Griechenland – Die wirtschaftliche Dynamik zwischen dem Tourismussektor und der Gastronomie in Griechenland durchläuft derzeit eine tiefgreifende Veränderung. Aktuelle Marktbeobachtungen belegen, dass der Lebensmitteleinzelhandel zunehmend Marktanteile gewinnt, während traditionelle Gastronomiebetriebe unter Druck geraten. Ein erheblicher Teil der Urlaubsausgaben fließt mittlerweile direkt in die Kassen der Supermärkte, da sich sowohl inländische als auch ausländische Touristen verstärkt für die Selbstversorgung entscheiden. Diese Entwicklung wurde im Rahmen der Jahreskonferenz der Marktforschungsgesellschaft NielsenIQ detailliert analysiert. Eleni Pipiliga, Vertreterin des Unternehmens, erklärte während der Präsentation der neuesten Daten, dass sich insbesondere einheimische Touristen nicht mehr lediglich als Besucher aufhielten, sondern zunehmend das Konsumverhalten von temporären Einwohnern an den Tag legten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Umsatz der Gastronomie in Griechenland verzeichnete im Jahr 2025 einen Rückgang von 3,4 Prozent.
- Supermärkte auf den Inseln und Kreta erwirtschaften im August mehr als ein Fünftel ihres Gesamtumsatzes.
- 60 Prozent der griechischen Urlauber bereiten ihr Frühstück in der Ferienunterkunft selbst zu.
Verändertes Konsumverhalten der inländischen Urlauber
Die detaillierte Auswertung der NielsenIQ-Daten verdeutlicht, dass die Selbstversorgung bei griechischen Urlaubern eine zentrale Rolle eingenommen hat. Mittlerweile bereiten sechs von zehn einheimischen Touristen ihr Frühstück während des Urlaubs immer oder fast immer eigenständig zu. Auch bei den weiteren Hauptmahlzeiten zeigt sich ein ähnlicher Trend. Vier von zehn griechischen Gästen kochen ihr Mittagessen selbst in der gebuchten Unterkunft. Noch ausgeprägter ist die Tendenz bei der Zwischenverpflegung, da 65 Prozent der Befragten süße oder salzige Snacks für den Strandbesuch im Lebensmitteleinzelhandel erwerben, anstatt auf das Angebot von Strandbars oder lokalen Cafés zurückzugreifen. Darüber hinaus gibt ein beachtlicher Anteil von 27 Prozent an, selbst das Abendessen regelmäßig in den eigenen vier Wänden der Ferienunterkunft zuzubereiten.
Der Einkaufswagen der griechischen Urlauber spiegelt diesen Trend zur umfassenden Selbstversorgung deutlich wider. Die bevorzugten Warengruppen umfassen Teigwaren, frisches Obst und Gemüse, Molkereiprodukte, Reis, Nudeln, Frühstückscerealien sowie Fleischwaren. Laut den Erhebungen verzehren 76 Prozent der Käufer diese Lebensmittel direkt in ihrer Unterkunft. Ein weiterer bedeutender Ort für den Konsum ist der Strand, wo 52 Prozent der Urlauber ihre mitgebrachten Snacks und Backwaren verzehren.
Auch im Bereich der Getränke greifen die Konsumenten vorwiegend auf Supermarktware zurück, wobei Kaffee, Tee, Bier und in Flaschen abgefülltes Wasser die stärksten Kategorien bilden. Im Non-Food-Segment erwerben die einheimischen Touristen vor allem Körperpflegeprodukte, Toilettenpapier, Shampoo und Duschgel. Dieses Verhalten lässt sich teilweise darauf zurückführen, dass viele Griechen ihren Urlaub in eigenen Ferienhäusern oder bei Verwandten verbringen.
Präferenzen und Einkaufsgewohnheiten ausländischer Gäste
Im Gegensatz zu den einheimischen Urlaubern konsumieren ausländische Touristen ihre Hauptmahlzeiten weiterhin überwiegend in Restaurants oder in den Speisesälen ihrer Hotels. Dennoch verzeichnet der Lebensmitteleinzelhandel auch bei dieser Zielgruppe signifikante Zuwächse in spezifischen Segmenten. Die Daten belegen, dass 41 Prozent der internationalen Gäste ihre Snacks für den Strandaufenthalt in Supermärkten einkaufen oder selbst zubereiten. Bei den Hauptmahlzeiten ist der Anteil der Selbstversorger geringer, aber dennoch präsent: 23 Prozent der ausländischen Touristen bereiten ihr Frühstück immer oder fast immer selbst zu. Beim Mittagessen liegt dieser Wert bei 19 Prozent, während lediglich 15 Prozent der internationalen Gäste ihr Abendessen eigenständig kochen.
