Griechenland – Mit dem heutigen Palmsonntag leitet die orthodoxe Kirche in Griechenland offiziell die Karwoche ein. Der Tag erinnert an den feierlichen Einzug Jesu Christi in Jerusalem und ist tief mit religiösen sowie volkstümlichen Bräuchen verwurzelt, bei denen Lorbeerzweige und traditionelle Fischgerichte im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig bereitet sich das Land auf die intensiven Feiertage vor: Der Handel hat angepasste Öffnungszeiten für die Festtage bekannt gegeben, während Millionen von Beschäftigten im privaten Sektor den gesetzlich verankerten Osterbonus erwarten, der pünktlich für die anstehenden Einkäufe ausgezahlt werden muss.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Am Palmsonntag wird in Griechenland traditionell Fisch gegessen, was eine Ausnahme der strengen Fastenzeit darstellt.
- Der gesetzliche Osterbonus für Angestellte muss bis spätestens Mittwoch, den 8. April 2026, überwiesen werden.
- Der Gewerbeverein Athen hat erweiterte Öffnungszeiten für die Karwoche beschlossen.
- Am Ostersonntag, den 12. April, und Ostermontag, den 13. April, bleiben alle Geschäfte geschlossen.
- Lorbeerzweige dienen nach altem Volksglauben als Schutzamulett und werden nach der Liturgie verteilt.
Eine Ausnahme in der Fastenzeit: Darum kommt Fisch auf den Tisch
Die Zeit vor dem orthodoxen Osterfest ist von der Großen Fastenzeit geprägt, die der spirituellen und körperlichen Vorbereitung der Gläubigen dient. Während dieser strengen Phase verzichten orthodoxe Christen konsequent auf den Konsum von Fleisch, Milchprodukten und Eiern. Der Ernährungsplan basiert in dieser Zeit fast ausschließlich auf pflanzlichen Lebensmitteln, was tief in der religiösen Tradition des Landes verankert ist und von einem großen Teil der Bevölkerung befolgt wird.
Der Palmsonntag bildet jedoch eine der wenigen fest etablierten Ausnahmen von diesen strengen Ernährungsregeln. Der christliche Brauch schreibt für diesen Feiertag den Verzehr von Fisch vor. Diese kulinarische Besonderheit steht in direktem Zusammenhang mit der biblischen Erzählung vom triumphalen Einzug Christi in Jerusalem. Sie bietet den Gläubigen die Möglichkeit, ein festliches und gehaltvolleres Mahl zu sich zu nehmen, ohne die grundlegenden Prinzipien der vorösterlichen Fastenzeit vollständig zu brechen.
Lorbeerzweige und alte Rituale zur Abwehr des Bösen
Ein zentrales Symbol des Palmsonntags in der orthodoxen Kirche ist der Lorbeer, im Griechischen als “Bagia” bekannt. Die Gotteshäuser werden an diesem Tag traditionell mit diesen Zweigen geschmückt. Nach dem feierlichen Abschluss der Göttlichen Liturgie ist es Brauch, dass die Priester die geweihten Lorbeerblätter an die anwesenden Gläubigen verteilen. Im kollektiven Bewusstsein der orthodoxen Christen werden diesen Zweigen stark schützende und heilende Eigenschaften zugeschrieben.
In verschiedenen Regionen Griechenlands haben sich im Laufe der Jahrhunderte spezifische Bräuche rund um den Lorbeer entwickelt. Ein verbreitetes Ritual besteht darin, schwangere Frauen leicht mit den Zweigen zu berühren, was nach altem Volksglauben eine leichtere Geburt begünstigen soll. Vielfach werden die Blätter auch als Schutzamulette an die Eingangstüren der Wohnhäuser gehängt. In der Provinz Elassona und in der Präfektur Kozani erreicht das Fest der “Lazarines”, das bereits am Lazarus-Samstag beginnt, am Palmsonntag seinen Höhepunkt. Die Frauen bringen die Zweige dabei in einer zeremoniellen Handlung aus der Kirche in ihre Häuser.
