Griechenland – Die Ausführung des griechischen Staatshaushalts verzeichnet in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 einen spürbaren Rückgang der regulären Steuereinnahmen. Nach offiziellen Angaben beläuft sich das Defizit im Vergleich zu den budgetierten Zielen auf 310 Millionen Euro, was einem Minus von 2,6 Prozent entspricht. Diese Entwicklung wird als Indikator für einen Rückgang des inländischen Konsums gewertet.
Gleichzeitig weist der Gesamthaushalt aufgrund von zeitlichen Verschiebungen bei den Ausgaben und spezifischen Sondereffekten einen deutlichen Primärüberschuss auf. Das Ministerium für nationale Wirtschaft und Finanzen hat die vorläufigen Daten zur Haushaltsausführung auf modifizierter Kassenbasis für den Zeitraum von Januar bis Februar 2026 vorgelegt. Entgegen dem Einnahmenrückgang zeigt die Gesamtbilanz eine mathematisch positive Entwicklung auf dem Papier.
Dynamik des Primärüberschusses im Haushalt
Der griechische Staatshaushalt verzeichnet einen Überschuss von 902 Millionen Euro. Dieser Wert steht im starken Kontrast zu dem im Haushaltsbericht 2026 prognostizierten Defizit von 97 Millionen Euro für denselben Zeitraum. Im Vorjahr 2025 lag der Überschuss in diesen zwei Monaten bei 709 Millionen Euro. Noch deutlicher fällt das primäre Ergebnis aus, welches den Saldo vor dem Schuldendienst darstellt.
Das Primärprämien-Ergebnis auf modifizierter Kassenbasis erreichte 2,994 Milliarden Euro. Ziel der Finanzbehörden war lediglich ein Primärüberschuss von 1,957 Milliarden Euro. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres 2025 betrug dieser Wert 2,802 Milliarden Euro. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass das primäre Ergebnis in haushaltspolitischer Hinsicht von dem kassenmäßigen Ergebnis abweicht.
Die vorliegenden Daten beziehen sich zudem ausschließlich auf die Zentralverwaltung der Regierung. Sie umfassen noch nicht den gesamten Sektor Staat, welcher auch juristische Personen sowie die Teilsektoren der Kommunalverwaltung und der Sozialversicherungsträger integriert.
Analyse der Steuereinnahmen und Konsumeffekte
Die detaillierte Betrachtung der Nettoeinnahmen des Staatshaushalts offenbart strukturelle Verschiebungen. In der Periode von Januar bis Februar 2026 summierten sich die Nettoeinnahmen auf insgesamt 11,990 Milliarden Euro. Dies entspricht einer Verfehlung des in der Haushaltsplanung verankerten Ziels um 124 Millionen Euro. Die reinen Steuereinnahmen beliefen sich auf 11,856 Milliarden Euro.
In dieser Summe ist jedoch ein außerordentlicher buchhalterischer Posten in Höhe von 306 Millionen Euro enthalten. Rechnet man diesen Sondereffekt heraus, betragen die regulären Steuereinnahmen 11,550 Milliarden Euro. Der Rückgang um 310 Millionen Euro beziehungsweise 2,6 Prozent gegenüber der Zielvorgabe ist maßgeblich auf eine spezifische Steuerkategorie zurückzuführen.
Laut den Daten des Finanzministeriums resultiert die Lücke primär aus verminderten Einnahmen bei den Steuern auf Energieprodukte. Konkret fielen die Einnahmen aus der Verbrauchssteuer (EFK) und der Mehrwertsteuer (MwSt) auf Energie um 204 Millionen Euro niedriger aus als kalkuliert. Diese Mindereinnahmen bei den Energieträgern spiegeln die rückläufige Konsumentwicklung im Land wider.
Buchhalterische Effekte der Egnatia-Konzession
Ein wesentlicher Faktor, der die Einnahmen- und Ausgabenstruktur des Januars 2026 prägt, ist die buchhalterische Erfassung der Egnatia-Autobahn. Hierbei handelt es sich um den Abschluss des Vertrages über die Dienstleistungskonzession zur Finanzierung, zum Betrieb, zur Instandhaltung und zur Nutzung der wichtigsten Verkehrsachse Nordgriechenlands. Die Laufzeit für die Autobahn und ihrer drei vertikalen Achsen beträgt 35 Jahre.
Diese Vereinbarung wurde mit dem Gesetz 5260/2025 offiziell ratifiziert. Die finanziellen Transaktionen rund um dieses Infrastrukturprojekt führten zu einer doppelten buchhalterischen Erfassung im System. Ein Betrag von 306 Millionen Euro, der die 24-prozentige Mehrwertsteuer auf den Transaktionspreis darstellt, wurde vom Konzessionär an den griechischen Staat abgeführt.
