Kreta – Auf der griechischen Mittelmeerinsel Kreta verzeichnet die staatliche Elektrizitätsgesellschaft (DEH) Außenstände in Höhe von über einhundert Millionen Euro. Wie aus aktuellen Erhebungen der zuständigen Gewerkschaft der Energiearbeiter (GENOP-DEH) hervorgeht, setzt sich die Gruppe der säumigen Zahler primär aus lokalen Geschäftsleuten und Eigentümern von umfangreichen Immobilienportfolios zusammen. Der Vertreter der Gewerkschaft, Giannis Vrentzos, teilte mit, dass dieser Schuldenberg einen erheblichen Anteil für eine einzelne Region darstelle, da Kreta etwa zehn Prozent der griechischen Verwaltungsbezirke ausmache.
Das finanzielle Defizit resultiert dabei nicht aus der Zahlungsunfähigkeit privater Kleinverbraucher, sondern aus systematischen Rückständen der kretischen Privatwirtschaft. Um die massiven Einnahmeausfälle einzudämmen, führen die Behörden der Elektrizitätsgesellschaft nun gezielte Datenabgleiche durch, um ungerechtfertigte Schutzmechanismen aufzuheben und die offene Schuld einzufordern.
Strukturwandel bei den Schuldnern der Elektrizitätsgesellschaft
Die historische Zusammensetzung der Schuldnerstruktur bei der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. Wie das Gewerkschaftsmitglied Vrentzos ausführte, sei der öffentliche Sektor in der Vergangenheit traditionell einer der unzuverlässigsten Kunden des Energieversorgers gewesen. Diese Situation habe sich jedoch stabilisiert, sodass heutzutage keine übermäßigen Schuldenberge mehr von staatlichen Einrichtungen oder Behörden generiert würden. Der Staat habe in Bezug auf seine Zahlungsverpflichtungen ein Gleichgewicht erreicht.
Das Problem der unbezahlten Rechnungen habe sich stattdessen vollständig in den privaten und wirtschaftlichen Sektor verlagert. Die massiven Außenstände konzentrierten sich nun explizit auf bestimmte Unternehmer und Personen, die über eine Vielzahl von Immobilien verfügten. In diesem spezifischen wirtschaftlichen Milieu hätten sich die enormen Schulden angehäuft, die nun die Bilanzen der DEH belasten.
Missbrauch des Sozialtarifs durch Besitzer von Luxusimmobilien
Im Zuge der verstärkten Überprüfungen durch die Elektrizitätsgesellschaft deckten die Kontrolleure gezielte Missbrauchsfälle von staatlichen Schutzmechanismen auf. In Griechenland existiert ein spezieller Sozialtarif, der vulnerable Haushalte mit geringem Einkommen vor Stromsperren schützen und vergünstigte Tarife bieten soll.
Bei den Datenabgleichen der DEH auf Kreta wurde laut den Ausführungen von Vrentzos jedoch festgestellt, dass dieser Tarif auch von wohlhabenden Immobilienbesitzern ausgenutzt wurde. Als konkretes Beispiel nannte er den Eigentümer einer Villa mit einer Wohnfläche von über vierhundert Quadratmetern, der dem Versorger mehrere tausend Euro schuldete.
Der Eigentümer hatte sein Anwesen in den Sozialtarif integrieren lassen, um von dem rechtlichen Schutz vor Abschaltungen zu profitieren. Nachdem die DEH die tatsächlichen Vermögenswerte und Daten des Kunden abgeglichen hatte, griffen die gesetzlichen Bestimmungen. Dem Villenbesitzer wurde der Schutzstatus entzogen, was zur unmittelbaren Kappung der Stromversorgung führte.