Das Einkaufsverhalten der ausländischen Besucher konzentriert sich stark auf Convenience-Produkte und regionale Spezialitäten. Zu den meistgekauften Artikeln zählen frisches Obst und Gemüse, salzige Snacks, Brot und Backwaren, Kekse, Molkereiprodukte, Schokolade sowie Müsliriegel. Eine besondere Stellung nimmt griechisches Olivenöl ein, das von vielen internationalen Gästen häufig als Geschenk für Angehörige im Heimatland erworben wird.
Im Bereich der Non-Food-Artikel dominieren bei den ausländischen Touristen vor allem Sonnenschutzmittel. Bei der Wahl der Einkaufsstätten zeigen sich deutliche Präferenzen: 45 Prozent aller Touristen bevorzugen große Supermarktketten, während 42 Prozent in lokalen Supermärkten einkaufen. Discount-Ketten werden von 26 Prozent der Urlauber frequentiert, wobei diese Betriebsform besonders bei Gästen aus Deutschland, Rumänien und Polen beliebt ist, da sie ein Einkaufsverhalten widerspiegelt, das diese Konsumenten aus ihren Heimatländern gewohnt sind.
Umsatzverschiebung zugunsten des Lebensmitteleinzelhandels
Die Verlagerung der touristischen Ausgaben hat spürbare wirtschaftliche Konsequenzen für den griechischen Lebensmitteleinzelhandel. Die strategische Expansion der großen Handelsketten in den Urlaubsregionen erweist sich als äußerst profitabel. Die Analyse der Umsatzdaten verdeutlicht das Ausmaß dieser Entwicklung: Im August, dem traditionell stärksten Reisemonat, generieren die Supermärkte mehr als 20 Prozent ihrer landesweiten Gesamteinnahmen allein auf den Inseln und auf Kreta. Durch die zunehmende Verlängerung der touristischen Saison in Griechenland bleibt dieser wirtschaftliche Impuls nicht mehr nur auf den Hochsommer beschränkt. Im Jahresdurchschnitt tragen diese vom Tourismus geprägten Regionen mittlerweile 16 Prozent zum Gesamtumsatz des Sektors bei.
Die Wachstumsraten des Jahres 2025 unterstreichen diese Dynamik eindrucksvoll. Während der Lebensmitteleinzelhandel auf nationaler Ebene im Vergleich zum Vorjahr 2024 ein Umsatzplus von 7,1 Prozent verzeichnete, fielen die Zuwächse in den Urlaubsdestinationen deutlich höher aus. Die Supermärkte auf den griechischen Inseln meldeten einen Umsatzanstieg von 10 Prozent. Auch auf der Insel Kreta wurde mit einem Plus von 9 Prozent ein überdurchschnittliches Wachstum registriert. Diese Zahlen bestätigen, dass der Handel massiv von den veränderten Konsumgewohnheiten der Reisenden profitiert, die einen immer größeren Teil ihres Urlaubsbudgets für den Kauf von Lebensmitteln und Bedarfsgütern in den lokalen Filialen aufwenden.
Rückgang der Einnahmen im Gastronomiesektor
Parallel zu den Erfolgsmeldungen aus dem Lebensmitteleinzelhandel sieht sich die griechische Gastronomie mit einer gegensätzlichen Entwicklung konfrontiert. Das veränderte Ausgabeverhalten der Urlauber führt zu direkten finanziellen Einbußen in Restaurants, Tavernen und Cafés. Die landesweiten Erhebungen für das Jahr 2025 belegen einen Umsatzrückgang von 3,4 Prozent im gesamten Gastronomiesektor im direkten Vergleich zum Vorjahr 2024. Diese negative Entwicklung stellt eine Zäsur dar, da es sich um den ersten verzeichneten Umsatzrückgang in dieser Branche seit dem Krisenjahr 2020 handelt.
Die Experten der Marktforschungsinstitute und Branchenvertreter bewerten diesen Rückgang nicht als kurzfristige Schwankung, sondern als Ausdruck einer tiefgreifenden strukturellen Veränderung im Reiseverhalten. Die steigenden Lebenshaltungskosten und das Bedürfnis nach Budgetkontrolle veranlassen viele Urlauber dazu, die Ausgaben für Restaurantbesuche zu reduzieren. Den vorliegenden Prognosen zufolge wird erwartet, dass sich dieser Abwärtstrend in der Gastronomie auch im laufenden Jahr weiter fortsetzen wird, während der Lebensmitteleinzelhandel seine Position als primärer Versorger in den Urlaubsregionen weiter festigt.