Besonders bemerkenswert ist ein historischer Brauch aus Telmessos in der Region Kappadokien. Dort legten die Menschen die gesegneten Lorbeerblätter in ihre Kleidungstruhen, um Motten fernzuhalten. Fühlte sich jemand vom “Bösen Blick” (Baskania) getroffen, wurden die Blätter in einem Weihrauchfass verbrannt. Die betroffene Person wurde anschließend dreimal mit dem Rauch umhüllt, um den negativen Einfluss abzuwehren und spirituellen Schutz zu gewährleisten.
Ostergeschäft in Athen: Die offiziellen Öffnungszeiten
Parallel zu den religiösen Vorbereitungen rüstet sich auch der Einzelhandel für die umsatzstärkste Zeit des Frühjahrs. Der Gewerbeverein Athen hat das offizielle und empfohlene Betriebszeiten-Modell für die Osterfeiertage 2026 veröffentlicht. Die Regelung, die bereits am 2. April in Kraft getreten ist, soll den Konsumenten ausreichend Zeit für ihre Festtagseinkäufe bieten und gleichzeitig einen geordneten Ablauf in den Einkaufsstraßen der griechischen Hauptstadt sicherstellen.
Für die laufende Karwoche gelten demnach folgende detaillierte Ladenöffnungszeiten im Athener Einzelhandel:
- Sonntag, 05.04.2026: 11.00 – 16.00 Uhr
- Karmontag, 06.04.2026: 09.00 – 21.00 Uhr
- Kardienstag, 07.04.2026: 09.00 – 21.00 Uhr
- Karmittwoch, 08.04.2026: 09.00 – 21.00 Uhr
- Karndonnerstag, 09.04.2026: 09.00 – 21.00 Uhr
- Karfreitag, 10.04.2026: 13.00 – 19.00 Uhr
- Karsamstag, 11.04.2026: 09.00 – 15.00 Uhr
Wie der Verband weiter klarstellte, bleiben am Ostersonntag, den 12. April 2026, sowie am Ostermontag, den 13. April 2026, alle kommerziellen Geschäfte landesweit geschlossen. Diese Tage sind in Griechenland offizielle gesetzliche Feiertage, an denen das öffentliche Leben weitgehend ruht.
Finanzielle Finanzspritze: Der gesetzliche Osterbonus
Um die erhöhten Ausgaben der Haushalte während der Festtage abzufedern, sieht die griechische Gesetzgebung eine verpflichtende Sonderzahlung vor. Dieser sogenannte Osterbonus (Doro Pascha) wird von Millionen Arbeitnehmern erwartet, um die traditionellen Einkäufe für das Familienfest zu finanzieren. Für das Jahr 2026 ist gesetzlich klar geregelt, dass dieser Bonus spätestens bis zum Karmittwoch, den 8. April, auf den Konten der Beschäftigten eingegangen sein muss.
Der Anspruch auf diese Sonderzahlung ist umfassend geregelt. Er steht ausnahmslos allen Angestellten des privaten Sektors zu. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Arbeitsverhältnis auf Vollzeit oder Teilzeit basiert. Auch die spezifische Art des Arbeitsvertrages hat keinen Einfluss auf die grundsätzliche Auszahlungspflicht. Arbeitgeber haben das Recht, das Geld bereits vor dem Stichtag zu überweisen, eine Verspätung nach dem Karmittwoch ist jedoch strikt untersagt.
Zudem schreiben die Arbeitsbehörden vor, dass der Osterbonus zwingend in Form von Geld geleistet werden muss. Eine Auszahlung in Sachwerten oder Dienstleistungen ist nicht zulässig. Die Transaktion muss zudem nachvollziehbar über das reguläre Bankkonto des jeweiligen Arbeitnehmers abgewickelt werden, um die Einhaltung der gesetzlichen Fristen überprüfen zu können.