Griechenland – Der Seismologe Akis Tselentis warnt vor möglichen weitreichenden Erdbeben in Griechenland, die massive Auswirkungen auf die Infrastruktur haben könnten. Nach einer Reihe jüngster seismischer Ereignisse rücken speziell weit entfernte Erschütterungen und deren Folgen für großflächige Konstruktionen in den Fokus der Beobachtungen.
Tselentis teilt über soziale Netzwerke mit, dass sich die Hauptrisikozone am Hellenischen Bogen befindet. In dieser Region kollidiert die eurasische Erdplatte südlich von Kreta mit der afrikanischen Platte. Laut dem Experten bestehe langfristig die ernsthafte Gefahr, dass Beben mit einer Stärke von 7,5 bis 8,0 auf der Richterskala auftreten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Am Hellenischen Bogen sind Erdbeben mit einer Stärke von bis zu 8,0 möglich.
- Niedrigfrequente seismische Wellen gefährden Bauwerke über große Distanzen.
- Besonders hohe Gebäude, Brücken, Gaspipelines und Windkraftanlagen sind betroffen.
- Historische Beben in Athen zeigen unterschiedliche Schadensbilder je nach Herdtiefe.
Gefahr durch Oberflächenwellen und Resonanzen
Besonders anfällig für diese Art von Naturereignissen seien hohe Gebäude, große Brücken, Gaspipelines sowie Windkraftanlagen. Der Seismologe erklärt, dass seismische Wellen, die weite Strecken durch den Erdmantel zurücklegen, ihre hohen Frequenzen einbüßen. Übrig bleiben langperiodische, niedrigfrequente Schwingungen, die laut Tselentis speziell bei hohen Bauwerken gefährliche Resonanzen auslösen können.
Als anschauliches Beispiel nennt der Experte einen Vorfall in Bangkok, bei dem Wolkenkratzer in einer Entfernung von 1.400 Kilometern vom Epizentrum einstürzten. Zudem entstünden bei Erdbeben mit sehr geringer Herdtiefe spezielle Oberflächenwellen. Diese breiten sich über gewaltige Distanzen aus und verursachen weitreichende, niederfrequente Schwankungen ohne die für lokale Beben typischen, extrem hohen Beschleunigungswerte.
Die Auswirkungen auf die griechische Hauptstadt
Dieses physikalische Phänomen der unterschiedlichen Wellenausbreitung erklärt die abweichenden Schadensbilder vergangener Erdbeben im Raum Athen. Bei dem starken Erdbeben im Jahr 1981 wurden hauptsächlich die obersten Stockwerke von Hochhäusern beschädigt. Im direkten Gegensatz dazu traf das Beben von 1999 vor allem Einfamilienhäuser und die unteren Etagen von mehrstöckigen Gebäuden, welche den hochfrequenten Nahwellen nicht standhielten.
Ein weiteres markantes Beispiel für weitreichende Erschütterungen war das Erdbeben der Stärke 7 bei Kythira im Jahr 2006. Damals war das Ereignis im nahezu gesamten Land spürbar. Selbst in der über 200 Kilometer entfernten Hauptstadt führte die langperiodische Bodenbewegung dazu, dass in hochgelegenen Wohnungen kleine Gegenstände aus Regalen stürzten.