Griechenland – Vor dem Hintergrund einer besonders ungewissen Urlaubssaison richtet das Ministerium für Tourismus den Fokus auf eine bisher weniger beachtete Seite des Landes. Mit einem alternativen Plan für die nationale Wirtschaft und den Reisesektor rückt die griechische Regierung nun die Bergregionen in den Mittelpunkt. Am Montag, dem 6. April, präsentierte Tourismusministerin Olga Kefalogianni offiziell eine neue nationale Kampagne. Diese strategische Ausrichtung soll einen erheblichen Teil des Marktes vom traditionellen Modell des Sommerurlaubs am Strand in die höher gelegenen Gebiete verlagern und somit die Ankunftszahlen stabilisieren.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Neue Kampagne bewirbt das bergige Griechenland als ganzjähriges Reiseziel.
- Geopolitische Unsicherheiten und Inflation erzwingen eine Anpassung der Tourismusstrategie.
- Skigebiete und Berghütten sollen zu Infrastrukturen für zwölf Monate ausgebaut werden.
- Gezielte Förderung von Regionen wie Drama, Pieria, Kavala, Konitsa und Meteora.
- Alte Industriegebäude und Mühlen sollen zu Museen und Food-Hallen umgewandelt werden.
Ursachen für den strategischen Wechsel im Reisesektor
Die Entscheidung für diesen Kurswechsel basiert auf tiefgreifenden Veränderungen im europäischen Reisemarkt. Geopolitische Instabilität, eine anhaltende Inflation und der wachsende Druck auf das verfügbare Einkommen der europäischen Haushalte verändern die touristische Landkarte maßgeblich. Urlauber wählen ihre Reiseziele zunehmend akribischer aus. Dabei vergleichen sie nicht mehr nur den Ort und die grundlegenden Dienstleistungen, sondern bewerten die gesamte Reiseerfahrung.
In diesem veränderten internationalen Umfeld richten Reisende ihren Fokus verstärkt auf Ziele mit einer authentischen Identität. Das Tourismusministerium reagiert mit der neuen Kampagne direkt auf dieses veränderte Konsumverhalten, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu sichern. Die Investition in das bergige Griechenland stellt laut den Behörden einen essenziellen strategischen Schritt dar. Ein bisher eher ergänzendes Angebot soll sich so in ein vollwertiges und eigenständiges touristisches Narrativ verwandeln, das über alle zwölf Monate des Jahres hinweg Bestand hat.
Die neue Kampagne für das bergige Griechenland
Um dieser drohenden touristischen Stagnation aktiv entgegenzutreten, trägt die neue Kommunikationskampagne den Titel “Bergiges Griechenland. Bringt dich hoch hinaus. Das ganze Jahr über”. Die Ministerin Olga Kefalogianni betonte bei der Vorstellung, dass sich moderne Besucher Orten zuwenden, “die erlebnisorientierte Erfahrungen und eine tiefere Verbindung zur Natur und zum lokalen Leben bieten”. Ziel ist es, die Vielschichtigkeit der Erfahrungen in den Bergen hervorzuheben, die Natur, Wellness, Kultur und Gastronomie miteinander verbinden.
Diese Neuausrichtung zielt insbesondere auf die Sommersaison ab, die im Bergland bislang weitgehend ungenutzt blieb. “Über ein reines Reiseziel hinaus präsentiert sich das bergige Griechenland als ein Ort der Erhebung, der revitalisiert und den Reisenden der Natur sowie sich selbst näherbringt”, erklärte Olga Kefalogianni. Die Erhebung beschreibe dabei nicht primär die physische Aktivität oder die Höhenmeter. Vielmehr stehe der Begriff für den Zustand, den der Reisende erfährt, wenn er mit der Landschaft, der historischen Gemeinschaft und der Tradition in Kontakt tritt.
Ausbau der Infrastruktur und Förderung neuer Ziele
Die Umsetzung der Kampagne erfolgt über eine breite mediale Streuung. Neben dem Fernsehen kommen digitale Plattformen und zielgruppenspezifische Inhalte zum Einsatz, um unterschiedliche Facetten der Bergwelt zu beleuchten. Den Auftakt bildet ein groß angelegter Fernsehspot. Im Zentrum der praktischen Umsetzung steht die Transformation der bestehenden Wintersportzentren. Griechische Skigebiete sollen zu Infrastrukturen weiterentwickelt werden, die einen durchgehenden Betrieb ermöglichen. Parallel dazu rücken Berghütten und touristische Unterkünfte in bisher weniger bekannten Bergregionen in den Fokus der Vermarktung.
Das Ministerium prüft zudem umfangreiche Anträge von Tourismusverbänden und Hotelvereinigungen zur gezielten Entwicklung spezifischer Standorte. Im Mittelpunkt stehen dabei Regionen in Nord- und Zentralgriechenland. Orte wie Drama, die Präfektur Pieria, Kavala sowie Konitsa und die umliegenden kleinen Bergdörfer des Festlandes sollen gefördert werden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Region Meteora. Obwohl dieses Gebiet ein enormes Potenzial für spezialisierte Angebote vom Luxustourismus bis hin zu Filmproduktionen aufweist, mangelt es derzeit an der notwendigen Infrastruktur und einem strukturierten Marketingkonzept.
Verbindung von Kultur, Gastronomie und historischem Erbe
Die Regierungspläne sehen eine weitreichende Vernetzung der touristischen Angebote vor. Der Winter- und Bergtourismus soll eng mit kulturellen Veranstaltungen und dem MICE-Sektor (Meetings, Incentives, Conferences, and Exhibitions) verzahnt werden. Geplant ist die Ausarbeitung von Bildungs- und Erlebnisaktivitäten, die gezielt auf die Bedürfnisse anspruchsvoller Urlauber zugeschnitten sind. Dazu gehört die Verknüpfung von kulturellen Routen mit gastronomischen Verkostungen, der Ausbau des Ökotourismus, sowie Angebote in den Bereichen Wellness, Abenteuer- und Sporttourismus.
Ein weiterer zentraler Pfeiler der neuen Strategie ist die Revitalisierung ungenutzter Bausubstanz. Die zuständigen Stellen prüfen die kommerzielle und touristische Nutzung von alten Industriegebäuden, historischen Herrenhäusern sowie verlassenen Mühlen und Olivenpressen. Auch alte Lagerhäuser sollen in dieses Konzept integriert werden. Ziel ist die Schaffung spezieller Museen oder halboffener Marktplätze. Zudem sollen moderne Food-Hallen entstehen, in denen ausschließlich zertifizierte lokale Produkte aus den jeweiligen Bergregionen angeboten werden, um die regionale Wirtschaft nachhaltig zu stärken.