Griechenland – Griechenland verzeichnet aktuell den ältesten Pkw-Bestand innerhalb der Europäischen Union, was in Kombination mit einer extremen Fahrzeugdichte zu massiven Verkehrsproblemen führt. Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge liegt bei über 17 Jahren, eine direkte Spätfolge der tiefgreifenden Finanzkrise des Jahres 2010. Besonders in der Hauptstadtregion Athen kollabiert die Verkehrsinfrastruktur zusehends, da ein unzureichendes öffentliches Verkehrsnetz auf eine der höchsten Fahrzeugdichten Europas trifft.
Zahlreiche Stadtteile bleiben weiterhin vom U-Bahn-Netz ausgeschlossen, was die Abhängigkeit vom eigenen Auto erhöht. Autofahrer verlieren in der Metropole jährlich durchschnittlich 111 Stunden im Verkehrsstau. Eine aktuelle Studie des Instituts für Wirtschafts- und Industrieforschung (IOBE) beleuchtet diese kritische Lage und analysiert gleichzeitig die Rolle von Fahrdienstleistern bei der Bewältigung der Mobilitätskrise in Athen.
Die detaillierte Untersuchung prognostiziert einen weiteren drastischen Anstieg der täglichen Fahrten im Großraum der griechischen Hauptstadt bis zum Jahr 2030, was die Dringlichkeit für neue verkehrspolitische und infrastrukturelle Konzepte nachdrücklich unterstreicht.
Extreme Fahrzeugdichte und veraltete Infrastruktur
Die Verkehrsbedingungen in der griechischen Metropole spitzen sich laut den Daten der IOBE-Studie weiter zu. Ein wesentlicher Faktor für die Überlastung ist die enorme Dichte an Personenkraftwagen: Auf einen Quadratkilometer kommen in Athen fast 900 Fahrzeuge. Zum Vergleich verzeichnet die italienische Hauptstadt Rom knapp über 500 und das portugiesische Lissabon rund 250 Fahrzeuge pro Quadratkilometer.
Diese massive Konzentration führt dazu, dass Athener Autofahrer mit 111 Staustunden pro Jahr deutlich mehr Zeit im Verkehr verlieren als etwa Fahrer in Lissabon, wo dieser Wert bei 79 Stunden liegt. Parallel dazu leidet das Land weiterhin unter den Nachwirkungen der Wirtschaftskrise, die eine natürliche Erneuerung des nationalen Fuhrparks verhinderte und das Durchschnittsalter auf europäisches Rekordniveau trieb.
Ein chronischer Mangel an verfügbaren Parkplätzen und die traditionell hohe Autobesitzquote beschleunigen den Verkehrskollaps auf den Straßen der Hauptstadt. Die Prognosen der Studie zeichnen ein pessimistisches Bild für die nahe Zukunft: Die täglichen Fahrten in der Metropolregion Athen, die für das Jahr 2024 auf rund 6,4 Millionen geschätzt wurden, sollen bis zum Jahr 2030 auf voraussichtlich 7,1 Millionen ansteigen.
Wirtschaftlicher Einfluss von Fahrdiensten und rechtliche Debatten
Angesichts dieser infrastrukturellen Engpässe rückt die Notwendigkeit ergänzender Mobilitätskonzepte wie Ridesharing zunehmend in den politischen Fokus. Die IOBE-Studie, die anlässlich der zehnjährigen Präsenz von Uber in Griechenland publiziert wurde, belegt das rasante Wachstum dieses Sektors. Die Anzahl der registrierten Fahrer des Unternehmens stieg von 244 im Jahr 2015 auf nahezu 5.000 im Jahr 2024.
Damit deckte die Plattform im Jahr 2023 bereits 10,3 Prozent der Gesamtbeschäftigten im griechischen Taxigewerbe ab. Die generierten Einnahmen haben sich im Zeitraum von 2015 bis 2024 versechsfacht. Diese Steigerung wird primär durch eine hohe Nachfrage bei nächtlichen Fahrten und Flughafentransfers getragen, was direkt auf den florierenden Tourismus und den starken inländischen Bedarf zurückzuführen ist. Allein im Jahr 2024 trugen die über die Plattform vermittelten Taxifahrten rund 110 Millionen Euro zum griechischen Bruttoinlandsprodukt bei.
Parallel zu dieser wirtschaftlichen Entwicklung debattiert die Politik über ein neues Sammelgesetzbuch, das massive Proteste der traditionellen Taxifahrer auslöste. Im Zentrum der Kontroverse steht die mögliche Liberalisierung von privaten Mietwagen mit Fahrern. Das Unternehmen Uber betrachte diese Dienste und klassische Taxis nicht als Konkurrenten, sondern als sich ergänzende Transportmittel zur Deckung unterschiedlicher Mobilitätsbedürfnisse. Dennoch bewerte der Fahrdienstleister die aktuelle griechische Gesetzgebung in diesem Marktsegment als stark restriktiv.