Griechenland – Der griechische Glücksspielmarkt entwickelt sich zunehmend zu einem der teuersten Sektoren für Online-Wetten innerhalb Europas. Eine immense Steuerbelastung für Anbieter und Endkunden führt dazu, dass Nutzer vermehrt auf unregulierte Plattformen abwandern. Einer aktuellen wissenschaftlichen Untersuchung der Universität Peloponnes zufolge, erwägen drei von vier Spielern einen Wechsel zum illegalen Glücksspiel. Hauptgründe für diese alarmierende Entwicklung sind die enormen finanziellen Abgaben sowie die unkomplizierte Abwicklung von Zahlungen außerhalb der strikten staatlichen Aufsicht.
Das Wichtigste auf einen Blick
- 75 Prozent der Online-Spieler könnten laut Studie in den illegalen Markt wechseln.
- Der Gesamtumsatz der legalen Branche stieg im Jahr 2024 auf 15,6 Milliarden Euro.
- Der Staat verzeichnete 2024 Steuereinnahmen in Höhe von 1,026 Milliarden Euro.
- Ein striktes Doppelbesteuerungsmodell belastet Bruttospielerträge und Nutzergewinne.
- Ab dem 1. Juli 2026 treten drastische Steuererhöhungen für Online-Casinos in Kraft.
Rekordumsätze und ein striktes Doppelbesteuerungsmodell
Trotz der hohen Abgabenlast setzte der regulierte Markt im vergangenen Jahr seinen massiven Wachstumskurs fort. Die offiziellen Daten zeigen, dass der Gesamtumsatz der Branche im Jahr 2024 auf 15,6 Milliarden Euro anstieg. Dies entspricht einem deutlichen Zuwachs von 8,5 Prozent gegenüber den 14,4 Milliarden Euro aus dem Jahr 2023. Parallel dazu kletterten die Bruttospielerträge der lizenzierten Betreiber um elf Prozent auf insgesamt 2,88 Milliarden Euro. Der Fiskus profitiert von dieser wirtschaftlichen Dynamik überproportional stark.
Die direkten Staatseinnahmen aus dem Sektor wuchsen von 885 Millionen Euro im Jahr 2023 auf beachtliche 1,026 Milliarden Euro im Jahr 2024 an, was einem Plus von 16 Prozent entspricht. Auch in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 setzte sich dieser Trend ungebrochen fort. In diesem Zeitraum erreichte der Umsatz bereits 12,02 Milliarden Euro. Die Einnahmen des Staates aus Gebühren und direkten Spielersteuern beliefen sich auf 836,42 Millionen Euro. Ein zentraler Treiber dieser massiven fiskalen Einnahmen ist das in Griechenland etablierte Modell der Doppelbesteuerung. Zunächst müssen die Betreiber von Online-Casinos und Sportwetten eine feste Steuer von 35 Prozent auf ihre Bruttospielerträge abführen.
Komplexe Steuerstaffelungen für Spieler und neue Regeln ab 2026
Zusätzlich zu den Unternehmensabgaben greift der Staat auch bei den individuellen Gewinnen der Nutzer direkt zu. Bei den Online-Casinos bleiben lediglich Erträge bis zu einem Betrag von 100 Euro steuerfrei. Für Gewinne zwischen 100,01 und 500 Euro wird ein Steuersatz von 15 Prozent fällig. Sobald der Gewinn die Schwelle von 500 Euro überschreitet, behält der Staat 20 Prozent ein. Bei den digitalen Sportwetten existiert eine eigene, feingliedrige Struktur. Auch hier gilt ein steuerfreier Freibetrag bis 100 Euro.
Anschließend steigt die Belastung progressiv an. Es gelten 2,5 Prozent für Beträge bis 200 Euro, fünf Prozent bis 500 Euro und 7,5 Prozent für alle darüber hinausgehenden Gewinne. Diese ohnehin straffe Regulierung wird sich in naher Zukunft weiter verschärfen. Ab dem 1. Juli 2026 erhöht die griechische Regierung die Besteuerung der Spieler in Online-Casinos drastisch. Für Gewinne in der mittleren Kategorie steigen die Abgaben auf 20 Prozent. Alle Erträge über 500 Euro werden künftig mit 30 Prozent besteuert. Der Staat kalkuliert durch diese Maßnahme mit zusätzlichen jährlichen Einnahmen in Höhe von 100 Millionen Euro.
Griechischer Sonderweg im europäischen Vergleich
Ein direkter Blick auf andere europäische Märkte verdeutlicht die harte Gangart der griechischen Behörden. In Kroatien liegt die Steuer auf die Bruttospielerträge für Casino-Angebote bei 15 Prozent, für Spielautomaten bei 25 Prozent und für Sportwetten bei lediglich fünf Prozent. Eine zusätzliche Besteuerung der Spielergewinne im Online-Casino existiert dort faktisch nicht. In Rumänien beträgt die Unternehmenssteuer 21 Prozent, während die direkten Abgaben für Spieler erst bei deutlich höheren Summen greifen.
Noch investorenfreundlicher zeigt sich Slowenien, wo der Staat lediglich fünf Prozent von den Erträgen einbehält und Nutzer erst ab einem Gewinn von 300 Euro eine Steuer von 15 Prozent entrichten müssen. Selbst im stark regulierten britischen Markt, wo die Abgabenlast für Betreiber im Jahr 2026 auf 40 Prozent steigen wird, bleiben die individuellen Gewinne der Spieler völlig unangetastet. Griechenland gehört somit zu den wenigen europäischen Nationen, die eine extrem hohe Anbietersteuer mit einer direkten und niedrigschwelligen Besteuerung der Kunden kombinieren.
Unregulierte Netzwerke und die Gefahr des Kontrollverlusts
Das Resultat dieser fiskalischen Politik ist ein Erstarken des illegalen Sektors. Die akademische Auswertung der Universität hebt hervor, dass unlizenzierte Plattformen gezielt internationale Zahlungsdienstleister und Firmensitze im Ausland nutzen. Durch diese bewusste Verschleierungstaktik werden die Finanztransaktionen der Nutzer nicht als Glücksspielaktivitäten erkannt. Dem Staat entgehen dadurch nicht nur potenzielle Steuereinnahmen, sondern auch jegliche Transparenz über den Geldfluss. Ein effektiver Abgleich mit den deklarierten Einkommen der Bürger ist somit faktisch unmöglich.
Besonders problematisch ist in diesem Zusammenhang der fehlende Schutz für vulnerable Personen, da das Spielverhalten im Schattenmarkt nicht überwacht werden kann. Die zuständigen Behörden versuchen zwar, den Zugang zu sperren, doch die Betreiber illegaler Webseiten reagieren schnell. Nach einer gezielten Blockade weichen sie umgehend auf neue Domainnamen aus und passen sich den staatlichen Kontrollmechanismen an. Solange der regulierte Markt derart stark belastet bleibt, wächst der Anreiz für die Spieler, in die schwer zu überwachende Illegalität auszuweichen.