Griechenland – Eine unerwartete medizinische Diagnose verwandelte den Familienurlaub auf der griechischen Insel Lipsi in ein dramatisches Erlebnis. Der 12-jährige Carlo aus der Schweiz wurde vor wenigen Wochen von einem Landarzt überraschend mit Diabetes mellitus diagnostiziert. Die sofortige und hochprofessionelle Reaktion der griechischen Behörden gipfelte in einem komplexen Rettungstransport. In einem emotionalen Brief an den Bürgermeister von Lipsi, Fotis Magkos, bedankte sich die Mutter Maria Pinardi nun für die außerordentliche Hilfsbereitschaft und das tiefe Mitgefühl, das ihrer Familie in Griechenland zuteilwurde.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein 12-jähriger Junge aus der Schweiz wurde auf Lipsi plötzlich mit Diabetes diagnostiziert.
- Der Nottransport erfolgte mit einem Krankenwagen, einem Militärschiff nach Leros und einem Chinook-Hubschrauber nach Rhodos.
- Mutter Maria Pinardi schickte einen tief empfundenen Dankesbrief an Bürgermeister Fotis Magkos.
- Die Familie erlebte enorme Hilfsbereitschaft von der lokalen Bevölkerung auf Lipsi.
- Der Brief vergleicht zudem das griechische und das schweizerische Gesundheitssystem.
Dramatischer Krankentransport von Lipsi nach Rhodos
Die Diagnose traf die Familie laut eigenen Angaben völlig unvorbereitet, da der Gesundheitszustand des Kindes bis zu diesem Zeitpunkt unauffällig war. Nach der schnellen Reaktion des örtlichen Arztes Georgios traten die zuständigen Dienste des Griechischen Gesundheitsministeriums sofort in Aktion. Der Transport des Jungen glich einer hoch koordinierten militärischen Operation: Zunächst wurde Carlo mit einem Krankenwagen zum Hafen gebracht, anschließend mit einem Militärschiff auf die Nachbarinsel Leros überführt und schließlich mit einem Chinook-Hubschrauber sicher in das Krankenhaus auf Rhodos geflogen.
Trotz der Schockmomente und der Dramatik der Situation behielt der 12-Jährige laut seiner Mutter eine positive Erinnerung an die Ereignisse. In ihrem Brief, den sie auf Deutsch verfasste und übersetzen ließ, beschreibt Pinardi das Rettungspersonal als “außerordentlich gut, unterstützend und lächelnd”. Diese professionelle und zugleich menschliche Herangehensweise habe wesentlich dazu beigetragen, dem Kind die Angst zu nehmen.
Menschlichkeit und Solidarität auf der Insel
Besonders tief bewegt zeigte sich die Schweizerin von der überwältigenden Solidarität der Inselbewohner. Bürgermeister Fotis Magkos habe sich persönlich und mehrfach darum bemüht, den Kontakt zu Spezialisten herzustellen – eine große Herausforderung in der Kürze der Zeit, zumal sich die beiden zuvor kaum kannten. Auch die lokale Gemeinschaft von Lipsi leistete praktische Hilfe. Bekannte und Freunde erkundigten sich stetig nach dem Wohlbefinden der Familie.
Die Unterstützung ging weit über Worte hinaus. Da die Familie ihr gemietetes Studio auf Lipsi fluchtartig verlassen musste, organisierten die Einheimischen den eiligen Versand wichtiger Utensilien per Kurierschiff, damit diese noch mit in die Schweiz genommen werden konnten. Sogar auf Rhodos erlebte die Familie Insel-Solidarität: Eine Familie aus Lipsi, die sich zufällig ebenfalls dort aufhielt, brachte der Mutter und dem Sohn mehrfach frisches, hausgemachtes Essen in das Krankenhaus. “Solche Hilfsbereitschaft und menschliche Wärme habe ich noch nie erlebt”, resümiert Pinardi.
Kritischer Blick auf das Schweizer System
In ihrem Brief nutzt Maria Pinardi die Gelegenheit, die unterschiedlichen Prioritäten in der Gesundheitsversorgung zu reflektieren. “Als Schweizerin war ich wirklich überrascht, wie gut die Gesundheitsversorgung in Notsituationen funktioniert – und vor allem, dass alles zum Wohle des Kindes und der Mutter getan wird”, schreibt sie. “Die Kosten schienen keine Priorität zu haben, wie ich es aus der Schweiz gewohnt bin. Man hat einfach sofort gehandelt.”
Der Kontrast verdeutlichte sich bei der Organisation des Rücktransports. Während die griechischen Ärztinnen der Kinderklinik auf Rhodos nachdrücklich darauf bestanden, dass der Junge nur in Begleitung seiner Mutter transportiert werden dürfe, hätten die Schweizer Behörden zunächst auf eine kostengünstigere Lösung gedrängt. Die Auseinandersetzung war laut Pinardi so intensiv, dass eine junge Ärztin in Tränen ausbrach, während die Verantwortliche immer wieder auf Englisch wiederholte: “Er muss mit seiner Mutter transportiert werden – Punkt.”
Ein Arzt auf Rhodos kommentierte die Situation gegenüber der Mutter mit den Worten: “Jetzt verstehen wir, warum ihr in der Schweiz so reich seid – ihr tut alles, um Geld zu sparen. Aber auf Kosten der Patienten.” Nur durch die “entschlossene Hartnäckigkeit der griechischen Ärzte” habe die Schweizer Versicherung schließlich den gemeinsamen Transport bewilligt, so Pinardi. Die Familie hofft nun, bald gesund nach Lipsi zurückzukehren, um sich persönlich bei allen Beteiligten bedanken zu können.