Griechenland – Die legendäre griechische Sängerin Marinella ist am 28. März 2026 im Alter von 87 Jahren in ihrem Zuhause verstorben. Die Künstlerin erlag den Folgen eines schweren Schlaganfalls, den sie rund eineinhalb Jahre zuvor während eines Konzerts erlitten hatte.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Sängerin verstarb am 28. März 2026 um 18:00 Uhr im Kreise ihrer Familie.
- Im September 2024 erlitt sie einen schweren Schlaganfall im antiken Theater Herodeion.
- Ihre musikalische Karriere erstreckte sich über mehr als sechs Jahrzehnte.
- Sie veröffentlichte über 40 persönliche Alben und vertrat das Land beim Eurovision Song Contest 1974.
Die Familie der Verstorbenen gab die Nachricht durch eine offizielle Erklärung bekannt. Darin wurde mitgeteilt, dass die geliebte Mutter und Großmutter am späten Nachmittag um 18:00 Uhr friedlich eingeschlafen sei. Zuvor hatte sie sich seit fast 1,5 Jahren in einem Zustand befunden, in dem sie keinen Kontakt mehr zu ihrer Umwelt aufbauen konnte. Die Angehörigen pflegten sie in dieser Zeit ununterbrochen in ihrer privaten Residenz in der Hauptstadt.
Der gesundheitliche Zusammenbruch der Ausnahmekünstlerin hatte sich am 25. September 2024 vor Tausenden Zuschauern ereignet. Während eines ausverkauften Konzerts im Herodeion, dem antiken Theater unterhalb der Akropolis, trug sie gerade ihr drittes Lied mit dem Titel “Ego ki esy” vor, als sie plötzlich auf der Bühne kollabierte. Nach diesem Vorfall wurde sie zunächst über einen längeren Zeitraum in einer Privatklinik in den nördlichen Vororten medizinisch versorgt, bevor sie nach Hause verlegt werden konnte.
Kindheit in Thessaloniki und die ersten Schritte auf der Bühne
Die Lebensgeschichte der Sängerin, die unter dem bürgerlichen Namen Kyriaki Papadopoulou am 20. Mai 1938 in Thessaloniki geboren wurde, war von Beginn an von musikalischem Talent geprägt. Sie wuchs als jüngstes Kind einer kinderreichen Familie in einfachen Verhältnissen auf. Ihr Vater, Giorgos Papadopoulos, arbeitete als Fischer und versuchte, die Familie durch die schwierigen Jahre der Besatzung zu bringen.
Laut biografischen Aufzeichnungen des Autors Giannis Xanthoulis lehnte der Vater damals Medikamente eines deutschen SS-Offiziers ab und warf diese ins Meer, obwohl er für frischen Fisch Lebensmittel im Tausch akzeptierte. Zudem versteckte die Familie junge jüdische Mädchen im Keller vor den Besatzern. Der Vater unterstützte die künstlerischen Ambitionen seiner Tochter früh. Sie begann ihre Laufbahn im Kindertheater und absolvierte erfolgreiche Vorsprechen, unter anderem bei dem bekannten Moderator Alkis Steas.
In den späten 1950er Jahren tourte sie mit sogenannten Wandertruppen durch die griechische Provinz. Diese Gruppen traten oft unter extremen Bedingungen auf, übernachteten im Freien und litten teilweise unter Hunger. Den Künstlernamen “Marinella” wählte sie inspiriert von einem traditionellen Lied, als sie in einem Lokal im Vorort Panorama auftrat.
Die turbulente Ehe mit Stelios Kazantzidis
Der Umzug nach Athen im Jahr 1957 markierte einen Wendepunkt in ihrer Karriere. Dort begegnete sie dem berühmten Sänger Stelios Kazantzidis. Die beiden bildeten bald nicht nur ein erfolgreiches musikalisches Duo, sondern wurden auch ein Paar. Die Arbeitsbedingungen in den damaligen Nachtclubs waren oft gefährlich. Bei Auseinandersetzungen im Publikum kam es regelmäßig zum Einsatz von Messern, und die Künstler mussten vor fliegenden Tellern und Gläsern in Deckung gehen. Ein solcher Vorfall mit einem zerbrochenen Glas veranlasste Kazantzidis sogar dazu, seine Live-Karriere vorzeitig zu beenden.
Am 7. Mai 1964 heiratete das Paar in der Kirche Agia Varvara in der Gemeinde Chalandri. Die ersten Ehejahre verbrachten sie unter bescheidenen Verhältnissen. Zunächst lebten sie bei der Schwiegermutter in Nea Ionia, später zogen sie in eine Wohnung in der Straße Knosou nahe der Patission-Avenue. Die Künstlerin brachte in dieser Zeit auch ihre erste eigene Schallplatte heraus, für die der Komponist Giorgos Mitsakis das Lied “I proti agapi sou ime ego” schrieb. Trotz der massiven öffentlichen Aufmerksamkeit und zahlreicher gemeinsamer Erfolge hielt die Ehe nur bis zum Jahr 1966.
