Griechenland – Die wirtschaftliche Erholung und der drastische Schuldenabbau des Landes setzen sich ungebremst fort. Wie aus den im März veröffentlichten Berichten führender Ratingagenturen und internationaler Finanzorganisationen hervorgeht, bleibt der positive fiskalische Kurs auch bei externen Schocks stabil. Weder die massiven geopolitischen Spannungen durch den Krieg im Nahen Osten noch die damit verbundene weltweite Preisexplosion bei Energie und Rohstoffen können die makroökonomische Stabilität derzeit gefährden.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Ratingagenturen Moody’s, DBRS und Scope bestätigen die Investment-Grade-Bewertung.
- Die Staatsschuldenquote fiel im Jahr 2025 auf 145 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
- Der Primärüberschuss im Staatshaushalt erreichte im Jahr 2025 starke 4,4 Prozent.
- Der Internationale Währungsfonds prognostiziert einen weiteren Schuldenrückgang auf 110 Prozent bis 2031.
Ratingagenturen bestätigen wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit
Die großen internationalen Bewertungsagenturen Moody’s, DBRS und Scope haben in ihren jüngsten Evaluierungen die Investment-Grade-Einstufung für Griechenland offiziell bestätigt. Sie halten an den positiven Aussichten für die Kreditwürdigkeit des Landes fest, obwohl das internationale wirtschaftliche Umfeld zunehmend von Unsicherheiten geprägt ist.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) stellt in seiner aktuellen Analyse fest, dass sich das Land in einer hervorragenden Position befinde, um externe wirtschaftliche Schocks abzufedern. Die öffentlichen Finanzen würden sich kontinuierlich verstärken. Dies zeige sich insbesondere in der rasanten Verringerung der Schuldenquote im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Gleichzeitig sei die Fiskalpolitik zielgerichtet darauf ausgerichtet, die Kaufkraft der privaten Haushalte zu stützen und den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum zu fördern. Diese verbesserte Finanzlage erlaube es den staatlichen Institutionen, internationalen Gegenwinden zu trotzen und parallel das nachhaltige Wachstum zu stützen.
Massive Reduzierung der Staatsschulden durch Primärüberschüsse
Ein zentraler Faktor für diese positive Bewertung ist die unerwartet starke Haushaltsdisziplin. Laut dem Bericht von Moody’s übertreffe die fiskalische Leistung des Landes in der Zeit nach der Pandemie weiterhin alle Erwartungen und bilde das wichtigste Fundament für das hohe Kreditrating. Die Primärüberschüsse im Staatshaushalt lagen in den vergangenen zwei Jahren deutlich über den Zielvorgaben. Im Jahr 2024 verzeichnete der Staat einen Überschuss von 4,7 Prozent des BIP, gefolgt von 4,4 Prozent im Jahr 2025.
Diese Überschüsse resultieren aus einem robusten Wirtschaftswachstum von über zwei Prozent, einer konsequenten und messbaren Reduzierung der Steuerhinterziehung sowie einer strikten Kontrolle der öffentlichen Ausgaben. In Kombination mit der vorzeitigen Rückzahlung von Krediten an die Staaten der Eurozone – ein Erbe des ersten Rettungsprogramms aus dem vergangenen Jahrzehnt – und einem signifikanten Anstieg des nominalen BIP führte dies zu einem beispiellosen Schuldenabbau. Die öffentliche Schuldenlast sank von ihrem Höchststand von 210 Prozent im Jahr 2020 auf nunmehr 145 Prozent im Jahr 2025.
Prognosen für den weiteren Schuldenabbau bis 2035
Die internationalen Beobachter gehen davon aus, dass die Fortschritte bei der Bekämpfung der Steuerflucht und das strikte Ausgabenmanagement auch in den kommenden Jahren zu hohen Primärüberschüssen führen werden. Der IWF rechnet für das laufende Jahr mit einem Überschuss von 3,6 Prozent und mittelfristig mit 2,75 Prozent. Diese Quoten seien ausreichend, um die Staatsverschuldung bis zum Jahr 2031 auf 110 Prozent des BIP zu drücken. Moody’s prognostiziert für den Zeitraum 2026 bis 2027 Überschüsse von über drei Prozent, was die Schulden bis 2027 auf 140 Prozent senken werde.
Die Agentur Scope skizziert einen raschen Rückgang auf 127 Prozent bis zum Jahr 2030. Im Anschluss werde sich das Tempo des Schuldenabbaus jedoch verlangsamen. Die Analysten erwarten, dass die Quote bis zum Jahr 2035 auf 120 Prozent fallen wird. Als Hauptgründe für diese prognostizierte Verlangsamung werden die demografischen Auswirkungen der alternden Bevölkerung sowie eine wahrscheinliche Abschwächung des allgemeinen Wirtschaftswachstums angeführt.
Investitionen als Treiber und strukturelle Herausforderungen
Die Struktur der griechischen Wirtschaft entwickelt sich zunehmend vorteilhaft für die Kreditwürdigkeit. Private Investitionen fungieren mittlerweile als der primäre Motor der konjunkturellen Erholung. Dennoch erwarten die Ratingagenturen und der IWF ab den Jahren 2027 oder 2028 eine allmähliche Abkühlung des Wachstums. Zu diesem Zeitpunkt werden zahlreiche Großinvestitionen und die Förderprogramme des Europäischen Aufbaufonds (RRF) planmäßig auslaufen. Trotz dieser Abkühlung wird das BIP voraussichtlich weiterhin in einem Tempo wachsen, das den Abwärtstrend bei den Staatsschulden garantiert. DBRS rechnet bis 2030 mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 1,75 Prozent. Der IWF prognostiziert für dieses Jahr ein Wachstum von 1,8 Prozent und mittelfristig 1,5 Prozent.
Einhellig betonen die Institutionen, dass die Lösung tiefgreifender struktureller Probleme, wie der vergleichsweise niedrigen Beschäftigungsquote und des geringen Produktivitätswachstums, Zeit erfordern wird. In seinen offiziellen Empfehlungen drängt der Internationale Währungsfonds auf eine forcierte digitale Transformation des privaten Sektors. Um die Produktivität der Unternehmen zu steigern, müssten regulatorische und administrative Hürden weiter abgebaut werden. Zudem fordern die Experten gezielte arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, stärkere finanzielle Anreize zur Arbeitsaufnahme sowie den konsequenten Ausbau von Programmen für lebenslanges Lernen.