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Eine Zapfsäule an einer griechischen Tankstelle zeigt hohe Kraftstoffpreise, während ein Autofahrer tankt.
Aktuelles

Griechenland: Benzinpreise steigen um 20 Prozent in einem Monat

Antonia Feldberg, Autorin bei GRland Deutschland
05.04.2026 19:06
Antonia Feldberg
GriechenlandPolitik
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Beispielbild (KI) | GRland
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Griechenland – Die Kraftstoffpreise in der Hellenischen Republik verzeichnen derzeit einen dramatischen Anstieg, der sowohl die privaten Haushalte als auch die gesamte Wirtschaft massiv unter Druck setzt. Innerhalb eines einzigen Monats nach Beginn der jüngsten kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten sind die Kosten für bleifreies Benzin um beinahe 20 Prozent in die Höhe geschossen. Gleichzeitig verzeichnet das für den Transportsektor essenzielle Dieselkraftstoff Preissteigerungen von über 30 Prozent. Die Kombination aus globalen geopolitischen Krisen und einer extrem hohen nationalen Steuerbelastung katapultiert die griechischen Kraftstoffpreise an die Spitze der europäischen Preistabellen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bleifreies Benzin in Griechenland ist aktuell das viertteuerste in der gesamten Europäischen Union.
  • Der Preis für Heizöl ist innerhalb eines Monats um beispiellose 47,50 Prozent gestiegen.
  • Die Unabhängige Behörde für Marktkontrolle verhängte Strafen in Höhe von 105.000 Euro gegen Tankstellen auf Rhodos und in Attika.
  • Der griechische Staat rechnet in diesem Jahr mit Einnahmen von über 6,34 Milliarden Euro allein aus Energiesteuern.
  • Die Griechische Regierung startet die Plattform für den “Fuel Pass”, um Verbraucher mit bis zu 60 Euro zu entlasten.

Globale Konflikte treiben die Rohölpreise massiv in die Höhe

Die internationalen Energiemärkte reagieren äußerst nervös auf die anhaltenden Spannungen. In den vergangenen Tagen bewegte sich der Preis für Rohöl der Sorte Brent erneut auf einem sehr hohen Niveau. Zum Ende der Handelswoche verzeichnete Brent einen Anstieg von acht Prozent und notierte bei 109 US-Dollar pro Barrel. Das amerikanische Rohöl zeigte hingegen einen minimalen Rückgang von 0,40 Prozent, blieb aber stabil bei über 111 US-Dollar pro Barrel.

Seit dem Beginn des Konflikts im Nahen Osten am 28. Februar und der temporären Schließung der strategisch wichtigen Straße von Hormus haben sich die Preise für Brent-Rohöl in der Spitze um bis zu 50 Prozent erhöht. In der Zwischenzeit erreichten die Notierungen zeitweise sogar die kritische Marke von 120 US-Dollar pro Barrel. Die Europäische Union bereitet sich vor diesem Hintergrund auf einen anhaltenden Energieschock vor und prüft weitreichende Interventionen, die von der Einführung von Kraftstoffrationierungen bis hin zur Freigabe weiterer strategischer Ölreserven reichen.

Der EU-Energiekommissar Dan Jørgensen äußerte sich gegenüber der Finanzpresse deutlich zur aktuellen Lage: “Die durch den Konflikt im Nahen Osten entstehende Krise wird voraussichtlich andauern und die Energiepreise über einen langen Zeitraum auf einem hohen Niveau halten.”

Griechische Autofahrer zahlen die vierthöchsten Preise Europas

Die massiven Erhöhungen auf dem Weltmarkt wurden von den griechischen Raffinerien und Vertriebsgesellschaften unmittelbar an die Endverbraucher weitergegeben. Aktuelle Daten der Plattform Global Petrol Prices belegen, dass bleifreies Benzin in Griechenland derzeit weltweit den neunthöchsten Preis aufweist. Innerhalb der Eurozone liegt das Land auf dem dritten Platz hinter den Niederlanden und Deutschland. Betrachtet man die gesamte Europäische Union, rangiert Griechenland auf dem vierten Platz, übertroffen lediglich von den Niederlanden, Dänemark und der Bundesrepublik.

