Jerusalem – Raketentrümmer abgefangener iranischer ballistischer Flugkörper sind in der Altstadt von Jerusalem nahe der Grabeskirche niedergegangen. Dieser Vorfall weckt ernsthafte Bedenken hinsichtlich der sicheren Durchführung der jahrhundertealten Zeremonie des Heiligen Feuers am bevorstehenden orthodoxen Osterfest und der anschließenden logistischen Überführung der Flamme nach Griechenland.
Die Grabeskirche, die sich im christlichen Viertel der Jerusalemer Altstadt befindet, birgt die heiligsten Stätten des Christentums, darunter den Hügel Golgatha und das leere Grab Jesu Christi. Am 17. Tag der kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Iran ereignete sich ein massiver Angriff. Israelische Verteidigungssysteme fingen eine Salve iranischer ballistischer Raketen über Jerusalem ab. Die herabfallenden Trümmerteile verteilten sich nach Angaben der örtlichen Behörden über verschiedene Gebiete der Stadt. Die örtliche Feuerwehr teilte mit, dass ein größeres Raketenteil ein Wohnhaus in Ostjerusalem getroffen und Sachschäden verursacht habe, ohne jedoch Personen zu verletzen. Wie israelische Medien übereinstimmend berichten, wurden weitere Überreste in der Nähe der israelischen Nationalbibliothek und der Knesset sowie in unmittelbarer Nähe der Grabeskirche in der historischen Altstadt entdeckt.
Ungewisse Aussichten für das orthodoxe Osterfest
Diese militärische Eskalation löst bei Millionen von Gläubigen weltweit, insbesondere in Griechenland, tiefe Besorgnis aus. Die Grabeskirche ist fest mit dem Ritual der Entzündung des Heiligen Feuers verbunden, einem zentralen Element der orthodoxen Osterfeierlichkeiten. Die anhaltenden Kampfhandlungen werfen drängende Fragen für den Karsamstag am 11. April auf, an dem sich traditionell Tausende von Menschen an dieser Pilgerstätte versammeln.
Es bleibt völlig unklar, ob die israelische Regierung unter den gegenwärtigen Umständen eine derart große Menschenansammlung zulassen wird. Zudem ist die operative Sicherheit des internationalen Flughafens Ben Gurion nicht garantiert. Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, steht die sichere Abfertigung der Sonderflüge, die das Heilige Feuer transportieren sollen, infrage. Dies könnte dazu führen, dass die physische Flamme zum ersten Mal seit der Institutionalisierung des organisierten Transfers im Jahr 1988 nicht nach Griechenland reisen kann.
Der logistische Weg der heiligen Flamme
Die Überführung des Heiligen Feuers von Jerusalem nach Griechenland ist ein hochgradig organisierter Prozess, der kirchliche Traditionen mit staatlicher Koordination verbindet. Die Zeremonie beginnt am Grab Jesu, wo der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem die Flamme entzündet und an die anwesenden Gläubigen weitergibt. Unmittelbar danach wird das Feuer in spezielle Sicherheitslampen umgefüllt und an eine Delegation übergeben, die aus Vertretern der griechischen Regierung und der Kirche besteht.
Diese Delegation übernimmt den Transport zum Flughafen Ben Gurion. Dort wird die Flamme in speziellen, kontinuierlich brennenden Sicherheitslaternen in die Passagierkabine eines Flugzeugs gebracht. In der Vergangenheit kamen für diese Charterflüge sowohl zivile Fluggesellschaften wie Aegean Airlines als auch Maschinen der griechischen Luftwaffe zum Einsatz. Während des Fluges wird die Kabinenbeleuchtung in der Regel gedimmt, was die symbolische Bedeutung der von Klerikern und Delegationsmitgliedern begleiteten Flamme unterstreicht.
Landesweite Verteilung in der Osternacht
Nach der Landung auf dem internationalen Flughafen von Athen am späten Nachmittag des Karsamstags findet eine offizielle Empfangszeremonie statt, bei der ein Regierungsvertreter das Heilige Feuer an die Führung der Kirche von Griechenland übergibt. Seit dem Jahr 2002 hat der griechische Staat die offizielle Koordination dieses landesweiten Netzwerks in Zusammenarbeit mit der Kirche übernommen.
Unmittelbar nach der Ankunft in der Hauptstadt wird die Flamme auf weitere Sicherheitslaternen aufgeteilt und durch Sonderflüge sowie reguläre Linienflüge im ganzen Land verteilt. Zu den angeflogenen Zielen gehören große Regionalflughäfen in Städten wie Thessaloniki, Heraklion, Chania, Rhodos, Korfu, Mytilini, Ioannina, Kos, Santorin, Mykonos, Kalamata und Alexandroupoli. Von diesen Knotenpunkten aus übernehmen Vertreter der lokalen Metropolien den weiteren Transport. Mit Fahrzeugen wird das Heilige Feuer in die einzelnen Pfarreien, Städte und abgelegenen Dörfer gebracht, um sicherzustellen, dass es den Gläubigen rechtzeitig zur Auferstehungsliturgie um Mitternacht zur Verfügung steht.