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Ein mobiles israelisches PULS-Artillerie-Raketensystem auf einem Militärfahrzeug in einer gebirgigen Landschaft.
Aktuelles

Militär in Griechenland: So funktioniert die neue Abwehr gegen Drohnen

Antonia Feldberg, Autorin bei GRland Deutschland
13.04.2026 13:13
Antonia Feldberg
GriechenlandPolitik
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Beispielbild (KI) | GRland
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Griechenland – Die griechische Regierung hat inmitten geopolitischer Spannungen im Nahen Osten ein weitreichendes Regierungsabkommen mit dem Staat Israel unterzeichnet. Im Zentrum dieser strategischen Vereinbarung steht der Erwerb des israelischen Artillerie-Raketensystems PULS (Precise & Universal Launching System), das die nationalen Verteidigungsfähigkeiten maßgeblich und dauerhaft verstärken soll. Dieses Waffensystem ist darauf ausgelegt, gelenkte und ungelenkte Raketen verschiedener Kaliber mit äußerster Präzision über große Entfernungen abzufeuern.

Dem formellen Vertragsabschluss gingen ein Beschluss des Regierungsrates für Auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung (KYSEA) sowie die finale Ratifizierung durch das griechische Parlament voraus. Das gesamte Rüstungsprogramm, das unter dem Namen “Schild des Achilles” firmiert, ist mit einem Gesamtbudget von drei Milliarden Euro ausgestattet. Ziel ist die Entwicklung und Integration eines mehrschichtigen Luftverteidigungsnetzes, dessen operative Philosophie stark an den israelischen “Iron Dome” angelehnt, jedoch an die spezifischen geografischen und strategischen Erfordernisse Griechenlands angepasst ist.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Das Abkommen umfasst die Beschaffung des PULS-Systems mit einem Auftragsvolumen von 650 Millionen US-Dollar.
  • Insgesamt 36 Raketensysteme werden künftig in Grenzgebieten und auf den griechischen Inseln stationiert.
  • Die griechische Rüstungsindustrie wird mit einem Anteil von mindestens 25 Prozent an dem Projekt beteiligt.
  • Das System kann Ziele auf Entfernungen von bis zu 300 Kilometern präzise bekämpfen.
  • Der Vertrag beinhaltet den uneingeschränkten Zugang zum Quellcode der eingesetzten Software.

Der “Schild des Achilles” und der Technologietransfer

Das weitreichende Verteidigungsabkommen geht weit über den reinen Ankauf von militärischer Hardware hinaus. Es umfasst den Aufbau fortschrittlicher Ortungs- und Überwachungsmittel, modernste Radarsysteme sowie die technische Fähigkeit, Bedrohungen auf mittlere und lange Distanzen abzuwehren. Sämtliche Komponenten werden durch ein zentrales Kommando- und Kontrollsystem operativ miteinander vernetzt. Von besonderer strategischer Bedeutung ist dabei die vertraglich zugesicherte Vereinbarung, dass die griechischen Streitkräfte direkten Zugriff auf den Quellcode der Systeme erhalten.

Darüber hinaus sieht der Vertragstext ein umfassendes Ausbildungsprogramm für das militärische Personal sowie einen gezielten Technologietransfer vor. Die griechische Verteidigungsindustrie wird zwingend mit einem Anteil von mindestens 25 Prozent in die Produktions- und Wartungsprozesse eingebunden. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die Stärkung der militärischen Abschreckungskapazität direkt mit dem Aufbau eines nationalen technologischen und produktiven Fundaments zu verknüpfen. Das Gesamtprogramm des PULS-Systems soll innerhalb einer Frist von vier Jahren vollständig abgeschlossen sein.

Strategische Stationierung auf den Inseln

Die Entscheidung für das israelische Raketensystem stellt einen elementaren Baustein bei der Errichtung der geplanten Schutzkuppel “Schild des Achilles” dar. Die operative Planung sieht vor, die insgesamt 36 PULS-Systeme gezielt in exponierten Grenzregionen und auf den ostägäischen Inseln zu stationieren. Diese geografische Verteilung gilt als direktes Instrument zur Erhöhung der nationalen Abschreckungsmacht in einem sensiblen maritimen Raum.

Der strategische Hintergrund dieser massiven Aufrüstung liegt in den veränderten militärischen Kräfteverhältnissen in der Region. Die Türkei hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte bei der Eigenproduktion von ballistischen Raketensystemen und hochmodernen Kampfdrohnen erzielt. Diese Entwicklung wird in Athen als eine wachsende asymmetrische Bedrohung bewertet, der nun mit der Stationierung modernster Abwehrtechnologie und weitreichender Artillerie entgegengewirkt werden soll.