Beim Dieselkraftstoff belegt der griechische Markt den 17. Platz im weltweiten Vergleich. Diese internationale Platzierung verdeutlicht die enorme wirtschaftliche Belastung für die Bürger. Während Länder an der Spitze der Preistabelle, wie Dänemark oder Deutschland, über ein deutlich höheres Pro-Kopf-Einkommen verfügen, trifft die Preisexplosion in Griechenland auf eine Bevölkerung mit vergleichsweise geringerer Kaufkraft. Dies macht die täglichen Mobilitätskosten zu einem kritischen Faktor für den sozialen Zusammenhalt.

Rekordanstieg bei Heizöl und Autogas innerhalb weniger Wochen

Das offizielle griechische Preisobservatorium dokumentiert eine beispiellose Preisrallye bei sämtlichen Kraftstoffarten. Die Auswertung der nationalen Durchschnittspreise zwischen Ende Februar und Anfang April zeigt das Ausmaß der Teuerung in absoluten Zahlen. Der durchschnittliche Preis für bleifreies Benzin mit 95 Oktan stieg von 1,751 Euro auf 2,06 Euro pro Liter. Dies entspricht einer Erhöhung um 30,9 Cent beziehungsweise 17,65 Prozent. Das teurere Super Plus (100 Oktan) kletterte von 1,956 Euro auf 2,273 Euro pro Liter, was einem Plus von 16,21 Prozent entspricht.

Noch dramatischer stellt sich die Situation bei den Dieselkraftstoffen dar. Der Preis für Fahrzeugdiesel stieg um beachtliche 51,3 Cent von 1,565 Euro auf 2,078 Euro pro Liter, was einer Steigerung von 32,78 Prozent entspricht. Auch das oft als günstige Alternative genutzte Autogas (LPG) verteuerte sich um 31,48 Prozent von 1,045 Euro auf 1,374 Euro pro Liter.

Den historisch stärksten Preissprung verzeichnete jedoch das dringend benötigte Heizöl. Hier explodierte der Preis von 1,179 Euro auf 1,739 Euro pro Liter. Dieser Anstieg von 56 Cent entspricht einer Steigerung von 47,50 Prozent und markiert einen absoluten Rekordwert für diese Jahreszeit, was bei vielen Familien große Existenzängste im Hinblick auf die kommenden kalten Monate auslöst.

Hohe Geldstrafen für Tankstellen wegen illegaler Gewinnmargen

Um der galoppierenden Inflation an den Zapfsäulen entgegenzuwirken, hat die Griechische Regierung bereits am 12. März einen gesetzlichen Preisdeckel für die Gewinnmargen im Kraftstoffhandel eingeführt. Diese Verordnung ist bis zum 30. Juni befristet. Den Mineralölunternehmen ist es untersagt, auf den Einkaufspreis der Raffinerien einen Aufschlag von mehr als fünf Cent pro Liter für Benzin (95 Oktan) und Diesel zu erheben. Für die Tankstellenbetreiber selbst gilt eine absolute Obergrenze von 12 Cent pro Liter beim Weiterverkauf an den Endkunden.

Für die zahlreichen griechischen Inselregionen gelten spezifische Sonderregelungen. Hier dürfen die Vertriebsgesellschaften zusätzliche Logistik- und Transportkosten aufschlagen, die durch separate Ministererlasse genau definiert werden. Dennoch erweist sich dieser Preisdeckel in der Praxis oft als wirkungslos.

