Griechenland – Der Countdown für die vollständige Inbetriebnahme der Autobahn E65 läuft. Nach einer aktuellen bautechnischen Inspektion durch den Minister für Infrastruktur und Verkehr, Christos Dimas, beläuft sich der Baufortschritt des nördlichen Teilstücks auf 93 Prozent. Die offizielle Verkehrsfreigabe der verbleibenden 46 Kilometer, die von Kalambaka bis Kipourio in der Region Grevena reichen, ist für den kommenden Juni angesetzt.
Mit der Fertigstellung dieses letzten Abschnitts wird die nationale Nord-Süd-Achse PATHE (Patras-Athen-Thessaloniki-Evzoni) direkt mit der ost-westlich verlaufenden Egnatia Odos verbunden. Das gesamte Infrastrukturprojekt erstreckt sich über eine komplett neu trassierte Länge von 182 Kilometern und verknüpft künftig das östliche mit dem westlichen Griechenland.
Die Autobahn verfügt in beiden Fahrtrichtungen über jeweils zwei Fahrspuren sowie einen durchgehenden Standstreifen. Bereits seit 2017 ist der mittlere Abschnitt zwischen Xyniada und Trikala in Betrieb. Im April 2024 folgten die südliche Verbindung von Lamia nach Xyniada sowie das erste nördliche Teilstück von Trikala nach Kalambaka.
Topografische Herausforderungen und logistische Bedeutung
Der im Bau befindliche Nordabschnitt gilt aufgrund des steilen und bergigen Reliefs der Region als das anspruchsvollste Teilstück des gesamten Straßenbauprojekts. Die Trassenführung erfordert die Errichtung zahlreicher Brücken und Tunnel, um die massiven topografischen Hindernisse zu überwinden. Zusätzlich entstehen neue Autobahnkreuze, die den direkten Zugang zur Autobahn für die angrenzenden Gebiete von Trikala und Grevena gewährleisten. Finanziert wird dieser komplexe nördliche Streckenabschnitt durch Mittel aus der europäischen Aufbau- und Resilienzfazilität in Höhe von 452 Millionen Euro.
Die Fertigstellung der E65 hat eine weitreichende strategische Relevanz für das griechische Festland, da sie Mittelgriechenland und Thessalien sicher mit Westmakedonien und Epirus verbindet. Darüber hinaus optimiert die neue Route die internationale logistische Anbindung erheblich. Sie schafft eine direkte Brücke zwischen dem Hafen von Igoumenitsa am Ionischen Meer und dem Hafen von Volos an der Ägäis. Gleichzeitig verkürzt die neue Trasse die Fahrtzeit vom zentralen Hafen in Piräus in Richtung des westlichen Balkans um rund zwei Stunden, was den internationalen Güterverkehr massiv beschleunigen wird.
Neue Reisezeiten und erhöhte Verkehrssicherheit
Für den regulären Pkw-Verkehr bringt die Autobahn signifikante Verbesserungen, insbesondere durch die Umgehung der als äußerst gefährlich geltenden Kurven bei Domokos. Bereits jetzt hat sich die Fahrzeit in die Städte Trikala und Karditsa durch die fertigen Teilstücke um mehr als 30 Minuten verringert. Mit der bevorstehenden Freigabe der letzten 46 Kilometer werden sich die Reisezeiten im gesamten Netz drastisch reduzieren. Die direkte Verbindung von Lamia zur Egnatia Odos wird künftig in einer Stunde und 45 Minuten bewältigt, was einer Einsparung von exakt anderthalb Stunden gegenüber der bisherigen Route entspricht.
Ab der Hauptstadt Athen ergeben sich nach dem vollständigen Lückenschluss folgende kalkulierte Fahrzeiten zu den zentralen Zielen:
- Athen – Karditsa: 2 Stunden und 35 Minuten
- Athen – Trikala: Unter 3 Stunden
- Athen – Karpenisi: 3 Stunden
- Athen – Grevena: 4 Stunden
- Athen – Metsovo: 4 Stunden
- Athen – Kozani: 4 Stunden und 30 Minuten
- Athen – Kastoria: 4 Stunden und 35 Minuten