Rhodos – Am 25. März hat die 82-jährige Schülerin Sofia Romnaki an der nationalen Schülerparade auf der Insel Rhodos teilgenommen und damit landesweite Aufmerksamkeit erregt. Die Seniorin, die regulär das staatliche Abendgymnasium (EPAL) der Stadt besucht, marschierte anlässlich des griechischen Nationalfeiertags gemeinsam mit ihren jüngeren Mitschülern durch das Zentrum. Mit diesem außergewöhnlichen Auftritt vor tausenden Zuschauern setzte sie ein starkes öffentliches Zeichen für lebenslanges Lernen und gesellschaftliche Teilhabe im Alter.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die 82-jährige Sofia Romnaki nahm als aktive Schülerin an der Parade zum 25. März teil.
- Die Route führte vom historischen Hafen Mandraki bis zum Rathaus von Rhodos.
- Nach ihrem Mittelschulabschluss besucht die Seniorin nun das lokale Abendgymnasium.
- Neben der Schule engagiert sie sich im städtischen Seniorenzentrum und in einem Chor.
- Laut Schulleitung plant der griechische Premierminister ein persönliches Gespräch mit der Schülerin.
Eine bewusste Entscheidung gegen die gesellschaftliche Isolation
Die Teilnahme an der festlichen Parade erforderte von der 82-Jährigen einiges an Überwindung und körperlicher Anstrengung. Zunächst habe sie gezögert, sich dem Zug anzuschließen, verriet sie in öffentlichen Äußerungen. Letztlich sei sie jedoch zu dem Entschluss gekommen, dass ihre Präsenz eine wichtige Botschaft an die Gesellschaft senden könne. Die Route erstreckte sich über eine überschaubare Distanz vom Hafenbereich am Mandraki bis zum städtischen Rathaus. Obwohl sie dem zügigen Schritttempo der jüngeren Schüler nicht immer mühelos folgen konnte, absolvierte sie die gesamte Strecke erfolgreich.
Ihr familiäres Umfeld, insbesondere ihre Tochter, reagierte im Vorfeld mit fürsorglicher Zurückhaltung und riet ihr, sich nicht zu überanstrengen. Der Moment der tatsächlichen Teilnahme löste bei den Angehörigen jedoch tiefe Emotionen aus. Wie die Schülerin berichtete, seien bei ihrer Tochter während des Vorbeimarsches ununterbrochen Tränen geflossen. “Ich bereue es nicht, auch wenn ich mich wegen meines Alters bis zum Ende etwas anstrengen musste”, schilderte die Seniorin ihre Erfahrung. “Ich fühle mich gesegnet und empfinde es als Ehre.”
Vom Mittelschulabschluss zum Abendgymnasium
Die schulische Laufbahn der 82-Jährigen ist in der griechischen Bildungslandschaft ein seltenes Phänomen. Nachdem sie zunächst erfolgreich ihren regulären Mittelschulabschluss nachgeholt hatte, ermutigten sie sowohl Lehrkräfte als auch Mitschüler, ihre Bildungslaufbahn fortzusetzen. Die Entscheidung für das Abendgymnasium (EPAL) in Rhodos fiel bewusst, um einer drohenden Isolation im Alter entgegenzuwirken. Neben dem abendlichen Unterricht führt sie ein äußerst aktives Leben, besucht morgens das städtische Seniorenzentrum (KAPI) und singt im lokalen Chor.
Innerhalb der Schulgemeinschaft genießt die ältere Dame einen besonderen Status. Der Direktor des Abendgymnasiums, Nikos Oikonomou, betonte die enge Bindung zwischen der Schülerschaft, dem Lehrerkollegium und der 82-Jährigen. “Wir haben sie alle wie unsere Mutter”, erklärte der Schulleiter. Sie nehme an sämtlichen schulischen Veranstaltungen und Chorauftritten teil und sei stets ein zentraler Teil der Gemeinschaft. Die außergewöhnliche Willensleistung ist mittlerweile auch auf höchster politischer Ebene angekommen. Laut Angaben der Schulleitung habe der griechische Premierminister die Absicht geäußert, persönlich mit der Schülerin zu sprechen, um ihr Engagement als landesweites Vorbild zu würdigen.