Nordgriechenland – Die griechische Regierungspartei Nea Dimokratia steht in Nordgriechenland und Thessalien vor einer massiven politischen und personellen Herausforderung. Neue juristische Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Subventionsskandal der griechischen Zahlstelle für Agrarsubventionen (OPEKEPE) sowie elf Anträge auf Aufhebung der parlamentarischen Immunität drohen, die Wahllisten der Partei im Vorfeld der kommenden nationalen Wahlen stark auszudünnen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Gegen elf Abgeordnete der Regierungspartei liegen Anträge auf Aufhebung der parlamentarischen Immunität vor.
- Im Zentrum der strafrechtlichen Untersuchungen steht eine zweite Akte zum Skandal um die Agrarzahlstelle OPEKEPE.
- Die Parteiführung muss entscheiden, ob belastete Politiker weiterhin auf den Wahllisten geführt werden.
- In den Regionen Serres, Magnesia und Trikala verliert die Regierungspartei einen Großteil ihrer verfügbaren Kandidaten.
Die zweite Ermittlungsakte im Fall der Agrarzahlstelle verschärft die ohnehin schwierige demoskopische Lage der konservativen Regierung in den nördlichen Landesteilen erheblich. Sollte die parlamentarische Immunität der betroffenen Abgeordneten aufgehoben werden, werden diese an ein Gericht verwiesen. Dieses Strafverfahren würde auch dann noch anhängig sein, wenn im kommenden Jahr vorgezogene Wahlen ausgerufen werden. Infolgedessen steht der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis vor einer strategischen Entscheidung. Die Parteiführung muss abwägen, ob sie Kandidaten, gegen die juristische Verfahren laufen, auf den Wahllisten belässt oder ob sie diese ausschließt. Ein Ausschluss würde jedoch die personelle Präsenz in jenen Regionen schwächen, die sich derzeit zu politischen Problemzonen für die Regierung entwickeln.
Massive personelle Ausfälle im Wahlkreis Serres und Magnesia
Im nordgriechischen Wahlkreis Serres verfügt die Nea Dimokratia aktuell über vier Mandatsträger. Gegen drei dieser Parlamentarier wird voraussichtlich verhandelt, sobald ihre Immunität offiziell aufgehoben ist. Zu den betroffenen Politikern gehören Kostas Karamanlis, der sich parallel wegen des schweren Zugunglücks von Tempi vor einem Sondergericht verantworten muss, sowie Foteini Arabatzi und Theofilos Leontaridis. Der vierte Abgeordnete der Region, Tasos Chatzivasileiou, war bereits in der Vergangenheit von seinem Amt als stellvertretender Minister aufgrund seiner Verwicklung in die erste OPEKEPE-Ermittlungsakte zurückgetreten.
Eine vergleichbar kritische Situation zeigt sich in der zentralgriechischen Region Magnesia. Dort sind zwei der drei Regierungsparlamentarier mit weitreichenden juristischen Verfahren konfrontiert. Der Abgeordnete Christos Triantopoulos steht im Zusammenhang mit den gerichtlichen Untersuchungen zur Tempi-Tragödie im Fokus der Justiz, während sein Kollege Christos Boukoros in den OPEKEPE-Skandal involviert ist. Diese anhaltenden Ausfälle in den Kernregionen mindern die politische Handlungsfähigkeit der Partei vor Ort erheblich.
Weitere Justizverfahren in Trikala, Thessaloniki und Pella
Auch im thessalischen Wahlkreis Trikala verzeichnet die griechische Regierungspartei tiefgreifende personelle Engpässe. Für zwei der drei dortigen Abgeordneten, Konstantinos Skrekas und Katerina Papakosta, liegt ein offizieller Antrag auf Aufhebung der parlamentarischen Immunität vor. Darüber hinaus ist nicht ausgeschlossen, dass auch der zuständige Minister der Region, Dimitris Papastergiou, wegen seiner Verbindung zum tödlichen Industrieunfall bei dem Unternehmen Violanta mit Ermittlungen rechnen muss. Im zweiten Wahlbezirk von Thessaloniki verbleibt die Partei nach der Involvierung des stellvertretenden Gesundheitsministers Dimitris Vartzopoulos in die Agrarsubventionsaffäre voraussichtlich mit nur einem unbelasteten Parlamentarier. Diese Lage verschärft sich weiter durch die Entscheidung des Abgeordneten Theodoros Karaoglou, bei den nächsten Wahlen für das Amt des Regionalgouverneurs in Zentralmakedonien zu kandidieren.
In der nordgriechischen Präfektur Pella waren ursprünglich drei Abgeordnete der Nea Dimokratia in das Parlament eingezogen. Bereits vor einem Jahr trat der stellvertretende Minister Dionysis Stamenitis wegen der ersten Ermittlungsakte im Fall OPEKEPE von seinem Regierungsposten zurück. Nun wird auch für den Parlamentarier Vasileios Vasileiadis die Aufhebung der Immunität zur Einleitung einer Strafverfolgung gefordert. Den Abschluss dieser juristischen Überprüfungen bildet die Region Karditsa, wo nach einem offiziellen Antrag der Justizbehörden nun auch die Immunität des Abgeordneten Kostas Tsiaras zur Disposition steht.