Griechenland – Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) drängt die Regierung zu einem strategischen Kurswechsel in der nationalen Arbeitsmarktpolitik. In einem am heutigen Vormittag in Paris vorgestellten Bericht zur Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit empfiehlt die Organisation eine Abkehr von direkten finanziellen Geburtenprämien. Stattdessen sollen die öffentlichen Mittel massiv in den Ausbau von Kinderbetreuungsstätten fließen, um die Erwerbsquote von Frauen zu steigern und die allgemeine Arbeitslosigkeit weiter zu senken.
Das Wichtigste auf einen Blick
- OECD präsentiert neuen Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit in Paris.
- Forderung nach Umschichtung der Mittel von Geburtenprämien hin zur Kinderbetreuung.
- Ziel ist die Verringerung der großen Lücke bei der Beschäftigungsquote von Frauen.
- Empfehlung für mehr Investitionen in Weiterbildung statt direkter Jobsubventionen.
- Fachkräftemangel hemmt laut Bericht das Unternehmenswachstum in Griechenland.
Der Bericht: Warum Kinderbetreuung wichtiger ist als Geburtenprämien
Obwohl die Arbeitslosigkeit in Griechenland in den vergangenen Jahren gesunken ist, verharrt sie im Vergleich zu anderen Mitgliedsstaaten der OECD auf einem hohen Niveau. Der aktuelle Bericht lobt zwar die Reformbemühungen der vergangenen Jahre in verschiedenen Sektoren der griechischen Wirtschaft, zeigt jedoch weiterhin deutliche strukturelle Schwächen auf. Ein zentrales Problem bleibt demnach die massive Diskrepanz bei der Beschäftigungsquote zwischen Männern und Frauen.
Die Experten der Organisation betonen, dass die Erwerbsbeteiligung von Frauen zwar steigt, im internationalen Vergleich jedoch weiterhin zu den niedrigsten gehört. Der Bericht hält fest, dass eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie den Zugang von Frauen zum Arbeitsmarkt deutlich erleichtern und das Angebot an Fachkräften erhöhen würde. Die derzeitigen Kinderbetreuungsstrukturen seien jedoch stark limitiert, da die staatlichen Ausgaben primär in direkte Geburtenprämien statt in den Aufbau nachhaltiger Dienstleistungen fließen.
Die konkreten Empfehlungen zur Frauenbeschäftigung
Um die Beschäftigung von Frauen gezielt und langfristig zu fördern, richtet der Bericht drei spezifische Handlungsanweisungen an die Regierung in Athen:
- Verbesserung des Zugangs zu erschwinglicher und qualitativ hochwertiger Kinderbetreuung durch die Verlagerung öffentlicher Ausgaben von Geburtenprämien hin zu Betreuungsstrukturen.
- Weitere Stärkung von Sensibilisierungskampagnen gegen Geschlechterstereotypen sowie die Förderung von Gleichstellungszertifikaten in Unternehmen.
- Einführung finanzieller oder zeitlicher Anreize für die Inanspruchnahme des neuen bezahlten Vaterschaftsurlaubs, wie etwa eine längere Gesamtdauer oder höhere Zuschüsse bei aktiver Nutzung durch die Väter.
Qualifizierung statt Subventionen: Der Plan gegen die Arbeitslosigkeit
Neben der Frauenbeschäftigung fokussiert sich die Analyse auf die allgemeine Arbeitslosigkeit und den wachsenden Mangel an Fachkräften. Die Kompetenzen von Erwachsenen hinken in Griechenland hinterher, während die Teilnahme an beruflicher Weiterbildung gering ausfällt. Dieser Mangel an qualifizierten Fähigkeiten blockiert laut der OECD zunehmend das Wachstum von Unternehmen und die wirtschaftliche Innovation im Land. Die staatliche Arbeitsverwaltung (DYPA) habe die zielgerichtete Schulung für Arbeitslose zwar verbessert, jedoch bremse die begrenzte Finanzierung für aktive Arbeitsmarktpolitiken den weiteren Fortschritt.
Für die Reduzierung der allgemeinen Arbeitslosigkeit empfiehlt die Organisation daher einen Richtungswechsel bei den finanziellen Mitteln:
- Umschichtung der bisherigen hohen staatlichen Unterstützung für direkte Arbeitsplatzbeschaffung hin zu intensiverer Schulung und Beratung für Arbeitssuchende.
- Ausweitung der gezielten Schulungsgutscheine, damit Erwachsene an langfristigen Programmen teilnehmen können, sowie die Bereitstellung eines gesetzlich verankerten Bildungsurlaubs.
- Sicherung der Qualität von Bildungsanbietern durch regelmäßige Bewertungen und verbesserte Zertifizierungsverfahren auf dem Markt.
Die Umsetzung dieser Empfehlungen soll sicherstellen, dass die griechische Wirtschaft künftig stärker auf gut ausgebildetes Personal zurückgreifen kann und die strukturelle Arbeitslosigkeit nachhaltig sinkt.