Griechenland – Ein monumentales Infrastrukturprojekt nähert sich seiner finalen Vollendung und verspricht eine tiefgreifende Veränderung der nationalen Verkehrsströme. Die lang erwartete Autobahn E65, die Zentralgriechenland durchschneidet, steht kurz vor dem Abschluss. Aktuelle Baufortschritte belegen, dass der verbleibende nördliche Abschnitt von 45 Kilometern voraussichtlich im Juni 2026 für den Verkehr freigegeben wird, wodurch Athen direkt mit der Region Mazedonien verbunden wird.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der letzte Abschnitt der E65-Autobahn wird im Juni 2026 für den Verkehr freigegeben.
- Die neue Trasse überwindet massive Höhenunterschiede mit 23 Brücken und zwei Tunneln.
- Die Fahrzeit von Lamia zur Egnatia Odos sinkt drastisch auf unter zwei Stunden.
- Die Reisezeit von Athen in die nordgriechischen Regionen wird extrem verkürzt.
- Das Projekt verbindet erstmals die Häfen von Igoumenitsa und Volos über eine durchgehende Schnellstraße.
Der finale Ausbau der strategischen Nordachse
Das ehrgeizige Bauvorhaben umfasst insgesamt eine neu geplante und trassierte Strecke von 181,5 Kilometern. Bislang sind im zentralen Teil des Landes bereits rund 136 Kilometer zwischen den Ortschaften Anthili und Kalambaka in vollem Betrieb. Das nun in der Umsetzung befindliche nördliche Teilstück schließt die letzte Lücke und verbindet den bestehenden Autobahnkreuz bei Trikala direkt mit der wichtigen Ost-West-Achse der Egnatia Odos.
Dieser hochmoderne Abschnitt stellt eine technische Meisterleistung dar, da er massive geografische Hindernisse des Pindos-Gebirges überwindet. Allein auf diesem finalen Teilstück wurden 23 Brücken sowie zwei große Tunnelanlagen am 137. Kilometer und am 176. Kilometer errichtet. Hinzu kommen sechs neue, kreuzungsfreie Anschlussstellen, die den regionalen Verkehr sicher in das Fernstraßennetz einspeisen. Die neue Fahrbahn verfügt über zwei reguläre Spuren sowie einen durchgehenden Standstreifen pro Fahrtrichtung. Jüngste Aufnahmen der Betreibergesellschaft zeigen, dass der Straßenbelag nahezu fertiggestellt ist und aktuell lediglich die finalen Fahrbahnmarkierungen sowie die Beschilderung fehlen.
Massive Zeitersparnis für Pendler und Urlauber
Die vollständige Inbetriebnahme der E65 verändert die Reisezeiten innerhalb der Hellenischen Republik fundamental und entlastet das überholte Landstraßennetz. Die anspruchsvolle Fahrt von der Hauptstadt Athen in die Bergregionen um Grevena oder Metsovo erfordert künftig nur noch rund 4 Stunden. Die Fahrt in die nordgriechische Industriestadt Kozani dauert künftig exakt 4 Stunden und 30 Minuten, während die Grenzregion um Kastoria in knapp 4 Stunden und 35 Minuten sicher erreichbar ist.
Auch die zentraleren Ziele auf dem Festland rücken durch den Ausbau deutlich näher an die Metropolregion Attika heran. Die Stadt Trikala liegt künftig weniger als 3 Stunden von Athen entfernt, während sich die Fahrt nach Karditsa auf lediglich 2 Stunden und 35 Minuten verkürzt. Die markanteste und für den Transitverkehr wichtigste Verbesserung verzeichnet jedoch die Direktverbindung von Lamia im Süden zur Egnatia Odos im Norden: Hier fällt die Fahrtdauer von bisher anstrengenden drei Stunden und einer Viertelstunde auf extrem schnelle 1 Stunde und 45 Minuten.
Strategische Bedeutung für Häfen und den Balkan
Neben dem Individualverkehr profitiert primär die heimische Wirtschaft massiv von der neuen Infrastruktur. Die durchgehende Fertigstellung der Autobahn schafft erstmals eine direkte, sichere und vor allem schnelle Landverbindung zwischen dem westlichen Hafen von Igoumenitsa am Ionischen Meer und dem östlichen Hafen von Volos an der Ägäis. Diese Querverbindung galt jahrzehntelang als logistisches Nadelöhr.
Darüber hinaus verkürzt sich die strategisch äußerst wichtige Transitroute für den internationalen Güter- und Schwerlastverkehr erheblich. Die Fahrzeit der Lkw-Kolonnen vom zentralen Hafen in Piräus bis zu den Grenzübergängen der Länder des westlichen Balkans reduziert sich durch den neuen Korridor um bis zu zwei Stunden. Diese Effizienzsteigerung stärkt die Position der nationalen Häfen im hart umkämpften südosteuropäischen Logistiknetzwerk nachhaltig.