Griechenland – Das Sturmtief Erminio hat das Land erreicht und zwingt die Behörden zu massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Der Griechische Wetterdienst (EMY) hat für weite Teile des Landes die höchste rote Warnstufe ausgerufen, da extreme Regenfälle, Hagel und orkanartige Böen erwartet werden.
In der Hauptstadt Athen setzten die ersten starken Niederschläge bereits in den frühen Morgenstunden des Mittwochs ein. Die Situation erfordert laut offiziellen Prognosen in den kommenden Stunden landesweit höchste Wachsamkeit.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Rote Warnstufe für Attika, Ost-Sterea, Euböa, Thessalien, die Sporaden und den Dodekanes.
- Evakuierungs- und Warnmeldungen über die Notrufnummer 112 in Arkadien, Lakonien, Korinthia und Argolis.
- Orkanböen von bis zu 10 Beaufort im Bereich des Dodekanes erwartet.
- Zahlreiche Schulen auf den Kykladen, dem Dodekanes sowie in Teilen von Euböa und Attika bleiben geschlossen.
- Starke Konzentrationen von Saharastaub beeinträchtigen die Sicht und Luftqualität im Süden des Landes.
Rote Warnstufe und präventive Maßnahmen der Behörden
Die nationale Wetterbehörde hat ihr amtliches Notfallbulletin für gefährliche Wetterereignisse am Mittwoch aktualisiert. Demnach befinden sich neben Attika auch die Regionen der östlichen Sterea, Euböa, Thessalien, die Sporaden und der Dodekanes unter roter Warnstufe. Am Donnerstag wird diese Warnung zudem auf die Insel Kreta ausgeweitet, wo die Unwetterfront mit voller Intensität eintreffen soll.
Um die Bevölkerung vor den drohenden Gefahren zu schützen, wurde über das europäische Notrufsystem 112 eine dringende Warnung an die Einwohner von Arkadien, Lakonien, Korinthia und Argolis verschickt. Die zuständigen Zivilschutzbehörden fordern die Bürger nachdrücklich auf, sämtliche unnötigen Fahrten und Bewegungen im Freien strikt einzuschränken. Gleichzeitig werden in den Gebirgszügen von Epirus und Makedonien dichte Schneefälle verzeichnet.
Aufgrund der extremen Wetterlage haben die lokalen Verwaltungen weitreichende Schulschließungen für Mittwoch, den 1. April 2026, angeordnet. Komplett geschlossen bleiben die Bildungseinrichtungen auf den Kykladen und dem Dodekanes. Ebenso ruht der Präsenzunterricht in den Gemeinden Mandoudi-Limni-Agia Anna auf Euböa, in der Gemeinde Karditsa sowie in Markopoulo und Saronikos in der Region Attika. Auch die Abendschulen in Attika setzen den Betrieb aus. Das Griechische Bildungsministerium teilte mit, dass der Unterricht in den betroffenen Gebieten nahtlos auf digitalen Fernunterricht umgestellt wird.
Extreme Regenmengen bedrohen die Hauptstadtregion
Besondere Sorge bereitet den Experten die Lage im Großraum Athen. Ein griechischer Meteorologe warnte, dass in Attika innerhalb weniger Stunden eine Niederschlagsmenge fallen könne, die dem Durchschnitt von drei Monaten entspreche. Es würden bis zu 100 Millimeter Regen erwartet, was die Gefahr von plötzlichen Überschwemmungen drastisch erhöhe.
Die intensivsten Regenfälle werden ab den Mittagsstunden vor allem in den nördlichen und östlichen Teilen der Präfektur erwartet. Den offiziellen Prognosen zufolge sind insbesondere die Gebiete der Mesogeia, darunter Koropi und Spata, sowie Pikermi, Nea Makri und Rafina stark gefährdet. Die Bevölkerung in diesen Zonen ist aufgerufen, sich auf lokale Überflutungen und erhebliche Verkehrsstörungen einzustellen.
Die amtlichen Warnungen umfassen orange und rote Alarmstufen für nahezu das gesamte Staatsgebiet. Während die Ionischen Inseln und die südwestliche Peloponnes mit einer orangen Warnung belegt sind, gilt für die östliche Peloponnes bis spät in die Nacht die rote Stufe. Auch in Pieria, den Kykladen und den Inseln der Ost-Ägäis wird mit heftigen Gewittern gerechnet.
Orkanböen und Saharastaub im Ägäischen Meer
Parallel zu den starken Niederschlägen bringt die Unwetterfront Erminio extreme Winde und atmosphärische Störungen mit sich. In der östlichen Landeshälfte wehen Winde aus östlichen und südöstlichen Richtungen mit Stärken von 7 bis 9 Beaufort. In der Region des Dodekanes erreichen die Windgeschwindigkeiten sogar bis zu 10 Beaufort. Das Nationale Observatorium Athen prognostiziert für das südöstliche Ägäische Meer Böen von bis zu 90 Stundenkilometern, die lokal die Marke von 100 Stundenkilometern überschreiten können.
Zusätzlich zu den Stürmen wird eine massive Überführung von afrikanischem Staub erwartet. Starke südliche Luftströmungen transportieren große Mengen an Sand aus Nordafrika in das östliche Mittelmeer. Dieses Phänomen ist seit den frühen Morgenstunden im Süden und im Zentrum des Landes sichtbar und intensiviert sich im Tagesverlauf erheblich.
Die höchsten Staubkonzentrationen werden auf Kreta, der Peloponnes, den Kykladen sowie in der östlichen Sterea Ellada gemessen. Diese Wetterkonstellation führt zu stark eingeschränkter Sicht und einer deutlichen Verschlechterung der Luftqualität, was in Kombination mit den Regenfällen zu sogenanntem Schlammregen führt.
Wetterprognose und anhaltende Instabilität
Die meteorologische Lage bleibt auch am Donnerstag, den 2. April 2026, äußerst kritisch. Es wird weiterhin unbeständiges Wetter mit dichten Wolken, starken Regenfällen und Gewittern vorhergesagt. Rote Warnstufen gelten weiterhin für die westliche und südliche Peloponnes, Kreta sowie in den frühen Morgenstunden für den Dodekanes. In der östlichen Thessalien, der Zentralmakedonien und auf den Inseln der Ost-Ägäis bleibt die orange Warnstufe aktiv.
Die Temperaturen verzeichnen einen leichten Rückgang und erreichen in Westmakedonien Werte zwischen 1 und 8 Grad Celsius, während sie im restlichen Festland auf bis zu 17 Grad steigen. In der östlichen Inselregion werden Höchstwerte von bis zu 18 Grad Celsius erwartet.
Zum Wochenende hin schwächt sich das System schrittweise ab. Für Freitag und Samstag werden laut dem Griechischen Wetterdienst nur noch lokale Schauer und vereinzelte Gewitter prognostiziert, die sich hauptsächlich auf den Osten und Süden des Landes konzentrieren. Die Winde drehen allmählich auf westliche und nördliche Richtungen, wobei die Temperaturen auf einem konstanten Niveau verbleiben und sich die Wetterlage am Sonntag spürbar beruhigen wird.