Griechenland – Am 6. April 2026 jährt sich der unprovozierte Angriff des Dritten Reiches auf Griechenland zum 85. Mal. Aus Anlass dieses historischen Datums hat der Nationalrat zur Einforderung der deutschen Schulden an Griechenland (ESDOGE) eine umfassende Erklärung veröffentlicht. Das Gremium erinnert an die weitreichenden historischen Konsequenzen der Invasion und formuliert deutliche Forderungen, die sich sowohl an die Bundesrepublik Deutschland als auch an die amtierende griechische Regierung richten, um die noch offenen Reparationsfragen juristisch und politisch zu klären.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der 6. April 2026 markiert den 85. Jahrestag der deutschen Invasion.
- Griechischer Nationalrat (ESDOGE) erneuert Reparationsforderungen.
- Scharfe Kritik an deutschen Geschichtsprogrammen und Stiftungen.
- Griechische Regierung wird zum juristischen Handeln aufgefordert.
- Parlamentsbeschluss vom 17. April 2019 dient als rechtliche Basis.
Der historische Widerstand und seine Folgen
Der Nationalrat betonte in seiner Mitteilung, dass der 217 Tage andauernde Abwehrkampf gegen die italienischen und deutschen Invasoren sowie die darauffolgende Nationale Widerstandsbewegung den Verlauf des Zweiten Weltkriegs maßgeblich beeinflusst hätten. Ereignisse wie das Epos von 1940, die Schlacht um die Festungen und die Luftlandeschlacht um Kreta hätten die Ehre Europas verteidigt. Laut dem Gremium war Griechenland das einzige besetzte Land, das keine Freiwilligen für die Wehrmacht an die Ostfront entsandte. Zudem habe die griechische Bevölkerung als einzige eine zivile Mobilmachung erfolgreich vereitelt, wodurch die Jugend vor der Zwangsarbeit in den Lagern des Dritten Reiches bewahrt worden sei.
Die Organisation wies darauf hin, dass die Mobilisierung von drei Millionen Menschen in zahlreichen griechischen Städten die Ausweitung der bulgarischen Besatzungszone auf die gesamte Region Makedonien verhindert habe. Der Widerstand habe zudem signifikante Truppenverbände der Achsenmächte im Land gebunden. Dieser Einsatz habe jedoch einen extrem hohen Preis gefordert. Die Bevölkerung sei dezimiert worden, während privater und öffentlicher Reichtum systematisch geplündert worden sei. Das Land habe eine vollständige Zerstörung erlitten, die jüdische Gemeinde sei ausgelöscht worden, und archäologische sowie kulturelle Schätze seien entwendet und in das Dritte Reich abtransportiert worden. Der Nationalrat bezeichnete diese Taten als ein monströses Verbrechen gegen die Menschlichkeit an der Grenze zum Völkermord, für das bis heute keine juristische Gerechtigkeit geübt worden sei.
Vorwürfe der Geschichtsklitterung an die Bundesrepublik
In seiner Stellungnahme richtete der Nationalrat scharfe Fragen an die Bundesrepublik Deutschland. Das Gremium warf die Frage auf, wie lange sich der Staat als universeller Rechtsnachfolger des Dritten Reiches weigern werde, seine stark dokumentierten und unverjährbaren Verpflichtungen gegenüber Griechenland zu erfüllen. Dabei warf die Organisation Deutschland vor, unterzeichnete internationale Verträge zu missachten.
Besonders kritisch äußerte sich der Rat über die aktuellen bilateralen Initiativen. Anstatt praktische Reue für die nationalsozialistischen Gräueltaten zu zeigen, versuche die Bundesrepublik über diverse Fonds, Stiftungen und Programme die historische Wahrheit zu verfälschen. Der Nationalrat warf diesen Institutionen vor, das Gedenken an den Nationalen Widerstand manipulieren zu wollen. Als konkretes Beispiel nannte die Organisation den Umgang mit den ikonischen Fotografien der 200 kommunistischen Patrioten, die im Athener Vorort Kaisariani hingerichtet worden waren.
Forderung nach sofortigen diplomatischen Schritten
Neben der Kritik an Deutschland adressierte der Nationalrat auch die politische Führung in Athen. Die Organisation fragte, wie lange die griechische Regierung den fortlaufenden deutschen Provokationen noch passiv zusehen wolle. Das Gremium forderte die staatlichen Behörden auf, mit der Unterstützung aller politischen Parteien eine methodische und resolute Einforderung der rechtlich aktiven und gerichtlich einklagbaren Ansprüche gegenüber Deutschland einzuleiten.
Die Organisation berief sich dabei auf eine einstimmige Entscheidung des Griechischen Parlaments vom 17. April 2019, welche die Geltendmachung dieser Forderungen offiziell anordnet. Nach Auffassung des Nationalrats stellt die Einforderung der Schulden einen Akt der Gerechtigkeit für die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen dar. Darüber hinaus fungiere sie als antifaschistische und demokratische Friedensbrücke zwischen den Völkern und sende in der heutigen Zeit ein starkes Signal für die unbedingte Einhaltung des Völkerrechts.