Die Unabhängige Behörde für Marktkontrolle und Verbraucherschutz deckte jüngst massive Verstöße gegen diese Vorgaben auf. Insgesamt wurden Bußgelder in Höhe von 105.000 Euro verhängt. Auf der Insel Rhodos wurden zwei Drittel aller Tankstellen kontrolliert. Bei der Hälfte der überprüften Betriebe wurden erhebliche Überschreitungen der gesetzlichen Gewinnmargen sowohl bei Benzin als auch bei Diesel festgestellt. Zudem trugen viele Betreiber ihre aktuellen Preise nicht in das staatliche Preisobservatorium ein. Allein auf Rhodos wurden 13 Tankstellen mit Strafen in Höhe von 65.000 Euro belegt. In der Hauptstadtregion Attika wurden in der Vorwoche acht Tankstellen wegen ähnlicher Vergehen mit insgesamt 40.000 Euro sanktioniert.

Digitale Tankkarte und Diesel-Subventionen treten in Kraft

Angesichts der eskalierenden Lage hat das Wirtschaftsressort umfangreiche Entlastungsmaßnahmen in die Wege geleitet. Ab Anfang April greift eine direkte staatliche Subventionierung von Dieselkraftstoff. Bereits an den Raffinerien wird der Preis um 16 Cent pro Liter gestützt. Unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuer führt dies zu einer tatsächlichen Preisreduktion von etwa 19 bis 20 Cent pro Liter an der Zapfsäule. Diese Maßnahme ist vorerst bis zum 30. April befristet, wobei sich das Finanzministerium eine Verlängerung bei anhaltender Krise ausdrücklich vorbehält.

Parallel dazu aktiviert der Staat im April die digitale Antragsplattform für den sogenannten “Fuel Pass”. Anspruchsberechtigte Bürger können über dieses Online-System eine finanzielle Unterstützung zwischen 50 und 60 Euro für die Monate April und Mai beantragen. Diese Mittel können direkt über das Smartphone an den Kassenterminals der Tankstellen zur Begleichung der Kraftstoffrechnung eingesetzt werden.

Steuern machen mehr als die Hälfte des Benzinpreises aus

Der Branchenverband der griechischen Tankstellenpächter fordert seit langem vehement eine drastische Senkung der Sonderverbrauchsteuer (EFK), die als Hauptursache für das im europäischen Vergleich extreme Preisniveau gilt. Der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis hatte kürzlich auf einer Wirtschaftskonferenz die Möglichkeit einer solchen Steuersenkung theoretisch in Betracht gezogen. Er knüpfte diesen Schritt jedoch zwingend an eine geschlossene paneuropäische Entscheidung aller Mitgliedsstaaten zur Deckung der daraus resultierenden fiskalischen Lücken. Bei der Vorstellung der jüngsten nationalen Maßnahmen wurde diese Option vom Wirtschaftsstab jedoch endgültig ausgeschlossen.

Eine detaillierte Aufschlüsselung der Preisstruktur bei einem Endverbraucherpreis von 1,919 Euro pro Liter zeigt die enorme Steuerbelastung: Der reine Raffineriepreis beträgt lediglich 0,706 Euro (36,8 Prozent). Die Gewinnmarge der Vertriebsgesellschaften liegt bei 0,04 Euro (2,1 Prozent), während die Tankstelle 0,097 Euro (5,1 Prozent) einbehält.

Der Löwenanteil fließt direkt in die Staatskasse. Mit einer festen Sonderverbrauchsteuer von 0,70 Euro pro Liter Benzin und einer darauf aufbauenden Mehrwertsteuer von 24 Prozent (etwa 0,40 Euro) kassiert der Fiskus rund 1,10 Euro pro verkauftem Liter. Die staatlichen Abgaben machen somit exakt 56 Prozent des Gesamtpreises aus. Das griechische Finanzministerium plant, im laufenden Jahr mehr als 6,34 Milliarden Euro aus der Besteuerung von Energieprodukten einzunehmen. Davon entfallen allein 2,124 Milliarden Euro auf die Mehrwertsteuer auf Mineralöle, 2,095 Milliarden Euro auf die Benzinsteuer und 1,515 Milliarden Euro auf die Dieselsteuer.

TAGGED:Europäische UnionGriechische RegierungInflationLebenshaltungskosten
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