Griechenland – Das orthodoxe Osterfest in Griechenland zeichnet sich durch eine Vielzahl lokaler Traditionen aus, die jedes Jahr auf den Inseln des Landes streng befolgt werden. Von venezianischen Einflüssen im Ionischen Meer bis hin zu feurigen Ritualen in der Ägäis bieten diese historischen Bräuche während der Karwoche und an den Feiertagen tief verwurzelte, kulturelle Erlebnisse fernab des klassischen Tourismus.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Korfu verbindet orthodoxe Bräuche mit venezianischer Musik-Kultur.
- Auf Chios findet ein historischer Raketenkrieg statt.
- Die Insel Patmos bietet eine rituelle Fußwaschung im Freien.
- Folegandros feiert eine mehrtägige Ikonen-Prozession durch alle Häuser.
- Andros nutzt traditionelle gusseiserne Kanonen für die Feierlichkeiten.
Tonkrüge und Raketen auf Korfu und Chios
Auf der Insel Korfu gipfeln die Feierlichkeiten am Morgen des Karsamstags in einem der bekanntesten Osterbräuche des Landes. Nach der ersten Auferstehungsprozession werfen die Bewohner unzählige rote Tonkrüge, die sogenannten Botides, von den Balkonen der Spianada herab. Begleitet wird das Wochenende von philharmonischen Orchestern, die am Karfreitag klassische Werke von Albinoni, Verdi und Chopin spielen. Am Morgen danach folgt zudem die feierliche Prozession der Reliquien des Heiligen Spyridon durch die Altstadt.
Ein völlig anderes Bild bietet sich auf Chios, wo der historische Raketenkrieg im Ort Vrontados ausgetragen wird. Das Ritual, dessen Wurzeln bis in die Zeit der osmanischen Herrschaft zurückreichen, findet traditionell in der Nacht auf Ostersonntag statt. Dabei beschießen sich die Anhänger der beiden Kirchengemeinden Agios Markos und Panagia Erithiani gegenseitig mit selbstgebauten Raketen. Ein ruhigeres Erlebnis bietet das mittelalterliche Dorf Mesta, wo ein Judas-Bildnis verbrannt wird und der Epitaph durch die engen Gassen getragen wird.
Klösterliche Strenge auf Patmos und Skiathos
Auf Patmos steht die Karwoche ganz im Zeichen der religiösen Hingabe. Am Morgen des Gründonnerstags findet in der mit Lorbeer und Lavendel geschmückten Inselhauptstadt Chora die feierliche Zeremonie der Fußwaschung sowie eine Darstellung des Letzten Abendmahls statt. Die nächtliche Auferstehungsfeier im Kloster des Heiligen Johannes zieht enorme Menschenmassen an, während im Frauenkloster Evangelismos die Zeremonie ausschließlich mit den Gesängen der Nonnen und ohne Feuerwerk begangen wird.
Auch die Insel Skiathos folgt einem besonders strengen Ritus, der sich an den jahrhundertealten Traditionen des Berges Athos orientiert. Die Prozession des Epitaphs beginnt hier erst um 1 Uhr nachts und führt nicht vor 4 Uhr morgens durch die Gassen der Hauptstadt. Eine Ausnahme bildet das Kloster Evangelistria, wo die Feierlichkeiten zeitlich vorgezogen werden. Am Ostermontag werden nach dem Morgengottesdienst traditionelle Pferderennen rund um den See Agios Georgios veranstaltet.
Lokale Bräuche von Rhodos bis Spetses
Auf Rhodos wird bereits am Gründonnerstag das sogenannte Kalafounos-Feuer entzündet. Dieses muss ununterbrochen bis zur Auferstehung brennen, um schließlich das Bildnis des Judas in den Flammen zu vernichten. Der größte Epitaph der Insel wird traditionell auf dem städtischen Friedhof geschmückt. Am Morgen des Karsamstags schlagen die Gläubigen in den Kirchen lautstark auf die Kirchenbänke, um den Zusammenbruch der Unterwelt akustisch darzustellen.
Auf Spetses beginnen die Vorbereitungen mit dem obligatorischen Weißen der Höfe und Gassen. Am Abend des Karfreitags treffen die Epitaphe aller Kirchengemeinden auf dem zentralen Poseidonion-Platz zusammen. Die Auferstehung wird im Frauenkloster Agion Panton in völliger Stille und ohne Pyrotechnik gefeiert. Am Nachmittag des Ostersonntags folgt schließlich die spektakuläre Verbrennung des Judas im Ortsteil Kounoupitsa.
Kykladen-Ostern: Andros, Tinos, Paros und Folegandros
Auf der Kykladeninsel Andros prägen alte gusseiserne Kanonen, die Maskoula, das Fest. Diese werden mit Schießpulver gefüllt und am Morgen des Ostersonntags auf dem Platz des Unbekannten Matrosen abgefeuert. Ein kulinarisches Alleinstellungsmerkmal der Insel ist der Lampriatis, ein gefülltes Lamm, das für 8 bis 10 Stunden langsam im Holzofen gart. Auf der Nachbarinsel Tinos wird der Epitaph der Kirche Agios Nikolaos von Fackelträgern direkt in das Meerwasser getragen.
In Marpissa auf Paros inszenieren Jugendliche und Kinder während der Karfreitagsprozession eindrucksvolle Stationen aus dem Leben Christi, darunter die Auferstehung des Lazarus und die Kreuzigung. Auf Folegandros wiederum zieht eine besondere Ikonen-Prozession bis zum Dienstag nach Ostern über die gesamte Insel. Dabei öffnet jeder Haushalt seine Türen, um die Ikone der Jungfrau Maria zu empfangen und die Begleiter mit Wein, Raki und lokalen Spezialitäten zu bewirten.