Begegnungen mit historischen Persönlichkeiten
Während ihrer Zeit mit Kazantzidis knüpfte die Sängerin enge Kontakte zu bedeutenden Vertretern der griechischen Kulturszene. Das Paar pflegte Freundschaften mit dem Komponisten Mikis Theodorakis und der Schauspielerin Irene Papas. Bei nächtlichen Treffen kamen sie mit Intellektuellen und Künstlern wie Giannis Ritsos, Tasos Livaditis, Michalis Kakogiannis und Nikos Koundouros zusammen. Auch im Kino war das Duo präsent, etwa in dem Film “Adistaktoi” von Dinos Katsouridis, in dem sie an der Seite von Nikos Kourkoulos und Mary Chronopoulou auftraten.
Ihre wachsende Popularität weckte das Interesse von einflussreichen Persönlichkeiten. Der Reeder Aristoteles Onassis lud sie ein, auf der Insel Skorpios bei seiner Hochzeit mit Jackie Kennedy zu singen. Die Künstlerin lehnte dieses Angebot jedoch ab und teilte ihm mit, dass sie an diesem Tag ihren Ruhetag habe. Einer Einladung des Schahs von Persien in den Iran folgte sie hingegen. Zu ihren Bewunderern zählte auch der amerikanische Entertainer Frank Sinatra, der nach einem Auftritt bemerkte, dass sie innerhalb kürzester Zeit ein Weltstar sein könnte, wenn sie eine internationale Karriere anstrebe. Auch die Schauspielerin Ingrid Bergman drückte in einem persönlichen Brief ihre Begeisterung aus.
Der Weg zur unabhängigen Solokünstlerin
Nach der Trennung von Kazantzidis reiste die Interpretin zunächst gesundheitlich angeschlagen und ohne finanzielle Mittel für eine Tournee in die damalige Sowjetunion. Kurz darauf gelang ihr jedoch der endgültige Durchbruch als Solokünstlerin. Sie wirkte in Filmen des Regisseurs Giannis Dalianidis mit und feierte einen enormen Erfolg mit dem Lied “Petra” in dem Film “Gorgones ke Manges”. Mit einem neuen, mondänen Erscheinungsbild, das von teuren Pariser Kleidern geprägt war, veränderte sie die Präsentation von Sängerinnen in Griechenland grundlegend. Sie löste sich von der traditionellen statischen Darbietung und integrierte Bewegung sowie theatralische Elemente in ihre Auftritte.
Im Jahr 1973 präsentierte sie als erste Künstlerin in Griechenland ein Konzept, das den Fokus vollkommen auf eine einzelne Hauptdarstellerin legte. Sie setzte sich in dieser Phase auch massiv für bessere Arbeitsbedingungen ein. So erkämpfte sie höhere Gagen, geregelte Ruhetage und verbesserte Konditionen für ihre Begleitmusiker. Aus einer Beziehung mit dem Reitsportler Fredy Serpieri ging ihre Tochter Georgina hervor, was in der damaligen Gesellschaft ohne Trauschein als höchst unkonventionell galt. Dennoch trat die Sängerin bis in den achten Schwangerschaftsmonat weiterhin auf der Bühne auf.
Die zweite Ehe und ein Leben für das Publikum
Eine weitere medienwirksame Verbindung ging sie mit dem Sänger Tolis Voskopoulos ein. Die Hochzeit fand im November 1973 in der Kirche des Propheten Elias im Athener Stadtteil Pagrati statt. Um den Massen an Fans und Journalisten zu entkommen, musste das Paar die Zeremonie unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einer Privatwohnung abhalten. Der herbeigerufene Priester gelangte nur unter dem Vorwand, einem Sterbenden die Letzte Ölung zu geben, durch die Menschenmenge. Das Brautpaar trug bei der Eheschließung legere Jeanskleidung. Auch diese Ehe endete später in einer Scheidung und führte dazu, dass sie sich noch stärker auf ihre Solo-Laufbahn konzentrierte.
Im darauffolgenden Jahr 1974 repräsentierte sie ihr Heimatland beim Eurovision Song Contest mit dem Titel “Krasi, thalassa ke t’ agori mou” und belegte den elften Platz. In den folgenden Jahrzehnten baute sie ihre Diskografie auf über 40 Alben aus. Sie kooperierte mit renommierten Künstlern wie Giorgos Dalaras, Antonis Remos, Paschalis Terzis und Haris Alexiou. Die Musiklegende betonte in biografischen Aufzeichnungen stets, dass sie ihren künstlerischen Weg niemals als beendet angesehen habe. Sie wolle erst dann abtreten, wenn sie selbst den Zeitpunkt für einen leisen Abschied gekommen sehe.