Griechenland – Die anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten werfen einen dunklen Schatten auf das bevorstehende orthodoxe Osterfest. Wenige Wochen vor den Feierlichkeiten herrscht in Athen große Besorgnis darüber, ob und wie der traditionelle Transport des Heiligen Lichtes aus Jerusalem angesichts der eskalierenden Lage logistisch bewältigt werden kann. Die historische Altstadt von Jerusalem, die unter normalen Umständen in der Vorosterzeit von Tausenden Gläubigen bevölkert wird, gleicht derzeit einer Geisterstadt. Der Zugang zu dem Areal ist strikt untersagt, das tägliche Leben in den engen Gassen ist vollständig zum Erliegen gekommen. Sämtliche Geschäfte, Museen und die orthodoxen Klöster in der Region halten ihre Türen geschlossen.
Der diesjährige Festkalender sieht vor, dass das jüdische Pessach-Fest am 1. April beginnt und bis zum 9. April andauert. Nur wenige Tage später, am 12. April, feiert Griechenland das orthodoxe Ostern. Üblicherweise drängen sich an diesen Tagen unzählige Pilger in der Altstadt, um der traditionellen Entzündung des Feuers beizuwohnen, welches anschließend feierlich nach Griechenland geflogen wird. Dieses Jahr wird das Osterfest in der Region jedoch grundlegend anders verlaufen, da weitreichende kriegsbedingte Ausgangssperren das gesamte Gebiet lähmen und große Menschenansammlungen verhindern.
Krisenstab im Außenministerium plant den Transport
Um das historische Ritual dennoch aufrechtzuerhalten, stehen das griechische Außenministerium, die griechische Botschaft vor Ort sowie die zuständigen israelischen Behörden in einem permanenten und engen Austausch. Obwohl es für endgültige Details noch zu früh ist, versichern die offiziellen Stellen einhellig: “Das Licht wird auf jedem erdenklichen Weg in das Land kommen”. Die Notfallpläne umfassen dabei Optionen wie einen speziell gecharterten Sonderflug oder den Einsatz alternativer Transportmittel, falls der reguläre zivile Flugverkehr zusammenbrechen sollte. Eine massive Hürde stellt derzeit der israelische Luftraum dar, der seit Beginn des Krieges sicherheitsbedingt periodisch geschlossen und wieder geöffnet wird.
Trotz dieser erheblichen logistischen und militärischen Einschränkungen wird davon ausgegangen, dass sich ein notwendiges Zeitfenster finden wird, welches den sicheren Transfer der Flamme nach Griechenland ermöglicht. Innerhalb griechischer Kirchenkreise existieren derweil sogar Überlegungen und Hoffnungen auf eine informelle Waffenruhe während der Osterfeiertage. Eine solche temporäre Feuerpause könnte die Zeremonie am Heiligen Grab und den anschließenden Transport deutlich erleichtern, wenngleich ein solches Szenario nach aktueller Einschätzung als äußerst schwierig und unwahrscheinlich gilt.