Athen – Die griechische Hauptstadt treibt die Institutionalisierung von Gleichstellungspolitik auf lokaler Ebene voran. Im Rahmen einer Fachkonferenz im Athener Rathaus am 13. März hat die Stadtverwaltung einen umfassenden strategischen Rahmen für die Jahre 2026 bis 2028 vorgestellt. Zentraler Bestandteil dieser Initiative ist die offizielle Unterzeichnung der revidierten Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene. Diese vertragliche Bindung soll sicherstellen, dass geschlechtsspezifische Themen systematisch in die kommunale Verwaltungspraxis integriert werden.
Die Veranstaltung diente als Plattform, um den neuen Aktionsplan für Geschlechtergleichstellung öffentlich zu präsentieren und die konkreten Umsetzungsziele für die kommenden drei Jahre zu definieren. Dabei geht es der Stadtverwaltung primär um die Schaffung verbindlicher Strukturen zum Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt und Diskriminierung im städtischen Raum.
Strategische Neuausrichtung gegen Diskriminierung
Der Athener Bürgermeister machte im Rahmen der Präsentation deutlich, dass die Zielsetzung der städtischen Politik darauf ausgerichtet sei, eine Umgebung zu schaffen, in der keine gesellschaftliche Gruppe unsichtbar bleibe und fundamentale Rechte gesichert seien. Der neu erarbeitete Aktionsplan, der erstmals in dieser Form in der Athener Verwaltung umgesetzt werde, diene als operatives Instrument zur Erfüllung der in der Europäischen Charta verankerten Vorgaben. Flankiert wurde diese Position von der zuständigen Vizebürgermeisterin für Gleichstellung, kommunale Gesundheitszentren und Kinderschutz. Sie betonte die Notwendigkeit, kommunale Gleichstellungspolitiken strukturiert zu planen und finanzielle sowie personelle Ressourcen gezielt für den Abbau von Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht oder Geschlechtsidentität einzusetzen. Nur durch den konsequenten Aufbau von Schutzstrukturen ließe sich gesellschaftliche Inklusion erreichen und sexistischem Verhalten im öffentlichen wie auch im privaten Raum wirksam entgegentreten.
Spezifische Schutzmaßnahmen und Krisenzentren
Zur praktischen Umsetzung des Aktionsplans hat die Athener Stadtverwaltung ein Bündel an spezifischen Maßnahmen definiert. Ein zentraler Pfeiler ist die finanzielle und strukturelle Stärkung der bestehenden Notunterkünfte, die weiblichen Opfern von Gewalt und deren Kindern eine sichere Zuflucht und umfassende Betreuung bieten sollen. Darüber hinaus erfolgt eine signifikante Aufwertung des städtischen Zentrums zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt. Diese Einrichtung wird zu einem spezialisierten Krisenzentrum für Vergewaltigungsopfer (Rape Crisis Center) ausgebaut. Nach Angaben der Verwaltung handelt es sich dabei um die landesweit erste kommunale Anlaufstelle dieser Art, die Überlebenden von sexueller Ausbeutung und Missbrauch gezielte Unterstützung, psychologische Betreuung und Hilfe bei der gesellschaftlichen Reintegration anbietet.
Präventive Maßnahmen ergänzen das Konzept: Ein umfassendes Programm zur Verhinderung von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz sieht die Durchführung von 80 spezialisierten Schulungen für Führungskräfte und gewählte Vertreter vor. Begleitet wird dies von der verwaltungsinternen Aufklärungskampagne unter dem Slogan “Os Edo!” (Bis hierher!), die in allen städtischen Dienststellen ausgerollt wird. Ferner unterzeichnete die Kommune die Europäische Charta der Vielfalt und intensiviert ihre Beteiligung am europäischen Städtenetzwerk FEMCITIES zur Förderung der lokalen Gleichstellung. Zudem werden im Rahmen der “Orange Week” kulturelle Veranstaltungen zur Sensibilisierung gegen geschlechtsbezogene Gewalt organisiert.
Kommunale Vernetzung auf nationaler Ebene
Die Vorstellung des Aktionsplans verdeutlichte zudem den Bedarf an einem interkommunalen Erfahrungsaustausch. Unter der Moderation der Vizebürgermeisterin für Gleichstellung nahmen zahlreiche Vertreterinnen anderer griechischer Gebietskörperschaften an der Konferenz teil. Vertreten waren unter anderem die Bürgermeisterin der Gemeinde Ilion sowie die ehemalige Bürgermeisterin von Agios Dimitrios, die dem Ausschuss für Gleichstellung und Menschenrechte des Zentralverbandes der griechischen Gemeinden (KEDE) angehört. Ebenso partizipierte die Präsidentin des Stadtrates und des Gleichstellungsausschusses von Kozani.
Der interdisziplinäre Dialog wurde durch Delegationen aus den Stadtverwaltungen von Thessaloniki, Ioannina, Thermi, Trikala, Kallithea und Zografou sowie durch Mitglieder des Athener Gleichstellungsausschusses erweitert. Vonseiten der gastgebenden Stadt wohnten der Vizebürgermeister für Finanzplanung, die Beauftragte für Barrierefreiheit sowie verschiedene Abteilungsleiter der Präsentation bei. Die Veranstaltung im Saal des Stadtrates stand zudem der interessierten Öffentlichkeit offen und wurde ergänzend über eine Live-Übertragung im Internet zugänglich gemacht.