Griechenland – Am Dienstag, den 24. Februar 2026, hat für die griechischen Streitkräfte offiziell eine neue Ära begonnen. Mit der Einberufung der ersten Rekruten des Jahres, der sogenannten A’ ESSO, trat das umfassende Reformpaket “Agenda 2030” für den obligatorischen Militärdienst in Kraft. Den Auftakt bildeten die Ausbildungszentren (KEN) in Avlona und Thiva, deren Infrastruktur im Vorfeld vollständig an das neue militärische Ausbildungskonzept angepasst wurde.
Verteidigungsminister Nikos Dendias betonte die absolute Notwendigkeit dieser tiefgreifenden Veränderungen. Die Restrukturierung sei eine unvermeidliche Anpassung an die veränderten geopolitischen Realitäten, den rasanten technologischen Fortschritt und die neuen taktischen Anforderungen, die sich aus den jüngsten globalen Konflikten ergeben haben.
Die Reform zielt darauf ab, die Einsatzfähigkeit der Rekruten durch eine praxisnähere und modernere Ausbildung deutlich zu steigern, was sich unter anderem in der Integration neuer technologischer Fähigkeiten und einer strukturierten Vermittlung von zertifizierten Qualifikationen niederschlägt. Flankiert werden diese inhaltlichen Neuerungen durch erhebliche finanzielle Verbesserungen und eine Anhebung des Lebensstandards für die Wehrpflichtigen während ihrer Dienstzeit.
Strukturwandel: Von der Grundausbildung bis zur Stationierung
Ein zentraler Pfeiler der militärischen Neuausrichtung ist die Umstrukturierung der Grundausbildung, die nun verbindlich zehn Wochen dauert und ausschließlich im Heer stattfindet. Das Ausbildungsangebot wurde massiv erweitert und an moderne Bedrohungsszenarien angepasst. Es umfasst nun neben klassischen militärischen Disziplinen wie einer erhöhten Anzahl an Schießübungen – einschließlich Nachtschießen und dem Umgang mit Pistolen – auch komplexe taktische Manöver, wie die Kombination aus Nachtmärschen und Schießübungen mit anschließender Übernachtung im Freien. Eine wesentliche Neuerung ist die systematische Schulung an unbemannten Luftfahrzeugen (Drohnen).
Rekruten durchlaufen eine theorie- und simulatorgestützte Ausbildung. Erfolgreiche Absolventen erhalten eine intensive Spezialisierung, die ihnen die Qualifikation als Drohnenpilot und ein spezielles Abzeichen für ihre Uniform einbringt. Zudem wird großer Wert auf den Erwerb ziviler Querschnittskompetenzen wie erweiterte Erste Hilfe, Brandschutz und Umweltschutz gelegt.
Die Struktur der Einberufungen wurde ebenfalls gestrafft: Anstelle von sechs gibt es nunmehr nur noch vier Einberufungstermine pro Jahr (Februar, Mai, August und November). Die Zuteilung der Rekruten erfolgt über 13 spezialisierte Ausbildungszentren. Während der reguläre Wehrdienst 12 Monate dauert, reduziert sich die Dienstzeit auf 9 Monate für diejenigen, die ihren Dienst freiwillig oder durch Zuteilung in strategisch sensiblen Gebieten wie Thrakien, den Inseln der östlichen Ägäis, der zyprischen ELDYK oder der Präsidentengarde absolvieren.
Eine Versetzung in andere Teilstreitkräfte, wie die Luftwaffe oder die Marine, ist fortan nur noch für Rekruten mit hochspezifischen beruflichen Qualifikationen vorgesehen. Nach der zehnwöchigen Grundausbildung folgt eine vierwöchige Spezialisierung. Die Zahl der militärischen Hauptberufe wurde von 46 auf 19 praxisrelevante Ausbildungsberufe reduziert. In Kooperation mit Zentren für lebenslanges Lernen (KDBM) können die Soldaten zudem zertifizierte zivile Qualifikationen erwerben, beispielsweise als Maschinenführer, Rettungstaucher, Drohnenpilot oder im Bereich der Cybersicherheit.
Finanzielle Aufwertung und verbesserte Lebensbedingungen
Ein wesentliches Element der “Agenda 2030” ist die deutliche finanzielle Besserstellung der Wehrpflichtigen. Die monatliche Vergütung, die zuvor bei marginalen 8,80 Euro lag, wurde massiv angehoben. Soldaten, die ihren Dienst in den Grenzregionen (Thrakien und östliche Ägäis) verrichten, erhalten nun 100 Euro monatlich. Diejenigen, die im Landesinneren stationiert sind, bekommen 50 Euro. Für Rekruten aus kinderreichen Familien steigt der Betrag von 35 Euro auf 150 Euro. Noch deutlicher fallen die Erhöhungen für Wehrpflichtige mit eigenen Kindern aus: Sie erhalten 150 Euro für ein Kind, 200 Euro für zwei Kinder und einen Zuschlag von 50 Euro für jedes weitere Kind. Vollwaisen erhalten künftig 200 Euro anstelle der bisherigen 100 Euro.
Parallel zur finanziellen Aufwertung wurde auch die Verpflegung der Truppe grundlegend reformiert. Der Tagessatz für die Essensrationen wurde von 4,50 Euro auf 6,40 Euro erhöht. Der neue Verpflegungsplan orientiert sich streng an modernen ernährungswissenschaftlichen Standards und dem tatsächlichen täglichen Kalorienbedarf der Soldaten.
Er bietet zudem die Möglichkeit, individualisierte Portionen bereitzustellen, und wird landesweit in allen Ausbildungszentren einheitlich umgesetzt. Nach Abschluss ihrer Ausbildung werden etwa 70 Prozent der Rekruten vorrangig in operativen Einheiten in Thrakien und der östlichen Ägäis stationiert. Nach sechs Dienstmonaten besteht die Möglichkeit auf eine reguläre Versetzung, die durch ein Punktesystem geregelt wird, welches persönliche Fähigkeiten, Qualifikationen und den Heimatort berücksichtigt.