Dieser Betrag wurde zunächst in der Kategorie “Steuern” verbucht und zog im gleichen Zuge eine identische Steuerrückerstattung nach sich. In einem anschließenden Schritt wurde exakt dieser Betrag von 306 Millionen Euro erneut an den griechischen Staat überwiesen und dann formell in der Kategorie “Verkäufe von Waren und Dienstleistungen” registriert.
Steuerrückerstattungen und Investitionsprogramm
Die Besonderheiten der Egnatia-Transaktion spiegeln sich auch deutlich bei den staatlichen Rückerstattungen wider. Die Erstattungen von Einnahmen beliefen sich im ersten Zweimonatszeitraum auf 1,468 Milliarden Euro. Damit lagen sie um 300 Millionen Euro über dem im Haushaltsbericht 2026 festgelegten Ziel von 1,168 Milliarden Euro.
Diese signifikante Überschreitung ist fast ausschließlich auf die erwähnte Mehrwertsteuerrückerstattung in Höhe von 306 Millionen Euro aus dem Autobahn-Konzessionsvertrag zurückzuführen. Im Bereich der öffentlichen Investitionen verzeichnet der Staatshaushalt hingegen eine Unterdeckung. Die Einnahmen aus dem Programm für öffentliche Investitionen (PDE) erreichten 715 Millionen Euro.
Damit blieben sie um 120 Millionen Euro hinter der einkalkulierten Zielvorgabe von 835 Millionen Euro zurück. Die genaue Aufschlüsselung und endgültige Verteilung der Einnahmenkategorien des Staatshaushalts wird erst mit der Veröffentlichung des definitiven Finanzberichts durch das Ministerium erfolgen.
Verzögerte Zahlungen im Ausgabensektor
Die Ausgabenseite des Staatshaushalts trägt durch Zurückhaltung maßgeblich zu dem hohen Primärüberschuss bei. In den Monaten Januar und Februar 2026 beliefen sich die Ausgaben auf insgesamt 11,088 Milliarden Euro. Dieser Wert liegt signifikant um 1,122 Milliarden Euro unter dem budgetierten Ausgabenziel von 12,211 Milliarden Euro.
Im direkten Vergleich zur identischen Periode des Vorjahres 2025 verzeichnen die Ausgaben jedoch einen leichten Anstieg um 54 Millionen Euro. Ein großer Teil der Abweichung vom Ziel resultiert aus dem regulären Haushalt, wo die Auszahlungen 217 Millionen Euro unter dem Planwert blieben.
Diese Differenz ist primär auf zeitliche Verzögerungen bei der Begleichung von Rechnungen zurückzuführen. Konkret kam es zu einem zeitlichen Aufschub von Zahlungen für militärische Rüstungsprogramme in Höhe von 126 Millionen Euro sowie bei sonstigen Kapitaltransfers im Wert von 200 Millionen Euro.
Bereinigt man den Primärüberschuss um diese zeitlichen Verschiebungen sowie um weitere 591 Millionen Euro an verzögerten Zahlungen beim Investitionsprogramm (PDE), beläuft sich die tatsächliche Übererfüllung des primären Ziels in modifizierter Kassenbasis auf 120 Millionen Euro.
Spezifische Haushaltsdaten für den Februar
Die isolierte Betrachtung des Monats Februar 2026 zeigt eine Fortsetzung der gedämpften Gesamtentwicklung. Die gesamten Nettoeinnahmen des Staatshaushalts beliefen sich in diesem Einzelmonat auf 5,851 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Fehlbetrag von 159 Millionen Euro gegenüber dem exakt festgelegten monatlichen Ziel.
Im Gegensatz zur Entwicklung des gesamten Zweimonatszeitraums zeigten sich die Steuereinnahmen im Februar jedoch leicht stabilisiert. Sie summierten sich auf 5,738 Milliarden Euro und lagen damit marginal um 14 Millionen Euro beziehungsweise 0,2 Prozent über dem Planwert. Die Steuerrückerstattungen beliefen sich auf 672 Millionen Euro und trafen damit fast exakt das Ziel von 676 Millionen Euro.
Eine deutliche Lücke klaffte hingegen bei den Investitionen: Die Einnahmen für das Investitionsprogramm erreichten lediglich 576 Millionen Euro und verfehlten die Zielmarke von 705 Millionen Euro um 129 Millionen Euro. Auch die investiven Ausgaben blieben mit 875 Millionen Euro stark zurück, was 906 Millionen Euro unter dem Ziel und 464 Millionen Euro unter dem Niveau von 2025 liegt. Zu Beginn eines jeden Haushaltsjahres binden die staatlichen Stellen vorrangig Mittel für die Begleichung unbezahlter Verpflichtungen aus den Vorjahren sowie für mehrjährige vertragliche Bindungen.