Griechenland – Griechenland gibt zwei Millionen Barrel Treibstoff aus seinen nationalen Notreserven frei. Dieser Schritt ist Teil einer koordinierten Aktion der Internationalen Energieagentur (IEA), die weltweit insgesamt 400 Millionen Barrel auf den Markt bringt, um die rasant steigenden Energiepreise zu dämpfen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Freigabe von zwei Millionen Barrel Kraftstoff (Benzin, Diesel, Heizöl).
- Die Menge entspricht etwa acht Prozent der nationalen 90-Tage-Reserve.
- Die Markteinführung erfolgt schrittweise über drei Monate.
- Keine nationalen Engpässe; griechische Raffinerien exportieren über 50 Prozent.
Historischer Schritt auf dem Energiemarkt
Die Entscheidung zur Freigabe fiel während einer Krisensitzung im griechischen Umwelt- und Energieministerium. An dem Treffen des 25-köpfigen Krisenmanagementsausschusses nahmen unter anderem Vertreter der Raffinerien, der Kraftstoffvermarktungsunternehmen, der Streitkräfte sowie der zuständigen Ministerien teil. Die freigegebene Menge entspricht exakt der von der IEA für das Land festgelegten Quote. Laut offiziellen Angaben belaufen sich die strategischen Reserven des Landes für 90 Tage auf insgesamt rund 25 Millionen Barrel.
Der griechische Minister für Umwelt und Energie, Stavros Papastavrou, und der zuständige Minister für Energiefragen, Nikos Tsafos, haben die Vertreter der Industrie zu weiteren Gesprächen einberufen. Ziel ist es, die schrittweise Freigabe der Bestände über einen Zeitraum von drei Monaten präzise zu organisieren. Dies entspricht den strengen Vorgaben der Internationalen Energieagentur. Die erste Tranche wird unmittelbar nach der Veröffentlichung des entsprechenden Ministerialbeschlusses erwartet, der noch in dieser Woche verabschiedet werden soll. Es ist das erste Mal in der Geschichte des Landes, dass Athen auf seine strategischen Reserven zurückgreift.
Die globale Dimension der Energiekrise
Der beispiellose Eingriff ist eine direkte Folge der extrem angespannten Lage auf dem globalen Markt. Der Chef der IEA, Fatih Birol, bezeichnete die aktuelle Situation in einem Interview mit der französischen Zeitung “Le Figaro” als die schwerste Krise, die jene der Jahre 1973, 1979 und 2022 in ihrer Gesamtheit noch übertreffe. Weltweit versuchen Regierungen, durch die konzertierte Aktion den enormen Preisdruck von den Verbrauchern und der Industrie zu nehmen.
Trotz der Freigabe betonen alle involvierten Parteien in Athen nachdrücklich, dass es auf dem heimischen Markt absolut keine Versorgungsprobleme gibt. Die beiden großen griechischen Raffinerien sind zu mehr als 50 Prozent exportorientiert. Die vorgeschriebenen Reserven für 90 Tage bleiben laut Industrieangaben vollständig gesichert. Zusätzlich existieren nicht abpumpbare Reserven für weitere zehn Tage, die im äußersten Notfall mit speziellen Verfahren nutzbar gemacht werden könnten, sowie reguläre Ladungen, die den nationalen Marktbedarf für weitere zwei Monate lückenlos abdecken. Sobald die Freigabe abgeschlossen ist, beginnt vorschriftsmäßig die ebenfalls dreimonatige Phase der Wiederauffüllung.
Europaweite Auswirkungen und Engpässe
Im europäischen Vergleich fällt die griechische Beteiligung naturgemäß gering aus, da sie sich an den nationalen Verbrauchszahlen orientiert. Die Europäische Union verbraucht täglich etwa 10,5 Millionen Barrel Öl, was rund zehn Prozent der weltweiten Nachfrage entspricht. Die weitaus größten Abnehmer sind Deutschland mit 2,3 Millionen Barrel, Frankreich mit 1,6 Millionen und Italien mit 1,3 Millionen Barrel. Die gesamten Notfallreserven der EU belaufen sich auf rund 100 Millionen Barrel, bestehend aus einer Mischung von Rohöl, Diesel und Benzin.
Zwanzig der 27 EU-Mitgliedstaaten beteiligen sich an der Freigabeaktion und stellen insgesamt 91,7 Millionen Barrel zur Verfügung, was fast einem Viertel der globalen IEA-Aktion entspricht. Deutschland steuert 19,5 Millionen Barrel bei, gefolgt von Frankreich (14,6), Spanien (11,6) und Italien (10). Energieanalysten gehen davon aus, dass die nun freigegebenen Mengen für etwa fünf Monate ausreichen werden. Unterdessen entwickelt sich die Versorgungslage in den Mitgliedstaaten je nach Energieprofil sehr unterschiedlich. In Italien kam es an sieben Flughäfen, darunter Mailand, Bologna, Venedig, Treviso, Brindisi, Pescara und Reggio Calabria, zu konkreten Engpässen bei Flugzeugtreibstoff.
In Frankreich meldete die stellvertretende Energieministerin Maud Bregeon, dass nach dem Osterwochenende an etwa 18 Prozent der Tankstellen mindestens eine Kraftstoffart fehlte. Sie brachte die Engpässe mit einem massiv erhöhten Kundenaufkommen bei der Kette Totalenergies in Verbindung, wo eine Preisobergrenze gilt. Bei Tankstellen außerhalb dieses Netzwerks lag die Quote der leeren Zapfsäulen bei lediglich vier Prozent. Auch in Slowenien und Kroatien wurden bereits ernsthafte Engpässe registriert; Slowenien führte sogar eine Kraftstoffrationierung ein. Griechenland müsste im Falle bindender EU-Beschlüsse gemeinsame Maßnahmen mittragen, selbst wenn national keine Knappheit herrscht.
Sicherung der Stromversorgung über die Feiertage
Neben dem Ölmarkt steht auch das nationale Stromnetz im Fokus der Behörden. Das Energieministerium plant fortlaufende Krisensitzungen mit der Regulierungsbehörde RAAEY und den Netzbetreibern DESFA, ADMIE und DEDDIE sowie verschiedenen Gasversorgern und Stromproduzenten. Der Grund dafür ist die drohende Instabilität des Stromsystems während der Osterfeiertage.
Eine Kombination aus sehr hoher Stromproduktion durch erneuerbare Energien und gleichzeitig extrem geringer Nachfrage während der Feiertage gefährdet die Netzstabilität zunehmend. Um einen weitreichenden Stromausfall zu verhindern, müssen die Betreiber voraussichtlich grüne Energie drosseln und aus dem Netz nehmen. Da die Integration erneuerbarer Energien rasant voranschreitet, der Ausbau der notwendigen Speicherkapazitäten jedoch verzögert erfolgt, verschärft sich dieses strukturelle Problem von Jahr zu Jahr erheblich.