushaltsbudgets für grundlegende Internet- und Mobilfunkdienste aufgewendet werden müssen, verglichen mit 2,2 Prozent in der EU.
Ein griechischer Arbeitnehmer mit geringem Einkommen muss folglich doppelt so viele Stunden arbeiten wie ein durchschnittlicher Europäer, um diese Dienste zu finanzieren. Um die Ziele der digitalen Dekade der EU bis 2030 zu erreichen, erfordert es laut dem Kommissionsbericht neben dem reinen Infrastrukturausbau eine tiefgreifende Neubewertung der Preispolitik und der steuerlichen Belastung der Telekommunikation.