Griechenland – Die anhaltende geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten hinterlässt erste Spuren in der griechischen Tourismusindustrie. Unternehmer und Beschäftigte des Sektors beobachten die Entwicklungen mit Sorge, da sich der Rhythmus der Neubuchungen für die bevorstehende Sommersaison spürbar verlangsamt hat. Zwar verzeichnet die Branche auf nationaler Ebene bislang keine massive Welle an Stornierungen, doch befindet sich der Markt in einer abwartenden Haltung. Sowohl potenzielle Reisende als auch touristische Dienstleister zögern mit endgültigen Entscheidungen, bis sich die internationale Sicherheitslage klärt.
Die aktuellen Marktdaten zeigen, dass das grundsätzliche Interesse an griechischen Destinationen weiterhin besteht und die entsprechenden Suchanfragen anhalten. Die Zurückhaltung manifestiert sich jedoch bei der finalen Festbuchung der Urlaubsreisen. Erste direkte Auswirkungen der Krise konzentrieren sich vor allem auf jene Quellmärkte, die geografisch und wirtschaftlich eng mit dem Nahen Osten verknüpft sind. Auf der Insel Rhodos richtet sich die Sorge primär auf den israelischen Markt. Für Ende März waren dutzende Flüge mit mehreren tausend erwarteten Besuchern aus Israel auf die Dodekanes-Insel geplant, deren Durchführung nun infrage steht.
Brancheneinschätzungen zur aktuellen Buchungslage
Vertreter der griechischen Hotellerie ordnen die Situation derzeit als ernst, aber noch nicht als kritisch ein. Christina Tetradi, die neue Präsidentin des Forschungsinstituts für Tourismus (ITEP) und Vorsitzende der Hoteliervereinigung von Zakynthos, ließ verlauten, dass es für abschließende Schlussfolgerungen bezüglich der Sommersaison noch zu früh sei. Ein klareres Bild der tatsächlichen Marktlage werde sich erst gegen Ende März abzeichnen, wenn die traditionelle Frühbucherphase beendet ist.
Konstantina Svinou, Vizepräsidentin der Hoteliervereinigung der Insel Kos, bestätigte gegenüber griechischen Medienberichten ebenfalls eine Verlangsamung des Buchungsrhythmus. Sie betonte jedoch, dass dieser Umstand zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keinen Anlass zu ernsthafter Besorgnis gebe. Diese Einschätzung wird von weiteren Marktteilnehmern geteilt. Nikos Chalkiadakis, Präsident der Hoteliervereinigung von Iraklio auf Kreta, wies auf konkrete Ausfälle hin und erklärte, dass in den vergangenen Tagen vier organisierte Reisegruppen aus Israel ihre Aufenthalte auf Kreta storniert hätten. Die Branchenvertreter sind sich einig, dass letztendlich die Dauer und die Intensität des Konflikts die weitere Entwicklung des griechischen Tourismusjahres diktieren werden.
Auswirkungen auf den Flugverkehr und Aegean Airlines
Die Zurückhaltung der Reisenden schlägt sich auch in den Bilanzen der nationalen Fluggesellschaften nieder. Eftychios Vasilakis, Präsident von Aegean Airlines, skizzierte die gegenwärtige Situation im Rahmen der jüngsten Präsentation der Unternehmenszahlen vor Finanzanalysten. Vasilakis erklärte, dass die Buchungseingänge seit Beginn der Kampfhandlungen im Nahen Osten ein Muster aufweisen, das der Situation vor vier Jahren beim Ausbruch des Krieges in der Ukraine ähnele. Das Unternehmen verzeichne im Vergleich zu den Vorwochen einen Rückgang der Neubuchungen um acht bis zehn Prozent. Dieses Niveau könne sich jedoch in Abhängigkeit von den künftigen Entwicklungen wieder normalisieren.
Destinationen im Nahen Osten repräsentieren laut der Unternehmensführung etwa vier bis fünf Prozent der Gesamtkapazität von Aegean Airlines. Unter Berücksichtigung der bisherigen Daten gehe die Fluggesellschaft dennoch von einem Jahr aus, das sich auf einem stabileren Niveau bewegen werde, als es nach den Vorjahreszahlen prognostiziert worden war. Vasilakis betonte, dass derzeit keine verlässlichen Schätzungen darüber abgegeben werden könnten, wie lange die Flugverbindungen in diese spezifischen Zielgebiete ausgesetzt bleiben müssen. Während einige konkurrierende Fluggesellschaften Israel in den vergangenen Tagen bereits vollständig aus ihren Sommerflugplänen gestrichen haben, erachtet Aegean diesen Schritt aktuell noch als verfrüht. Neben den direkt betroffenen Flugzielen leide auch der Flugverkehr von und nach Zypern unter den geopolitischen Spannungen, wo ein Buchungsrückgang von über zehn Prozent registriert wurde.
Positiver Jahresauftakt trotz geopolitischer Spannungen
Ungeachtet der aktuellen Delle bei den Sommerbuchungen startete der griechische Luftverkehrs- und Tourismussektor äußerst robust in das Jahr 2026. Die offiziellen Statistiken für die ersten beiden Monate Januar und Februar belegen einen starken Anstieg des Passagieraufkommens. Dies gilt sowohl für den Hauptstadtflughafen als auch für die regionalen Verkehrsknotenpunkte, was die strukturelle Dynamik des griechischen Tourismus unterstreicht.
Der Internationale Flughafen Athen “Eleftherios Venizelos” fertigte im ersten Bimester des Jahres insgesamt 3,97 Millionen Passagiere ab. Dies entspricht einer Steigerung von 10,8 Prozent gegenüber dem identischen Zeitraum des Jahres 2025. Aufgeschlüsselt nach Segmenten verzeichnete der Inlandsverkehr ein Plus von 8,5 Prozent, während der internationale Flugverkehr mit einem Wachstum von 11,7 Prozent noch deutlicher zulegte. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den 14 griechischen Regionalflughäfen, zu denen unter anderem Thessaloniki, Rhodos, Korfu, Chania und Santorin gehören und die vom Betreiber Fraport Greece verwaltet werden. In den Monaten Januar und Februar 2026 stieg das dortige Gesamtaufkommen um 8,6 Prozent, wobei die internationalen Ankünfte einen Zuwachs von 5,7 Prozent verbuchten.
Religiöser Tourismus vor dem orthodoxen Osterfest
Eine spezifische Herausforderung ergibt sich aktuell für den Sektor des religiösen Tourismus, insbesondere im Hinblick auf das bevorstehende orthodoxe Osterfest. Marktbeobachter registrieren massive logistische und sicherheitstechnische Hürden bei Pilgerreisen, die von Griechenland in Richtung Israel und Jordanien führen sollen. Diese beiden Länder gelten traditionell als die wichtigsten Zieldestinationen für griechische Touristen und Gläubige während der Osterfeiertage.
Die anhaltenden Kriegshandlungen zwingen die Reiseveranstalter, ihre Programme für das Heilige Land kontinuierlich neu zu bewerten. Zahlreiche Reisebüros, die sich auf religiöse Touren spezialisiert haben, befinden sich derzeit in einer Wartestellung. Sie zögern noch mit der finalen Absage der geplanten Pilgerreisen in die beiden betroffenen Länder und warten auf eine mögliche Entspannung der Sicherheitslage, bevor sie endgültige Stornierungen gegenüber ihren Kunden aussprechen.