Griechenland – Angesichts der massiven Energiekrise und explodierender Ölpreise infolge des Golfkrieges ergreifen immer mehr europäische Regierungen drastische Maßnahmen. Ohne auf eine koordinierte Entscheidung der Europäischen Kommission zu warten, senken mehrere Mitgliedsstaaten eigenmächtig die nationalen Steuern auf Kraftstoffe, um Privathaushalte und Unternehmen wirtschaftlich zu entlasten.
Während der Preis für die Nordseesorte Brent die kritische Marke von 110 US-Dollar pro Barrel überschritten hat, wählt die Regierung in Athen einen anderen Weg. Eine einseitige und horizontale Senkung der Kraftstoffsteuern ist in Griechenland vorerst nicht vorgesehen, solange keine gemeinsame europäische Flexibilitätsklausel aktiviert wird. Stattdessen bereiten die zuständigen Ministerien ein gezieltes staatliches Hilfspaket vor.
Alleingänge in Europa: So senken EU-Staaten die Steuern
Die europäische Landschaft präsentiert sich derzeit äußerst uneinheitlich, da verschiedene Hauptstädte mit sofortigen Steuersenkungen auf Benzin, Diesel und Strom reagieren. In Spanien kündigte Ministerpräsident Pedro Sánchez nach einer Dringlichkeitssitzung des Kabinetts ein umfassendes Paket mit 80 Maßnahmen zur Unterstützung vulnerabler Haushalte an. Ab sofort sinkt dort die Umsatzsteuer auf Elektrizität von 21 auf 10 Prozent, während die Mehrwertsteuer auf Erdgas und Kraftstoffe reduziert wird, was die Preise an den Zapfsäulen um bis zu 30 Cent pro Liter drücken soll.
Die Steuersenkung auf Strom beträgt laut den spanischen Plänen bis zu 60 Prozent. Auch Italien greift massiv ein und reduziert die Steuerlast auf Benzin temporär um 25 Cent sowie auf Autogas um 19 Cent pro Liter. Begleitet werden diese Schritte in Rom von strengen Kontrollen der Wettbewerbsbehörde gegen Preistreiberei und gezielten Subventionen für Transportunternehmen.
Österreich setzt derweil auf eine temporäre Steuersenkung von etwa fünf Cent pro Liter auf Benzin und Diesel, kombiniert mit einer staatlich verordneten Gewinnmarge für Tankstellenbetreiber, was den Endpreis um rund zehn Cent senken soll. Portugal hat zudem einen automatischen Anpassungsmechanismus aktiviert, der die Steuerbelastung proportional senkt, sobald die internationalen Ölpreise ansteigen. Ziel der portugiesischen Regierung ist es, den Markt zu stabilisieren und die Inflation einzudämmen, ohne das Staatsbudget übermäßig zu strapazieren.
Athens Strategie: Keine Alleingänge ohne EU-Beschluss
Im Gegensatz zu diesen nationalen Alleingängen hält die griechische Regierung an einer abwartenden Strategie auf europäischer Ebene fest. Athen schließt eine einseitige Senkung der Verbrauchssteuern auf Kraftstoffe kategorisch aus, es sei denn, es kommt zu einem gemeinschaftlichen Beschluss der Europäischen Union. Die griechische Administration pocht auf die rechtzeitige Aktivierung einer speziellen Flexibilitätsklausel für Energiekosten durch die Brüsseler Kommission.
Nur ein solches Instrument würde es den Mitgliedsstaaten rechtlich und ökonomisch erlauben, zusätzliche finanzielle Interventionen vorzunehmen, ohne die strengen fiskalischen Ziele und die nationalen Defizitvorgaben zu verletzen. Solange dieser europäische Konsens fehlt, setzt Griechenland auf den direkten Schutz der heimischen Lieferketten und der Verbraucher durch ein Bündel an fokussierten Subventionen.
Gezielte Staatshilfen: Fuel Pass und Diesel-Subvention
Da die Notierungen für Rohöl auf den internationalen Märkten weiterhin auf einem extrem hohen Niveau verharren, finalisiert die Regierung in Athen ein konkretes Maßnahmenpaket. Im Fokus stehen dabei die Abfederung der Transportkosten und die Stabilisierung der Lebensmittelpreise. Folgende staatliche Interventionen sind laut den aktuellen Planungen vorgesehen:
- Die Einführung einer horizontalen Subvention für Dieselkraftstoff direkt an der Zapfsäule, basierend auf dem bereits im Jahr 2022 angewandten Modell. Ziel ist es, den Dieselpreis künstlich unter der Schwelle von zwei Euro pro Liter zu halten, um zu verhindern, dass die erhöhten Transportkosten auf die Supermarktpreise umgelegt werden, wobei voraussichtlich auch eine Sonderregelung für Landwirte integriert wird.
- Die Neuauflage des sogenannten “Fuel Pass”, der Autofahrern und Motorradfahrern für einen begrenzten Zeitraum finanzielle Unterstützung bietet. Diese Beihilfe ist an strenge Einkommenskriterien geknüpft und belief sich in der Vergangenheit auf staatliche Zuschüsse zwischen 45 und 100 Euro, abhängig vom Fahrzeugtyp und dem geografischen Wohnort.
- Ein automatischer Interventionsmechanismus für Stromrechnungen, der aktiviert wird, falls der hohe Ölpreis die Großhandelspreise für Elektrizität mit in die Höhe zieht. In diesem Fall wird der Staat eine direkte Subvention pro verbrauchter Kilowattstunde gewähren, um den massiven Preisschock für die privaten Haushalte abzufangen.