Griechenland – Am Karfreitag, dem strengsten Trauertag der orthodoxen Kirche, organisiert die Griechische Atheisten-Union öffentliche Abendessen mit Fleischgerichten. Die sogenannten “Sichtbaren Abendmahle” finden zeitgleich in vier griechischen Städten statt. Ziel der Veranstalter ist es, sich ohne religiöse Einschränkungen zu treffen und den Tag bewusst abseits kirchlicher Traditionen zu verbringen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Treffen finden am Karfreitag in Athen, Thessaloniki, Serres und Volos statt.
- Die Veranstaltungen richten sich an Atheisten und Agnostiker.
- In Athen und Serres treffen sich die Teilnehmer in klassischen Souvlaki-Restaurants.
- In Volos ist ein traditionelles Ouzeri als Veranstaltungsort geplant.
- In Thessaloniki dient der Kamara-Bogen als zentraler Sammelpunkt für die Gruppe.
Die Botschaft hinter dem “Sichtbaren Abendmahl”
Die Atheisten-Union nutzt ihre offizielle Facebook-Seite, um gleichgesinnte Bürger zu den Veranstaltungen einzuladen. Die Treffen richten sich explizit an Atheisten, Agnostiker und Personen mit ähnlichen säkularen Weltanschauungen. Die offizielle Ankündigung formuliert einen klaren Anspruch: Man wolle sich kennenlernen, diskutieren und essen, worauf man Appetit habe. Dabei betonen die Organisatoren, dass diese Zusammenkünfte völlig frei von Einschränkungen durch übernatürliche Wesen stattfinden sollen.
In der griechisch-orthodoxen Tradition gilt der Karfreitag als Tag der absoluten Trauer und des strengen Fastens. An diesem Tag verzichten gläubige Christen landesweit vollständig auf Fleisch, Milchprodukte und oft sogar auf Olivenöl. Die Atheisten-Union setzt diesem religiösen Rahmen einen bewussten Kontrast entgegen. In der Erklärung heißt es, dass manche Menschen zwar die religiöse Trauer wählten, sich die Gruppe jedoch für die Schönheit der Gemeinschaft entscheide. Im Zentrum der abendlichen Tischgespräche sollen die Errungenschaften der Wissenschaft und die gesellschaftliche Bedeutung des Rationalismus stehen.
Veranstaltungsorte und individuelle Menüauswahl
Das Konzept des “Sichtbaren Abendmahls” – ein rhetorisches Wortspiel mit dem geheimen “Letzten Abendmahl” der Bibel – setzt auf eine lockere Atmosphäre in alltäglichen gastronomischen Betrieben. Laut den veröffentlichten Programmen der Union variieren die Treffpunkte je nach Stadt. In der Hauptstadt Athen sowie in der nordgriechischen Stadt Serres haben die Organisatoren klassische Souvlaki-Restaurants für ihre Fleisch-Dinner ausgewählt. In der Küstenstadt Volos findet das Treffen hingegen in einem traditionellen Ouzeri statt.
Eine abweichende organisatorische Lösung gibt es in Thessaloniki. Dort versammeln sich die Teilnehmer zunächst am historischen Kamara-Bogen im Stadtzentrum. Von diesem bekannten Treffpunkt aus wird die Gruppe anschließend gemeinsam ein Lokal aufsuchen. Jeder Teilnehmer kann bei den Treffen völlig frei entscheiden, was er bestellt. Die Atheisten-Union betont in ihrem Aufruf, dass die Speisenwahl ausschließlich auf den persönlichen Ernährungsvorlieben der Gäste basieren soll, unabhängig von religiösen Fastenregeln und gesellschaftlichen Erwartungen.