Griechenland – Der griechische Telekommunikationsmarkt präsentiert sich gegenwärtig als ein Sektor der extremen Kontraste, in dem zwei elementare technologische Entwicklungen in völlig unterschiedlichen Geschwindigkeiten voranschreiten. Während das Land beim Ausbau und der Leistungsfähigkeit des modernen 5G-Mobilfunknetzes weltweite Spitzenpositionen einnimmt, vollzieht sich die unabdingbare Modernisierung des festnetzbasierten Internets nur äußerst schleppend.
Aktuelle Branchendaten für die Jahre 2025 und 2026 belegen, dass der Übergang zu leistungsstarken Glasfaserinfrastrukturen und die damit verbundene Stilllegung der veralteten Kupferkabelnetze weit hinter den europäischen Zielen zurückbleiben. Obwohl die jährlichen Wachstumsraten bei den neuen Glasfaseranschlüssen beachtlich sind, verharrt Griechenland bei der absoluten Netzabdeckung auf den hintersten Plätzen der europäischen Rangliste.
Diese zweigleisige Entwicklung offenbart fundamentale strukturelle und regulatorische Herausforderungen. Den zuständigen nationalen Behörden fehlen derzeit die rechtlichen Instrumente, um den Telekommunikationsanbietern verbindliche Fristen für den technologischen Umbruch vorzuschreiben. Somit obliegt die Initiative für den teuren und zeitaufwendigen Festnetzausbau ausschließlich den privaten Marktteilnehmern, was zu einer anhaltenden Übergangsphase führt, in der hochmoderne mobile Datenübertragung auf eine veraltete physische Leitungsinfrastruktur trifft.
Der verzögerte Abschied von der veralteten Kupferinfrastruktur
Griechenland befindet sich laut dem FTTH Council Europe hinsichtlich der Abschaltung der alten Kupfernetze in einer Phase, die als “closure started” definiert wird. Dies bedeutet, dass der Prozess der schrittweisen Stilllegung der veralteten Infrastrukturen offiziell begonnen hat.
In bestimmten Gebieten werden bereits keine neuen Aufträge für kupferbasierte Leitungen mehr angenommen, während sich der Ausbau neuer Netze primär auf die Glasfasertechnologie stützt. Trotz dieses institutionellen und technologischen Kurswechsels wurde bisher kein konkretes Zieldatum für die vollständige Abschaffung des Kupfers im Land kommuniziert.
Die offiziellen Zahlen verdeutlichen den massiven Nachholbedarf. Der Anteil der aktiven, auf Glasfaser basierenden Leitungen liegt in Griechenland bei lediglich 17 Prozent. Obwohl dies eine signifikante Verbesserung darstellt und einem Anstieg von 13 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht, belegt das Land weiterhin die unteren Ränge der europäischen Statistik.
Zum Vergleich: Der europäische Durchschnitt bei den aktiven Leitungen der historischen Anbieter, die mittlerweile auf Glasfasernetzen basieren, liegt bereits bei 62 Prozent. Noch eklatanter ist der Rückstand gegenüber Vorreitern wie Norwegen und Spanien, in denen der technologische Übergang bereits zu 100 Prozent abgeschlossen ist.
Regulatorische Hürden und der europäische Vergleich beim Glasfaserausbau
Die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre besteht in der drastischen Beschleunigung des Ausbaus von FTTH-Netzen (Fiber to the Home), um die Durchdringung mit Glasfaser zu erhöhen und die technischen Voraussetzungen für eine endgültige Abkehr vom Kupfer zu schaffen. Ein kritischer Punkt bleibt dabei die mangelnde Transparenz bei der Planung dieses Übergangs. Im direkten Gegensatz zu Staaten wie Frankreich, Dänemark oder Luxemburg, die klare Abschlussdaten für den Zeitraum bis 2030 formuliert haben, existiert in Griechenland kein veröffentlichtes, offizielles Ziel.
Das aktuelle regulatorische Rahmenwerk verbietet es der nationalen Regulierungsbehörde, verbindliche Zeitpläne zu diktieren, wodurch die Verantwortung allein beim primären Netzbetreiber verbleibt. Auf europäischer Ebene hat bislang keine Aufsichtsbehörde eine zwingende Frist für die Kupferabschaltung verhängt, jedoch haben in anderen Ländern zahlreiche Provider freiwillige Zeitpläne vorgelegt.
In diesem komplexen Umfeld könnte der auf europäischer Ebene vorgeschlagene Gesetzakt über digitale Netze (Digital Networks Act) eine entscheidende Rolle spielen. Dieses Gesetzeswerk könnte neue regulatorische Werkzeuge und finanzielle Anreize bieten, um den vollständigen Wechsel zu Glasfasernetzen europaweit und insbesondere in Nachzüglerstaaten zu beschleunigen.
Globale Spitzenleistungen und Rekordgeschwindigkeiten im 5G-Netz
Ein völlig anderes Bild zeigt sich im Bereich der mobilen Datenübertragung. Griechenland verzeichnet außergewöhnliche Fortschritte bei der Entwicklung von 5G-Standalone-Netzen (SA), einer Architektur, die völlig unabhängig von der älteren 4G-Infrastruktur operiert. Analysen von Ookla und Omdia für das Jahr 2026 bestätigen, dass das Unternehmen Cosmote bei diesen Investitionen eine führende Rolle einnimmt.
Die positiven Auswirkungen dieser neuen Architektur spiegeln sich deutlich in den gemessenen Leistungswerten wider. Im vierten Quartal 2025 erreichte die mittlere Download-Geschwindigkeit im 5G SA-Netz beeindruckende 489,24 Megabit pro Sekunde (Mbps). Dies entspricht nahezu einer Verdreifachung im Vergleich zu den 162,53 Mbps, die in den Non-Standalone-Netzen (NSA) gemessen wurden.
Auch bei den Upload-Geschwindigkeiten zeigt sich ein signifikant verbessertes Bild: Das 5G SA-Netz erreicht hier 23,98 Mbps, während das NSA-Netz bei 18,37 Mbps liegt. Gleichzeitig reduzierte sich die Reaktionszeit (Latenz) von 38 Millisekunden auf 35 Millisekunden. Die intensive Nutzung des Frequenzspektrums bei 3,5 Gigahertz trägt maßgeblich zu diesen Spitzenwerten bei und sichert Griechenland eine äußerst wettbewerbsfähige Position auf der europäischen Telekommunikationslandkarte.
Die Durchdringung dieser Spitzentechnologie beschleunigt sich rasant: Der Anteil der 5G SA-Stichproben hat sich innerhalb eines einzigen Jahres von 1,9 Prozent im Jahr 2024 auf 3,9 Prozent im Jahr 2025 verdoppelt. Diese dynamische Entwicklung reiht Griechenland unter die europäischen Märkte mit der höchsten Adoptionsrate der autonomen 5G-Architektur ein, und das in einer Phase, in der Europa in Bezug auf absolute Geschwindigkeiten noch hinter anderen globalen Regionen zurückliegt.