Griechenland – Die griechische Regierung hat ein weitreichendes finanzielles Unterstützungspaket in Höhe von rund 300 Millionen Euro für die heimische Industrie angekündigt. Ziel der Maßnahme ist es, den anhaltenden Druck durch extrem hohe Energiekosten abzufedern und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Zeiten globaler geopolitischer Unsicherheit zu sichern. Das Programm verzichtet jedoch auf direkte Strompreissubventionen und setzt stattdessen auf gezielte Investitionsförderungen und Gebührensenkungen.
Das neue Rahmenwerk wurde vom griechischen Minister für Umwelt und Energie, Stavros Papastavrou, dem Entwicklungsminister Takis Theodorikakos sowie dem stellvertretenden Energieminister Nikos Tsafos präsentiert. Es basiert im Wesentlichen auf drei Säulen: staatlichen Zuschüssen für energiesparende Investitionen, einer Aufstockung des CO2-Kompensationsmechanismus und einer signifikanten Reduzierung der sogenannten Abgaben für Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse (YKO).
Das Wichtigste auf einen Blick
- Gesamtvolumen von 300 Millionen Euro zur nachhaltigen Entlastung der Industrie.
- 200 Millionen Euro an direkten Zuschüssen für strategische Energieinvestitionen.
- 75 Millionen Euro jährlich als CO2-Ausgleich für große, energieintensive Betriebe.
- Senkung der YKO-Dienstleistungsabgaben um 50 Prozent ab dem 1. Juli 2026.
- Maßnahmenpaket wurde nach monatelangen Verhandlungen von der EU-Kommission gebilligt.
Brüsseler Vorgaben formen das neue Subventionsmodell
Die griechische Industrie hatte im Vorfeld massiv auf direkte Subventionen zur sofortigen Senkung der reinen Stromkosten gedrängt, ähnlich den Modellen, die bereits in Italien oder der Bundesrepublik Deutschland zur Anwendung kamen. Eine derartige Markteingriffsmaßnahme erhielt jedoch keine Genehmigung aus Brüssel. Wie das zuständige griechische Energieministerium mitteilte, sei das nun verabschiedete Modell das direkte Ergebnis monatelanger und komplexer Verhandlungen mit der Europäischen Kommission.
Der Fokus der Gespräche lag darauf, ein Hilfsprogramm zu entwerfen, das vollständig mit dem geltenden europäischen Beihilferecht vereinbar ist und keine zukünftigen rechtlichen Anfechtungen riskiert. Das verabschiedete Paket bündelt Maßnahmen, die sowohl eine kurzfristige Reduzierung der festen Betriebskosten als auch die langfristige Förderung von Energieeffizienz und dem ökologischen Umbau der Produktionsstätten gewährleisten. Auf einen Zeitraum von fünf Jahren gerechnet, summieren sich die Entlastungen bei den Abgaben und der CO2-Kompensation auf einen wirtschaftlichen Vorteil von jährlich rund 100 Millionen Euro für die Betriebe.
Finanzspritze für den grünen Umbau der Produktion
Den größten finanziellen Block des Pakets bilden die grünen Investitionen. Über den europäischen Modernisierungsfonds (Modernization Fund) fließen insgesamt 200 Millionen Euro in Form von nicht rückzahlbaren Zuschüssen in die griechische Wirtschaft. Diese Gelder sind strikt zweckgebunden an strategische Industrieinvestitionen. Als zwingende Grundvoraussetzung für jede staatliche Förderung gilt, dass das jeweilige Projekt eine Energieeinsparung von mindestens zehn Prozent im Vergleich zur bestehenden Infrastruktur nachweisen muss.
Der Kreis der förderfähigen Sektoren ist breit gefächert und umfasst die Rückgratindustrien des Landes. Dazu zählen die Metallurgie, die Aluminium- und Stahlproduktion, die Kupferverarbeitung sowie die Zement-, Papier-, Holz- und Kunststoffindustrie. Auch die für Griechenland wirtschaftlich bedeutende chemische Industrie und die Pharmabranche sind antragsberechtigt. Die geförderten technologischen Eingriffe reichen von der Elektrifizierung thermischer Prozesse über die generelle Modernisierung von Industrieanlagen bis hin zur Installation großer Energiespeichersysteme.
Darüber hinaus können die Unternehmen auch Gelder für Anlagen zur Wärmerückgewinnung sowie für die energetische Sanierung von Betriebsgebäuden und industriellen Kühlsystemen beantragen. Die offizielle Ausschreibung zur Einreichung der Investitionspläne wird für Juni erwartet. Die griechischen Behörden versprechen sich davon eine schnelle Mobilisierung von privatem Kapital, um die Produktionskosten dauerhaft und strukturell zu senken.
CO2-Kompensation für die Schwerindustrie gesichert
Ein weiterer zentraler Pfeiler des Programms ist die Aufstockung der Ausgleichszahlungen für indirekte Emissionskosten, die speziell auf die großen, energieintensiven Industrien zugeschnitten ist. Nach den Verhandlungen mit der EU konnte Athen den nationalen Kompensationskoeffizienten für den Zeitraum 2026 bis 2030 auf 0,82 festsetzen. Unter anderen politischen Vorzeichen wäre dieser Wert deutlich niedriger ausgefallen, was die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Exporteure stark belastet hätte.
In der Praxis bedeutet diese Anpassung eine zusätzliche finanzielle Unterstützung von etwa 75 Millionen Euro pro Jahr. Dieser Betrag verteilt sich auf einen festen Kreis von rund 40 bis 50 großen Industrieunternehmen, die besonders stark von den Preissteigerungen im europäischen Emissionshandelssystem (ETS) betroffen sind. Der Mechanismus erstattet diesen Betrieben einen Teil der Kosten, die durch die CO2-Zertifikate automatisch auf den Stromeinkaufspreis aufgeschlagen werden, und schützt sie somit vor billigerer Konkurrenz aus Drittstaaten ohne strenge Umweltauflagen.
Halbierung der Netzabgaben entlastet den Mittelstand
Die direkteste Entlastung für die breite Masse der produzierenden Unternehmen stellt die deutliche Reduzierung der sogenannten YKO-Gebühren dar. Ab dem 1. Juli 2026 werden diese Abgaben, die traditionell der Finanzierung von Sozialtarifen und der teuren Stromversorgung der nicht ans Festlandnetz angeschlossenen Inseln dienen, für die Industrie um exakt 50 Prozent gesenkt. Diese Maßnahme gilt ausnahmslos für alle industriellen Verbraucher, die an das Hoch- und Mittelspannungsnetz angeschlossen sind.
Von dieser Gebührenkürzung profitieren landesweit etwa 23.000 Betriebe. Das Ministerium rechnet mit einer direkten Ersparnis von rund 26 Millionen Euro jährlich für die Wirtschaft. Im Gegensatz zur CO2-Kompensation, die primär Großkonzerne entlastet, erreicht diese Maßnahme auch das breite Spektrum der kleinen und mittleren Industrie- und Handwerksbetriebe. Sie soll die Liquidität im Mittelstand sofort verbessern und einen konkreten Puffer gegen die anhaltende Volatilität an den europäischen Strombörsen schaffen.