Kavala – Im Herzen der nordgriechischen Hafenstadt erhebt sich ein historisches Monument, das die städtische Identität bis heute maßgeblich prägt: das alte Aquädukt, lokal als “Kamares” bekannt. Das markante Wahrzeichen, dessen heutige Struktur aus dem 16. Jahrhundert stammt, überspannt die Senke zwischen der Halbinsel Panagia und den gegenüberliegenden Anhöhen. Ursprünglich geht die Wasserleitung vermutlich auf römische Zeiten zurück und diente bis in das frühe 20. Jahrhundert der städtischen Wasserversorgung.
Das Bauwerk aus lokalem Granit besticht durch seine doppelten und teilweise dreifachen Bogenreihen. Die Errichtung der heutigen Form fällt in die Ära von Süleyman dem Prächtigen, der zwischen 1530 und 1536 weitreichende Infrastrukturprojekte zur städtischen Rekonstruktion nach der Zerstörung des Jahres 1391 initiierte. Heute bildet das Aquädukt zusammen mit der Festung, dem Hafen, den traditionellen Gebäuden und religiösen Stätten ein einzigartiges urbanes Mosaik in der Küstenstadt.
Architektonische Struktur und technische Ausführung
Das Kamares-Aquädukt erreicht eine maximale Höhe von 25 Metern und stützt sich auf 18 massive Pfeiler. Die Konstruktion ist in drei Ebenen gegliedert und weist zahlreiche Ziegelsteinelemente auf. Die unterste Ebene besteht aus nahezu quadratischen Pfeilern mit einer Seitenlänge von sechs Metern und einfachen Bögen. In der mittleren Ebene wechseln sich einfache und doppelte Bögen ab, während die oberste Ebene den eigentlichen Wasserkanal trägt.
Das Wasser wurde über eine sechs Kilometer lange Leitung von der Quelle “Mana tou Nerou” in der auf 400 Metern Höhe gelegenen Region Palia Kavala in die Stadt geführt. Das System umfasste zudem Brücken und zwei große Zisternen am nördlichen und südlichen Ende des Bauwerks. In diesen Zisternen erfolgte die Wasserreinigung durch ein Überlaufsystem, bevor das Trinkwasser auf öffentliche Brunnen, staatliche Gebäude und einige wenige Privathäuser verteilt wurde.
Historische Entwicklung und Zerstörung
Die historische Entwicklung der Anlage weist eine seltene byzantinische Komponente auf. Ein Festungswall aus dem frühen 14. Jahrhundert diente höchstwahrscheinlich bereits als Wasserleitung für die Akropolis von Kavala, was für byzantinische Städte, die primär Zisternen und Brunnen nutzten, äußerst ungewöhnlich war. Im Jahr 1818 erlebte das Aquädukt eine umfassende Restaurierung, die von Mehmet Ali finanziert wurde.
Dabei wurden der gesamte südliche Teil sowie ein Abschnitt des nördlichen Endes wiederhergestellt und Pfeiler aus Ägypten integriert. Zwei Inschriften auf Arabisch und Griechisch dokumentieren diese Bauarbeiten. Die aktive Nutzung des Aquädukts, das Kavala kontinuierlich mit Trinkwasser versorgte, endete im Jahr 1912. Bulgarische Truppen wandelten den Hauptwasserkanal in eine Straße um. Dieser Eingriff verursachte schwere strukturelle Schäden und führte zur Kontamination des Wassers, womit die funktionale Geschichte des Bauwerks abgeschlossen war.