Verhandlungen und weitere geplante Rüstungsprojekte

Die bilateralen Gespräche zwischen den beiden Nationen bezüglich des Raketensystems hatten bereits im Jahr 2024 begonnen. Nach der parlamentarischen Billigung im vergangenen Dezember wurde der Vertrag nun anlässlich des offiziellen Besuchs des israelischen Verteidigungsministers Israel Katz in Athen und nach dessen Konsultationen mit dem griechischen Verteidigungsminister Nikos Dendias finalisiert. Die fortlaufenden Kontakte zwischen den Verteidigungsministerien zielen jedoch auf weit mehr als dieses Einzelprojekt ab.

Das griechische Verteidigungsministerium verhandelt derzeit über den potenziellen Erwerb weiterer israelischer Hochtechnologie. Auf der Agenda stehen unter anderem die Luftabwehrsysteme Barak MX, David’s Sling und Spyder sowie das neuartige Laser-Verteidigungssystem Iron Beam. Auch bei diesen laufenden Gesprächen pocht Athen auf einen umfassenden Technologietransfer. Diese Strategie korreliert eng mit der nationalen Priorität, ein eigenständiges Verteidigungsökosystem durch das neu gegründete Hellenic Center for Defense Innovation (ELKAK) aufzubauen.

Israels Rüstungsindustrie sendet ein starkes Signal

Für Israel markiert das Abkommen nicht nur eine Vertiefung der strategischen Allianz beider Länder, sondern dient auch als globale Demonstration der Leistungsfähigkeit seiner heimischen Rüstungsindustrie. Trotz des anhaltenden Krieges gegen den Iran, der enorme logistische Ressourcen und große Mengen an Raketenbeständen verbraucht, beweist die Industrie ihre Fähigkeit zur kontinuierlichen Produktion und zum Export von modernsten Waffensystemen. Allein der Anteil für das PULS-System an diesem Abkommen beläuft sich auf 650 Millionen US-Dollar. Der ausführende Rüstungskonzern Elbit Systems, dessen Marktkapitalisierung in den letzten Monaten massiv gestiegen ist, beliefert zeitgleich die eigene Armee und bedient zahlreiche internationale Exportverträge.

Der Verteidigungsminister Israel Katz lobte das Niveau der strategischen Kooperation und betonte die Bedeutung der israelischen Rüstungsindustrie. Die Ausweitung der Produktionskapazitäten während der jüngsten Konflikte sei ein “Beweis für unsere fortschrittlichen technologischen Fähigkeiten und die hohe Nachfrage nach israelischen Systemen auf dem Weltmarkt.” Der Generaldirektor des israelischen Verteidigungsministeriums, Amir Baram, ergänzte: “Die Unterzeichnung eines wegweisenden Verteidigungsabkommens inmitten eines beispiellosen Krieges gegen den Iran beweist mehr als alles andere die technologische Leistungsfähigkeit Israels und unsere Fähigkeit, engen Verbündeten zu helfen, selbst wenn wir in Kämpfe verwickelt sind.”

Die technischen Spezifikationen des PULS-Systems

Technisch betrachtet ist PULS als ein hochgradig anpassungsfähiges, modulares System konstruiert. Es verfügt über zwei voneinander unabhängige Startbehälter (PODs). Jeder dieser Behälter kann mit einem anderen Munitionstyp bestückt werden, was den gleichzeitigen Einsatz unterschiedlicher Raketen ermöglicht. Die Abschussvorrichtungen werden auf fahrbaren 6×6- oder 8×8-Plattformen montiert, wodurch eine extrem hohe Mobilität und eine sehr schnelle Verlegung in verschiedene Einsatzgebiete gewährleistet werden.

Das Arsenal reicht von ungelenkten bis zu hochpräzisen Lenkraketen in Kalibern von 122 mm bis 370 mm. Zur Bewaffnung gehören die Accular 122 mm mit einer Reichweite von bis zu 35 Kilometern, die Accular 160 mm (bis zu 40 Kilometer) sowie schwerere Systeme wie die Extended Range Artillery (EXTRA), die Ziele in 150 Kilometern Entfernung trifft. Den maximalen Radius deckt das Predator Hawk-System mit einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern ab. Die Steuerung erfolgt durch fortschrittliche GPS/INS-Lenksysteme, die eine wetterunabhängige Zielgenauigkeit garantieren.

Ein entscheidender taktischer Vorteil des Systems liegt in seiner vollständigen Automatisierung. Ein standardisierter Feuerauftrag kann in weniger als einer Minute nach der Aktivierung ausgeführt werden. Diese sogenannte “Shoot-and-Scoot”-Fähigkeit (Feuern und Stellungswechsel) minimiert die eigene Verwundbarkeit durch feindliches Gegenfeuer drastisch. Zudem ist das System in der Lage, sogenannte Loitering Munition abzufeuern. Spezielle Drohnen vom Typ SkyStriker können für die Aufklärung, die Zielerfassung oder die direkte Bekämpfung von Hochwertzielen im dynamischen Gefechtsfeld eingesetzt werden.

TAGGED:Griechische RegierungSicherheit
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