Griechenland – Die orthodoxe Kirche feiert am heutigen Tag den Palmsonntag, der in der griechischen kirchlichen Tradition auch als Sonntag des Lazarus oder Palmsonntagsträger bezeichnet wird. Dieser religiöse Feiertag, der exakt am Sonntag vor dem Osterfest stattfindet, markiert den offiziellen Beginn der Karwoche, die im orthodoxen Glauben als Woche der Leiden bekannt ist. Die liturgischen Feierlichkeiten beginnen am Sonntagmorgen mit der Göttlichen Liturgie des Johannes Chrysostomos. Am selben Abend wird bereits der Orthros des Karmontags abgehalten, der in der Kirche als Gottesdienst des Bräutigams zelebriert wird.
Die biblischen Ursprünge und die Anpassung der Fastenzeit
Der Palmsonntag erinnert an den triumphalen Einzug von Jesus Christus in die Stadt Jerusalem. Den Überlieferungen der Heiligen Evangelien zufolge bereiteten die Einwohner ihm einen feierlichen Empfang, indem sie Palmzweige in den Händen hielten, ihre Kleidung auf dem Boden ausbreiteten und “Hosianna, gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn” riefen. In den ersten Jahrhunderten des Christentums wurde dieses Ereignis noch gemeinsam mit der Auferstehung des Lazarus gefeiert. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde das Gedenken an Lazarus jedoch um einen Tag vorverlegt und wird seitdem am sogenannten Lazarus-Samstag abgehalten. Sowohl in der Ost- als auch in der Westkirche gilt der heutige Sonntag als eigentlicher Beginn der Heiligen Leiden.
Trotz des ursprünglich freudigen Charakters dieses Tages galt der Verzehr von Fisch, Öl und Wein in der Vergangenheit als unvereinbar mit der tiefen Heiligkeit der anstehenden Karwoche und dem damit verbundenen strengen Fasten. Im Laufe der Geschichte wurden diese Vorgaben jedoch entsprechend angepasst. Das Gedenken an den Einzug in Jerusalem wird heute mit speziellen Hymnen und einer prunkvollen Liturgie geehrt. Am Ende des Gottesdienstes erhalten die Gläubigen die “Vaia” – kleine Palm- oder Lorbeerzweige –, die zuvor während des Morgengottesdienstes von den Priestern gesegnet wurden.
Von byzantinischen Kaisern bis zu den russischen Zaren
In der frühen christlichen Epoche war es üblich, das biblische Ereignis durch reale Nachstellungen greifbar zu machen. Im 4. Jahrhundert ritt der zuständige Bischof in den Heiligen Stätten auf einem Esel vom Ölberg hinab in die Stadt Jerusalem, dicht umgeben vom Klerus und Gläubigen, die Palmzweige trugen. Während der byzantinischen Ära entwickelte sich daraus der “Spaziergang des Kaisers”. Diese opulente Prozession begann an den kaiserlichen Palästen und endete in der Hagia Sophia. Der byzantinische Kaiser führte den Zug an und hielt eine Ikone Christi, flankiert von hohen Geistlichen. Ein ranghoher Kirchensänger stimmte dabei die feierlichen Gesänge an.
Historischen Aufzeichnungen des Kanonisten Theodoros Balsamon zufolge verteilte der Kaiser am Ende dieser byzantinischen Zeremonie eigenhändig Palmzweige und Kreuze an das Volk, während der Patriarch Kerzen für die Karwoche ausgab. Dieser herrschaftliche Brauch wurde später mit großer Ehrfurcht von den russischen Zaren übernommen, die, gefolgt vom Klerus, eine Prozession vom Kreml zur Metropolitankirche durchführten. Im modernen Griechenland beschränkt sich die Tradition heute ausschließlich auf die Verteilung der gesegneten Zweige durch die Geistlichen in den orthodoxen Kirchen. Im Gegensatz dazu existierte im Mittelalter in der Westkirche der Brauch, einen echten Esel, der eine Jesusfigur trug, durch das Innere der Kirche zu führen.