Griechenland – Die demokratischen Freiheiten und bürgerlichen Rechte verzeichnen weltweit seit zwei Jahrzehnten einen kontinuierlichen Rückgang. Zwei aktuelle internationale Berichte dokumentieren diese signifikante Negativentwicklung, die nicht nur Staaten auf dem afrikanischen und asiatischen Kontinent betrifft, sondern auch etablierte Demokratien in Europa und die Vereinigten Staaten erfasst.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Griechenland belegt im aktuellen V-Dem-Index den 52. Platz von 179 untersuchten Staaten weltweit.
- Innerhalb der Europäischen Union rangiert das Land im Demokratie-Vergleich auf dem 24. von 27 Plätzen.
- Weltweit leben im Jahr 2025 etwa 74 Prozent der Menschen in autokratischen oder halb-autokratischen Systemen.
- Die US-Organisation Freedom House bewertet Griechenland mit 85 von 100 möglichen Punkten bei den Freiheitsrechten.
Freedom House dokumentiert globale demokratische Stagnation
Die amerikanische Nichtregierungsorganisation Freedom House analysiert in ihrer jährlichen Erhebung die politische Situation in 195 Ländern sowie in 13 speziellen Territorien. Der Bericht verdeutlicht, dass sich autoritäre Tendenzen auf dem Globus immer weiter ausbreiten. Im direkten Vergleich zum Vorjahr verzeichneten lediglich 35 Nationen eine messbare Verbesserung ihrer demokratischen Standards, während in 54 Staaten eine deutliche Verschlechterung dokumentiert wurde. Zu den Verlierern in dieser Statistik zählen unter anderem auch europäische Länder wie Bulgarien und Italien.
Griechische Freiheitsrechte im internationalen Vergleich
Für Griechenland ermittelte die Studie einen Gesamtscore von 85 Punkten auf einer Skala bis 100. Dieser Wert setzt sich detailliert aus 35 von 40 möglichen Punkten für politische Rechte und 50 von 60 Punkten für bürgerliche Freiheiten zusammen. Zum Vergleich: Finnland erreicht in dieser Bewertung die volle Punktzahl, während Deutschland auf 95 Punkte kommt. Andere europäische Staaten wie Großbritannien, Spanien und Frankreich erzielen Werte zwischen 89 und 92 Punkten. Die Vereinigten Staaten stehen aktuell bei 81 Punkten. Am unteren Ende der globalen Skala finden sich Länder wie Russland mit 12, der Iran mit 10 sowie China und Saudi-Arabien mit jeweils neun Punkten.
V-Dem-Index: Griechenland rutscht im europäischen Ranking ab
Noch drastischer fallen die Ergebnisse des umfassenden Forschungsprojekts Varieties of Democracy (V-Dem) der Universität Göteborg in Schweden aus. In diesem Bericht verlor Griechenland im Vergleich zur vorherigen Untersuchung drei Positionen und belegt nun den 52. Platz unter 179 erfassten Ländern. Während das Land in der rein elektoralen Dimension, die die Durchführung von Wahlen bewertet, noch auf dem 54. Platz rangiert, zeigen sich erhebliche Schwächen in der liberalen Dimension.
Bei der strikten Wahrung rechtsstaatlicher Prinzipien, dem Schutz individueller Rechte und der institutionellen Rechenschaftspflicht liegt die Nation lediglich auf dem 75. Platz. Im direkten Vergleich der 27 EU-Mitgliedsstaaten bedeutet dies den 24. Rang, dicht gefolgt von Bulgarien, Rumänien und Ungarn.
Autokratische Tendenzen dominieren die globale Entwicklung
Die schwedische Erhebung illustriert zudem eine massive globale Verschiebung der politischen Systeme. Der Anteil der Weltbevölkerung, der in funktionierenden, echten Demokratien mit freien Wahlen und starken institutionellen Kontrollmechanismen lebt, fiel von 17 Prozent im Jahr 2005 auf nur noch sieben Prozent im Jahr 2025. Gleichzeitig stieg der Bevölkerungsanteil in autokratisch geführten Staaten von 50 auf 74 Prozent, was nahezu sechs Milliarden Menschen entspricht.
Die Studienautoren führen diese Entwicklung unter anderem auf aktuelle Militärputsche in afrikanischen Staaten wie Mali, Nigeria und Burkina Faso sowie auf die zunehmende Repression in Russland und China zurück. Auch die strikte politische Ausrichtung unter der Regierung von Viktor Orbán in Ungarn wird in der Studie als europäisches Negativbeispiel für den Abbau von Freiheitsrechten angeführt.
Der massive Rückschritt bürgerlicher Rechte in den USA
Ein besonderes Augenmerk legt der V-Dem-Bericht auf die politische Entwicklung in den Vereinigten Staaten während der ersten und zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump. Die Analysten attestieren dem Land einen beispiellosen und extrem schnellen Rückgang der bürgerlichen Rechte, der das Land de facto auf das Niveau der 1960er Jahre zurückwirft. Kritisiert werden gezielte Versuche der Administration, die institutionelle Kontrolle der präsidialen Exekutivmächte zu schwächen, kritische Medienunternehmen systematisch zu diskreditieren und grundlegende Prinzipien des Rechtsstaats zu unterminieren.
Die Schließung oder drastische Kürzung internationaler Demokratieförderprogramme wie USAID oder “Voice of America” markiert zudem eine Abkehr von der traditionellen Rolle der USA als globaler Fürsprecher für freiheitliche Werte. Analysten beschreiben das außenpolitische Vorgehen als rücksichtslos gegenüber Verbündeten und Gegnern. Trotz dieser weltweit düsteren Trends betonen Beobachter, dass aktuelle Straßenproteste junger Menschen, etwa in Serbien, Kenia und Nepal, den ungebrochenen Wunsch der Zivilbevölkerung nach mehr demokratischer Mitbestimmung und besserer Regierungsführung klar signalisieren.