Thessaloniki – Die 31. Internationale Fachmesse für Landmaschinen, Ausrüstung und Zubehör, kurz Agrotica, steht unmittelbar vor ihrer Eröffnung in Nordgriechenland. Die Veranstalter melden für die diesjährige Ausgabe, die vom 12. bis zum 15. März stattfindet, vollständig ausgebuchte Ausstellungsflächen. Die traditionsreiche Messe, deren Erstauflage auf das Jahr 1985 zurückgeht, rechnet in den kommenden Tagen mit einem massiven Zustrom von über 100.000 Fachbesuchern aus dem In- und Ausland. Die offizielle Eröffnungszeremonie ist für Donnerstagabend um 19:00 Uhr angesetzt und wird vom griechischen Minister für ländliche Entwicklung und Ernährung, Konstantinos Tsiaras, geleitet.
Die Messegesellschaft TIF-Helexpo stuft die Agrotica als eine ihrer strategisch wichtigsten Jahresveranstaltungen ein. Der Präsident der Gesellschaft, Christos Tsentemeidis, betonte auf einer Pressekonferenz die zentrale Bedeutung der Messe für den gesamten primären Sektor des Landes. Die anhaltende Resonanz der Ausstellung basiere maßgeblich auf der engen Zusammenarbeit mit den griechischen Landwirten sowie den zentralen Branchenverbänden wie EKAGEM, SEAM, SPEL, SEVL und ETHEAS, gepaart mit der Unterstützung des zuständigen Landwirtschaftsministeriums.
Starkes internationales Interesse und Fokus auf Technologie
Ein bemerkenswerter Aspekt der aktuellen Messeplanung ist der signifikante Anstieg der internationalen Beteiligung. Der Geschäftsführer der TIF-Helexpo, Andreas Mavrommatis, ordnet die Agrotica als eine der drei führenden Agrarmessen im südosteuropäischen Raum ein. Für die laufende Ausgabe verzeichnen die Organisatoren 1.520 Aussteller aus insgesamt 42 Nationen, die eine Gesamtfläche von 38.000 Quadratmetern belegen. Im direkten Vergleich zur Veranstaltung im Jahr 2024 stieg die Zahl der internationalen Aussteller um 49 Prozent. Konkret präsentieren sich 52 ausländische Teilnehmer aus 17 Ländern, die alle fünf Kontinente repräsentieren.
Inhaltlich liegt der technologische Schwerpunkt der Ausstellung auf Konzepten der intelligenten Landwirtschaft und digitalen Anwendungen. Ziel ist es, dem Agrarsektor, der rund vier Prozent zum nationalen Bruttoinlandsprodukt beiträgt, modernste Lösungsansätze aufzuzeigen.
Zu den begleitenden Höhepunkten zählt der 11. Panhellenische Kongress für landwirtschaftliche Innovation, der in Kooperation mit der landwirtschaftlichen Fakultät anlässlich ihres hundertjährigen Bestehens ausgerichtet wird. Ergänzend dazu präsentiert das Institut für Bioökonomie und Agrartechnologie des Nationalen Zentrums für Forschung und technologische Entwicklung (EKETA) in Halle 11 aktuelle Forschungsergebnisse an der Schnittstelle von Bioökonomie, Energie und digitaler Landwirtschaft.
Zur Förderung grenzüberschreitender Geschäftskontakte wurde zudem ein spezielles Programm für internationale Einkäufer initiiert, das 33 geladene Gäste sowie eine organisierte Delegation von 500 Branchenexperten aus den Balkanstaaten umfasst. B2B-Treffen werden in Zusammenarbeit mit dem Verband der griechischen Industrie und dem Enterprise Europe Network koordiniert. Der Generaldirektor Alexis Tsaxirlis bestätigte die vollständige Belegung aller Hallen, Etagen und Zwischengeschosse.
Investitionsstau und bürokratische Hürden belasten Landwirte
Trotz der optimistischen Messezahlen sieht sich die griechische Landwirtschaft mit erheblichen strukturellen Problemen konfrontiert. Christodoulos Bozatizidis, Vizepräsident des Verbandes der Importeure von Landmaschinen (SEAM), dessen 40 Mitglieder über 40 Prozent der Ausstellungsfläche belegen, wies auf den massiven Modernisierungsbedarf hin. Der griechische Fuhrpark an landwirtschaftlichen Maschinen gelte als einer der ältesten innerhalb der Europäischen Union, mit einem Durchschnittsalter von 20 Jahren.
Dieser Umstand führe nicht nur zu Wettbewerbsnachteilen, sondern auch zu Emissionen, die die Werte moderner Maschinen um das Zwanzigfache übersteigen. Für das laufende Jahr rechnet der Verband mit dem Verkauf von über 2.400 neuen Traktoren, ein deutlicher Rückgang gegenüber Spitzenjahren, in denen bis zu 4.000 Einheiten abgesetzt wurden. Bozatizidis kritisierte die aktuellen staatlichen Subventionsprogramme als unzureichend, da die Anschaffungskosten für neue Maschinen im Vergleich zu 2018 um 50 bis 80 Prozent gestiegen seien.
Auch die Dünge- und Pflanzenschutzmittelindustrie steht unter Druck. Konstantinos Oreopoulos, Vizepräsident des entsprechenden Branchenverbandes (SPEL), berichtete von einem Rückgang des Düngemittelverbrauchs im Jahr 2025 um sechs Prozent auf 825.000 Tonnen. Der Gesamtmarkt für landwirtschaftliche Betriebsmittel nähere sich dennoch einem Volumen von einer Milliarde Euro. Oreopoulos verwies auf die massiv gestiegenen Energiekosten, die sich direkt auf die Preise auswirken, und prognostizierte keine baldige Entspannung aufgrund der anhaltenden internationalen Krisen.
Die Präsidentin des Verbandes der griechischen Landmaschinenhersteller (EKAGEM), Dimitra Emmanouilidou, bezeichnete die aktuelle Phase als kritisch für die Zukunft des Sektors. Extreme Wetterereignisse, explodierende Produktionskosten und instabile Marktpreise setzten den Landwirten stark zu. Sie forderte die Regierung auf, die Agrotica als Plattform für einen direkten Dialog zu nutzen.
Zu den drängendsten Forderungen zählen die Beschleunigung staatlicher Förderprogramme, die drastische Vereinfachung bürokratischer Prozesse sowie die Einführung moderner Risikomanagementinstrumente. Emmanouilidou kritisierte insbesondere die schleppende Bearbeitung von Förderanträgen, die teilweise drei Jahre in Anspruch nehme, und betonte die Notwendigkeit zeitnaher Auszahlungen, um die dringend erforderliche Modernisierung der Betriebe zu ermöglichen.