Griechenland – Das Verkehrsministerium hat am heutigen Mittwoch die neue digitale Plattform railway.gov.gr offiziell in Betrieb genommen. Das System dient der Echtzeit-Überwachung des nationalen Schienennetzes und macht Griechenland zum ersten Land, das hochpräzise Satellitentechnologie für die landesweite Zugverfolgung einsetzt.
Vorerst haben Bürger die Möglichkeit, die Position von Personenzügen auf der Hauptstrecke zwischen Athen und Thessaloniki live zu beobachten. Bis Ende März 2026 soll die Satellitenerfassung auf alle Züge vom Hafen Piräus bis zu den nördlichen Landesgrenzen ausgeweitet werden.
Ein vollständiger Rollout für sämtliche 140 Lokomotiven auf dem 2.000 Kilometer langen Streckennetz ist bis Ende April 2026 geplant. Die Einführung der Plattform markiert einen zentralen Schritt bei der digitalen Überwachung der griechischen Eisenbahn. Gleichzeitig setzt die Regierung damit weitreichende Sicherheitsempfehlungen um, die nach dem Eisenbahnunfall von Tempi von den zuständigen Behörden formuliert wurden.
Zentimetergenaue Ortung durch Satellitentechnologie
Die technologische Basis von railway.gov.gr bildet eine Kombination aus dem griechischen Ortungssystem HEPOS und dem europäischen Satellitennavigationssystem Galileo. Im Gegensatz zu herkömmlichem GPS, das Abweichungen von bis zu 15 Metern aufweisen kann, liefert die neue Lösung Positionsdaten mit einer Genauigkeit im Zentimeterbereich.
Durch die Nutzung eines digital kartierten Modells des Schienennetzes sowie spezieller Algorithmen zum Map-Matching kann das System parallel verlaufende Gleise eindeutig voneinander unterscheiden. Die Datenübertragung erfolgt kontinuierlich mit einer Verzögerung von weniger als 1,2 Sekunden. Selbst in Tunneln oder in Gebieten mit eingeschränktem Signalempfang bleibt die exakte Zuordnung des jeweiligen Zuges zu seinem Gleis stets gewährleistet.
Neue Sicherheitsstandards und Kontrollzentren
Die Inbetriebnahme der Plattform bedeutet die praktische Umsetzung von sieben der insgesamt siebzehn Sicherheitsempfehlungen der Nationalen Untersuchungsstelle für Eisenbahn- und Luftfahrtunfälle (EODASAAM). Über das neue Portal werden betriebliche Daten aufgezeichnet, während Funktionen mit Sicherheitsrelevanz einer ständigen Leistungsprüfung unterliegen. Das System verfügt über eine automatische Erkennung von Kollisionsrisiken und löst bei Abweichungen vom Normalbetrieb sofortige Warnmeldungen aus.
Im Kontrollzentrum der Griechischen Eisenbahnorganisation (OSE) überwacht künftig ein spezialisiertes Team diese automatisierten Meldungen, um bei Regelverstößen umgehend eingreifen zu können. Der stellvertretende Minister für Infrastruktur und Verkehr, Konstantinos Kyranakis, erklärte, dass die Plattform ein digitales Sicherheitsnetz bilde, welches die bestehenden Sicherheitssysteme der Eisenbahn sinnvoll verstärke.
Transparenz für Fahrgäste und neue Züge
Über die frei zugängliche Webseite können Nutzer neben der aktuellen Position auf der Landkarte auch die Geschwindigkeit, die Fahrtrichtung sowie die voraussichtlichen Ankunftszeiten der Züge abrufen. Darüber hinaus informiert das System über mögliche Verspätungen und bietet einen Livestream aus einer an Bord installierten Kamera an. Parallel zur digitalen Aufrüstung treibt das Land die physische Modernisierung voran.
Bis zum Sommer 2026 soll die Strecke zwischen Athen und Thessaloniki vollständig mit neuen Signal- und Fernsteuerungssystemen sowie dem europäischen Zugbeeinflussungssystem ETCS ausgestattet sein. Aktuell verfügen bereits 100 Züge über das bordeigene ETCS-System. Laut dem Generalsekretär für Verkehr, Stelios Sakaretsios, bilde die neue Plattform den Kern einer völlig neuen betrieblichen Infrastruktur.
Im Rahmen einer Vereinbarung mit dem italienischen Konzern Ferrovie dello Stato fließen zudem 308 Millionen Euro in die Beschaffung von 23 neuen Zügen bis zum Jahr 2027. Ein erstes Testfahrzeug absolviert bereits Probefahrten in Griechenland. Gesetzliche Anpassungen, darunter das Gesetz 5220/2025, sorgen abschließend für strengere Strafen bei Fehlverhalten und implementieren neue psychometrische Testverfahren in Zusammenarbeit mit dem Generalstab der Nationalen Verteidigung (GEETHA).
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