Griechenland – Die griechische Steuerbehörde (AADE) leitet eine umfassende Umstrukturierung ihrer Kontrollmechanismen ein, um die landesweite Steuerhinterziehung signifikant auf den europäischen Durchschnitt zu senken. Mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz, gezieltem Data Mining und fortschrittlichen Analysetechniken fokussieren sich die Ermittlungsdienste zur Sicherung öffentlicher Einnahmen (YEDDE) aktuell auf 900 hochkarätige Großverfahren. Diese anvisierten Fälle stehen im Verdacht, in internationale Netzwerke und schwerwiegende Betrugsdelikte mit einem Volumen in Millionenhöhe verwickelt zu sein.
Die strategische Neuausrichtung basiert auf den neuesten Richtlinien der Direktion der AADE. Demnach umfassen die Untersuchungen komplexe Sachverhalte, für die bereits Daten und Informationen von ausländischen Dienststellen erfolgreich beschafft wurden oder deren Übermittlung in Kürze erwartet wird. Innerhalb dieser 900 vorrangigen Ziele der ersten Linie befindet sich ein spezifisches Kontingent von 380 Ermittlungsverfahren wegen Steuerhinterziehung. Die Auswahl dieser Verfahren erfolgt strikt nach Kriterien der Risikoanalyse. Dabei stützen sich die Ermittler auf elektronisch verfügbare Datensätze sowie auf umfassende interne und externe Informationsquellen, auf welche die Steuerbehörde direkten Zugriff hat. Die vorliegende Zielliste ist dabei keineswegs als abgeschlossen zu betrachten. Die übergeordneten Dienstanweisungen räumen den Kontrolldiensten ausdrücklich die Flexibilität ein, abhängig von neu eingehenden Informationen und Beweismitteln weitere Verdachtsfälle mit starken Indizien für Steuerdelikte jederzeit hochzustufen und in den Fokus zu rücken.
Umfangreicher Katalog der laufenden Steuerprüfungen
Unabhängig von ihrer initialen Priorisierung treiben die Behörden eine Vielzahl spezifischer Ermittlungsstränge voran. Ein zentraler Bestandteil sind multilaterale Prüfungen, die in enger Kooperation zwischen griechischen und ausländischen Steuerbehörden durchgeführt werden. Parallel dazu laufen gezielte Kontrollen und Ermittlungen, die direkt vom Leiter der AADE oder dem Vorsteher der Generaldirektion für Steuerfunktionen angeordnet wurden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Untersuchungsverfahren, die aus staatsanwaltschaftlichen Anordnungen resultieren, welche explizit auf Antrag der YEDDE-Einheiten erlassen wurden.
Ferner umfasst das operative Spektrum Prüfungen, die sich aus der aktiven Beteiligung der Ermittlungsdienste an speziellen Kontrollteams ergeben und im Rahmen besonderer gesetzlicher Bestimmungen anderer Dienststellen operieren. Besondere Aufmerksamkeit gilt Verfahren, für die bereits ein spezifischer Kontrollbericht zur Ergreifung von Sicherungsmaßnahmen an die zuständige Dienststelle übermittelt wurde. Dies schließt auch Ermittlungen ein, bei denen Dokumente für das offizielle Einfrieren von Bankkonten und die Beschlagnahmung von Vermögenswerten weitergeleitet wurden. Darüber hinaus werden systematisch jene Prüfungen abgearbeitet, die im offiziellen Bestand der offenen Verfahren der YEDDE zum Stichtag des 31. August 2025 verzeichnet sind. Abgerundet wird das Vorgehen durch teilweise gezielte Vor-Ort-Kontrollen sowie diverse präventive Überprüfungen. Letztere dienen der grundlegenden Feststellung, ob steuerliche Verpflichtungen erfüllt, ordnungsgemäße Geschäftsbücher geführt und die vorgeschriebenen Steuerdokumente ausgestellt werden.
Technologischer Wandel in der Betrugsbekämpfung
Die zuständigen institutionellen Stellen unterstreichen, dass die Kontrollmechanismen durch den massiven Einsatz moderner Technologie in eine neue Ära eintreten. Zielsetzung ist es, blinde und langwierige Überprüfungen durch effiziente und treffsichere Verfahren zu ersetzen. Der bereits aktivierte Operationsplan sieht eine tiefgreifende Reorganisation sämtlicher Prüfungsabläufe unter Verwendung modernster Werkzeuge vor. Kernstück ist die Implementierung komplexer Datenanalysetechniken sowie die lückenlose elektronische Überwachung aller Phasen des Prüfverfahrens.
Um abweichende Tendenzen und mangelnde Steuerehrlichkeit frühzeitig zu erkennen, wendet die Behörde Modelle der Verhaltensökonomie sowie prädiktive Vorhersagemodelle an, die maßgeblich durch Künstliche Intelligenz unterstützt werden. Die Automatisierung von Kontrollen und die Durchführung massenhafter Datenabgleiche werden erheblich intensiviert. Ein weiterer Baustein der neuen Strategie ist der verstärkte Informationsaustausch mit anderen Staaten sowie die Ausweitung der Informationsquellen, um ein detailliertes Profil der steuerpflichtigen Personen und Unternehmen zu erstellen. Zur Aufdeckung illegaler Verhaltensmuster greifen die Ermittler zudem auf das Internet und soziale Netzwerke zurück, deren Inhalte mithilfe spezialisierter Algorithmen systematisch ausgewertet werden.
Milliardenschäden durch die Schattenwirtschaft
Die konsequente technologische Aufrüstung der Steuerbehörden ist eine direkte Reaktion auf das immense Ausmaß der illegalen Finanzflüsse im Land. Nach offiziellen Berechnungen des Haushaltsbüros des Staates im griechischen Parlament beläuft sich das Volumen der Schattenwirtschaft in Griechenland auf rund 40 Milliarden Euro. Diese gravierende Fehlentwicklung hat zur Folge, dass dem Staatshaushalt jährlich Einnahmenverluste von über 10 Milliarden Euro durch Steuerhinterziehung entstehen.
Allein bei der Mehrwertsteuer schätzen die Experten den jährlichen Verlust auf etwa 2 bis 2,5 Milliarden Euro. Diese entgangene Summe entspricht exakt den gesamten jährlichen Einnahmen aus der einheitlichen Immobiliensteuer (ENFIA). Angesichts dieser massiven finanziellen Ausfälle positioniert sich die digital unterstützte und algorithmusgesteuerte Steuerfahndung als unverzichtbares Instrument, um die fiskalische Stabilität des Landes langfristig zu sichern und die Steuerehrlichkeit durch den Einsatz modernster Ermittlungsmethoden zu erzwingen.